Neumitgliederwerbeung
von Tell-leiter (28.09.10 13:27:50)Was macht ihr bzw. was würdet ihr machen um für eure Gruppe Neumitglieder zu werben?
Ich bin Leiter einer Kindergruppe, die dem BDSJ (Bund der St. Sebastianus Schützenjugend) angehört. Seit ungefähr 2 Jahren versuche ich Neumitglieder zu werben.
Zuerst haben wir uns an den Weltbessermacherwettbewerben von Misereor beteiligt, um dem schlechten Image von Schützen entgegen zu wirken.
Unsere Aktionen haben wir erfolgreich in den Medien vorgestellt.
Wir haben die Kommunionkinder zu unserem Kinderfest eingeladen, und legen unsere Broschüren in den Kirchen und Schulen aus.
Trotzdem bekommen wir keine Neumitglieder. Habt ihr vielleicht noch weitere Ideen?
Einige, weitere Ideen findest Du schon in:
Ich fürchte, dass das Hauptproblem dabei jedoch nicht euer Marketing, sondern euer Inhalt sein könnte. In Zeiten von pädagogisch sehr strittig gesehenen Ballerspielen und vermehrt auftretenden Amokläufen könnte auf Eltern allein schon der Name eures Vereins "abschreckend" wirken. Daher finde ich es schon sehr gut, dass ihr daran arbeitet.
Vielleicht gibt es aber auch noch bessere Ideen?
Ich denke ähnlich, wie Christian, dass bei vielen Eltern Schützenvereine einen negativen Beigeschmack haben. Vielleicht solltet ihr die Zielgruppe euerer Werbung erweitern. Bezieht verstärkt Eltern mit ein und versucht, ihnen einen Einblick in euren Verein zu geben. Ich denke da weniger an eure Angebotspalette, sondern mehr an Einstellungen, was bedeutet es, zur Schützenjugend dazu zu gehören. Wie Christian schon sagte, ist der Begriff "Schütze" gerade durch die Amokläufe vorbelastet. Wenn Eltern dann hören, dass ihre 8-jährigen Kinder auch zu "Schützen" werden sollen, kann ich mir nicht vorstellen, dass der erste Gedanke sehr positiv ausfällt. Aber das ist die Stelle, an der ihr ansetzen könnt, denn der Weg zu den Minis führt immer über die Eltern. Wie wäre es mit einem Infostand auf dem nächsten Gemeindefest, bei dem ihr das Gespräch mit Eltern suchen könnnt, oder einer Aktion zu Erntedank oder Weihnachten. Alles Möglichkeiten, nicht nur das Image zu verbessern, sondern auch Vorurteile abzubauen.
Ich denke auch, dass es wichtig ist, die Eltern anzusprechen. Denn das Image des Vereins kann noch so gut sein, wenn Vorurteile die Eigenschaft, neutral abzuschätzen, blockieren.
Besser: Veranstaltet einen Infoabend/-nachmittag für die Eltern, evtl. auch mit ihren Kindern. Ein paar Gruppenleiter können mit den Kindern z.B. Spiele spielen und ihnen kindgerecht vermitteln, was ihr so in eurem Verein macht. ALLES Positive zeigen. Währenddessen werden dann die Eltern über den Verein informiert -z.B. mit PowerPoint (viele Bilder und Fotos, klare und strukturierte Infos), Handouts,...- und ihnen gezeigt, dass die Schützenjugend eben nicht nur kleine "Amokläufer" hervorbringt. Kaffee und Plätzchen sind dann immer gern gesehen ;-) Anschließend gehen dann bestenfalls die Kinder glücklich und spaßig und die Eltern beruhigt und zuversichtlich nach Hause und eine Anmeldung ist nicht mehr in weiter Ferne.
Auch sind, wie schon von Holger geschrieben, Gemeindefeste eine gute Gelegenheit, Vorurteile abzubauen. Hier sollte man wieder versuchen Eltern UND Kinder anzusprechen: die Kinder mit Spielen (z.B. Glücksrad drehen o.ä.) und die Eltern mit ÜBERSICHTLICHEM Infomaterial. Manche Gemeinden erlassen Jugendvereinen sogar die Standgebühr.
Glaubt Ihr wirklich, dass der Grund vor allem in der Identität des Vereins liegt? Oder auf gut deutsch: Hätte Markus das Problem der wegbleibenden Kinder nicht, wenn es sich nicht um einen Schützenverein handeln würde? Ich wäre mir da nicht so sicher ...
Sicherlich haben Schützenvereine diese Problematik zusätzlich. Aber die Medien übertreiben es oft mit ihrer Darstellung, dass jetzt alle in Panik wären. Die Masse der Menschen ist meist deutlich konservativer als es Politiker und Medien uns weismachen wollen (die Reaktionen der "Normalbürger" auf Sarazin und die enormen Buchverkäufe lassen grüßen ...). Zudem bestimmen heute vor allem die Kinder selber, was sie in ihrer Freizeit tun. Die Eltern wollen ja heute beispielsweise auch nicht, dass ihr Kind Übergewicht bekommt. Trotzdem sitzt der rundliche Nachwuchs weiter vor Glotze und Computer ...
Ich denke, dass Markus' Problem sich nicht so viel von dem vieler anderer Vereinen unterscheidet, denen heute die Kinder wegbleiben. In Zeiten von Geburtenrückgängen, Ganztagesschulen und immer höheren Anforderungen in der Schule haben nicht nur Schützenvereine Nachwuchsprobleme. Oftmals verlieren Vereine den frühzeitigen Anschluss an die junge Generation und haben es dann besonders schwer.
Zurzeit schreibe ich ein Buch, indem es nicht nur um diese Problematik, sondern viel mehr um Lösungen geht. Dazu gehören Strukturen und Werkzeuge, die für die Kinder attraktiv sind, ihnen aber vor allem einen leichten Zugang geben. Der Platz reicht an dieser Stelle dafür leider nicht aus.
Aber einen wichtigen Tipp möchte ich hier trotzdem geben: Im Gespräch mit Mitarbeitern und auch hier im Grik werden immer wieder Dinge vorgeschlagen, die nachweislich keinen Erfolg bringen oder nur unter bestimmten Umständen funktionieren (gilt nicht für alle Ideen!). Dazu gehören beispielsweise herkömlich konzipierte Werbeaktionen auf Stadtfesten, selbstveranstaltete Feste und so weiter. Diese Aktionen allein helfen in der Regel maximal dabei das Image einer Organisation zu verbessern (und das ist in den meisten Fällen nicht wirklich nötig!). Kinder werden dadurch allein nicht gewonnen. Daher: Wenn dir jemand eine Idee/Aktion empfiehlt: Frag' nach, wer es schon einmal ausprobiert hat und was er damit für einen Erfolg hatte.
Ich denke, dass es ein Grund die Identität des Vereins sein wird. Menschen denken in Schubladen. Daher hätte ich persönlich auch ein Problem, wenn mein Kind bei einem solchen Verein beitreten würde. Hierbei tauchen ganz andere Vorstellungen und Bilder bei mir auf als beim Fußballverein, Schwimmclub oder den Maltesern.
Natürlich wird es auch zahlreiche, weitere Gründe geben, die auch auf andere Vereine zutreffen. Dazu sind schon viele Ideen in den verlinkten Artikeln und auch in diesem aufgeführt. Allerdings gibt es auch zahlreiche Vereine, die überrant werden. Ob eine Idee im eigenen Verein, mit dem eigenen Material, mit den eigenen Personen und (allgemein) den Ressourcen und der Umgebung funktioniert, muss jeder selbst entscheiden (das gilt übrigens für alle Ideen). Aber das ist das grundsätzliche Problem mit "Austausch".
Hier wurde von mehreren Personen das ggf. mögliche Image-Problem ähnlich wie von mir gesehen. Daher wurden auch entsprechende Tipps gegeben. Natürlich mag es Eltern geben, denen die Freizeigestaltung der Kinder egal ist bzw. die aufgegeben haben. Trotzdem denke ich, dass hier eine ausführlichere Darstellung des Vereins helfen kann, um die "Schublade" bei den Eltern zu erweitern. Dann können auch über diese Kinder gewonnen werden. Nur die Kinder ohne die Eltern gewinnen zu wollen, halte ich bis auf wenige Ausnahmen (s. eben beschrieben) für aussichtslos.
Hier wird gezielt nach Ideen/Anregungen/Vorschlägen gefragt. Wenn man eine beschreibt, die man schon umgesetzt hat, werden im Normalfall sofort Erfahrungen mitangegeben. Teilweise hat man aber auch Ideen, die man angeben möchte, da man diese selbst zur Frage passend findet, und noch nicht durchgeführt hat. Es gibt für mich keinen Grund diese nicht zu schreiben - ob es überhaupt Ideen gibt, die "nachweislich keinen Erfolg bringen" weiß ich nicht. Denn auch für die ungetesteten und für die Ideen, die im Selbstversuch scheiterten, gilt aus meiner Sicht: Ob eine Idee im eigenen Verein, mit dem eigenen Material, ...
Insgesamt ist hier viel Platz, den du gerne für deine Lösungen nutzen darfst ... ;-)
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