Zurück auf die Bäume. Das Recht der Kinder auf Wildnis, Freiheit und Natur.
von mehlersoft (23.07.10 12:03:55)In der aktuellen Goe (08/2010) lautet das Titelthema "Zurück auf die Bäume. Das Recht der Kinder auf Wildnis, Freiheit und Natur." Es geht dabei um die Angst der Eltern, den immer kleiner werdenen Aktionsradius der Kinder, den Spaß der Kinder beim freien Arbeiten in bzw. mit der Natur und dem Schaden bei "Natur-Entzug". Schön wird dabei auch beschrieben wie die Schule sich theoretisch mit der Materie auseinandersetzt, aber eben kaum praktisch gearbeitet wird.
Den Artikel kann man online unter http://www.geo.de/GEO/mensch/64781.html lesen. Was ich dabei schade finde, ist, dass die Tipps (S. 100) für Familien zum Umgang mit der Natur dort nicht erscheinen (oder ich habe es beim Überfliegen übersehen).
Ich empfehle den Artikel jetzt mal als klar "mehr als lesenwert" und frage dabei: Wie können wir Kindern das Naturerleben in unseren Gruppenstunden und Ferienfahrten ermöglichen? Wie können wir diese im Umgang mit der Natur festigen? Was für konkrete Aktionen habt ihr da schon gemacht?
Sammel jetzt einfach mal das, was ich schon finde:
Artikel- dreckig/schmutzge Spiel (Vorschau)
- Dreckige Spiele - Lehmskulpturenbau (Vorschau)
- Kräutergarten für das Lager (Vorschau)
- Wetterstation (Vorschau)
- Kräuterbuch (Vorschau)
- Sand färben - Mitbringsel von der Nordsee-Freizeit (Vorschau)
- Grundlagen Lagerbauten (Vorschau)
Einen Bach entlanglaufen, soweit es geht. Bis zur Quelle oder andersrum.
Eine Nachtwanderung, bei der man den Sonnenaufgang erleben kann. Schön, wenn man der Natur beim aufwachen zuschauen und zuhören kann und der Sonnenaufgang ist dann der krönende Abschluss.
An einem regnerischen Tag (wenn es sehr warm ist), nicht im Haus verstecken, sondern im Regen Fangen spielen. War für unsere Kinder eine ganz neue Erfahrung.
Da kann ich dir nur zustimmen. Als Kinder haben wir im Sommer an warmen Tagen im Regen Fangen gespielt. Das sind bleibende Erinnerungen meiner Kindheit.
Wir machten einmal in einem Lager ein Nachtgeländespiel und dann legten wir uns hin (ins Gras) und schauten zu den Sternen hoch. Wir sahen viele Sternschnuppen! **
Wir haben in unserem letzten Biwak (Übernachtung in der Schützenhalle) einen Experten des NABU eingeladen. Der hat uns eine ganze Menge über Fledermäuse erzählt und anschließend mit uns eine Nachtwanderung mit Fledermausbeobachtung gemacht.
Das hat den Kindern (6 - 12 Jahre) sehr gut gefallen.
Eine Gruppenstunde befasste sich mit dem Bau (Schnitzen) von Rindenbooten. Die Kinder waren hellauf begeistert und wateten durch den nahen Bach um ihre Botte wiederflott zu bekommen oder an der Ziellinie einzusammeln.
Ich kann hier auch Teile oder die gesamte Aktion Waldfühlung empfehlen http://www.grik.de/a3369-Waldfuehlung.html. Damit habe ich gute Erfahrungen gesammelt. Es handelt sich um viele kleine Stationen, bei denen die Kids ohne feste Gruppe durch den Wald pilgern und an Stationen unter Anleitung oder ohne ihre Erfahrungen sammeln können. Vor allemw ar es ein Nachmittag ohne Konkurrenz mit Spiel, Ruhe und Fingerfertigkeiten.
Ich habe den Artikel auch gelesen und war ziemlich betroffen. Habe dann einige Links verfolgt und bin schließlich bei den Weltenwandlern gelandet, die Naturerfahrungen anbieten und dies als Schulungsleiter in Wochenendseminaren oder auch als jemand, der für 1-2 Tage ins Lager kommt, um diverse Aktionen zu begleiten oder zu gestalten. Bin gespannt, ob aus diesem Kontakt neue impulse entstehen und wir vielleicht mal ein lager ganz in den Sinn von Naturerfahrungen stellen werden. http://www.weltenwandler-wildnis.de/
Die machen auch jeden Monat ein Lagerfeuer, bei dem es nur um Austausch, Kennenlernen etc. geht.
Eine Grundidee dabei sit auch, den Kindern keine Rezepte an die Hand zu geben, sondern nur die Möglichkeiten zu geben, alles auszuprobieren.
Dieses jahr hatte ich wenig eigene AGs vorbereitet und wurde danngefragt, ob ich nicht eine "Bau"-AG anbieten könnte, da viele Jungs einfach mal was aus Holz bauen wollten. Genügend Latten (Brennholz) und Nägel waren da und so sagte ich zu. Es war interessant zu sehen, wie die verschiedenen Jungs dann überlegten was sie machen möchten. Schließlich haben sich die meisten einen Stuhl gebaut und das teilweise echt mit kreativen und statisch interessanten Ansätzen. Ich war dann sozusagen nur damit beschäftigt mal den ein oder anderen NAgel, der schieflag wieder gerade zu beigen, herauszuziehen oder zu versenken.
Bei genügend Kiefernrinde biete ich auch imemr Schnitzen an. Bewußt ohne Ziel und Vorgabe, denn auch bei mir ist es oft so, daß ich erst beim Schnitzen dann spontan entscheide, was aus dem Werkstück werden soll. Wird es ein Tier, ein Boot, eine Figur - wenn alles lose erstmal weggebrochen ist und man die Ränder beschnitzt hat ergibt sich meistens eine erste Idee, die man dann verfolgen kann. Das ist vor allem eine sehr beruhigende Arbeit und für Kinder ideal. Je nach Alter sollte man halt den 1.Hilfe koffer in der Nähe haben, um die Schnitzer mit Pflaster zu versorgen - aber auch das ist ja eine Erfahrung wert. Meine 4,5 jährige Tochter hat jetzt auch ihre erste Schnittwunde und es wird ihr hoffentlich die nötige Weiterbildung geben im Umgang mit dem Taschenmesser (natürlich unter Aufsicht!)
Vor zwei Jahren hatten wir an einer Hütte auf dem zeltplatz ein Wespennest - just in der Gegend, in der wir auch essen wollten. Bevor einige Gruleis ihre rabiaten Schritte angehen konnten setze ich mich durch und ließ einen Insektenbeauftragten anreisen, der uns und dann auch die kinder aufklärte über den Umgang mit Wespen. Und siehe da es gab keinen Stich im ganzen Lager und die Kiddies waren interessiert an dem Knowhow des Fachspezialisten.
Das größte Problem scheint mir die Angst der Erwachsenen vor Unfällen und Schäden zu sein. Wir wollen alles absichern, um die Reste unseres Nachwuchses aufwachsen sehen zu können (schließlich gibt es immer weniger Kinder). Dafür benötigen wir Qualitätsstandards (Zaun- und Wiesenregeln). Die gab es allerdings vor 50 Jahren auch schon. Sie wurden nur nicht so rigoros durchgesetzt. Heute ist alles justiziabel. Jeder hat eine Rechtsversicherung und sorgt dafür, dass der nicht gestreute Gehweg mit Salz "gezuckert" wird, damit die eigene Versicherung nicht benutzt werden muss - vielleicht aber die des Nachbarn?
Ich bin gerstern in einem Schwimmbad ausgerutscht (auf Platten die zweifach als rutschfest zertifiziert worden waren). Fallen habe ich bereits als Kind gelernt. Die Verletzungen sind trotzdem beträchtlich - aber zum Glück keine Frakturen. Die logische Folgerung wäre die rechtliche Auseinandersetzung - zumal mir der Bademeister erzählte, dass ich bereits der zigste Fall in diesem Jahr sei. So bewegt sich unsere Kultur unaufhaltsam hin zum durchorganisierten Gelebtwerden. Alles ist geplant und strategisch geordnet, zertifiziert oder durch Fachleute abgesichert. Dieser Trend ist von der Mehrheit gewünscht. Ein Heuchler, der nicht schon nach mehr Sicherheit und Kontrolle geschrien hätte, wenn er selbst negativ betroffen war.
Deshalb sehe ich schwarz mit unserem Bemühen um mehr Baum für unsere Kinder. Aber ich wünsche mir, es würde wieder unsicherer. Ich wünsche mir wieder mehr Mut zur Lücke und die Kraft anzunehmen, was dann geschehen mag...
Ulrich Pietrek
www.schlaue-fuechse.org
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