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Diskussionsplatz - Pädagogische Fragen

Disziplinprobleme mit dem Durchzugskind

von mehlersoft (06.12.09 11:58:07)

Dies ist das dritte Situationsbeispiel von pädagogisches Handeln neu durchdacht (Vorschau), wie es sich bei einer Ferienfahrt, einem Lager oder einer Gruppenstunde zutragen könnte. Mich interessiert dabei, was Du tun würdest, wie Du in dieser Situation reagieren würdest. Über weitere Situationsbeispiele freue ich mich natürlich (bitte in pädagogisches Handeln neu durchdacht (Vorschau)). Heute ist ein etwas längerer Situationsaufbau notwendig:

 

Eine Sportgruppe Jungs und Mädels zwischen 8 und 12 trainieren 2x wöchentlich. Anfangs war es schwierig mit der Disziplin in der Gruppe, aber nachdem die meisten Kinder regelmäßig zum Training kommen, haben sie sich schnell an den neuen Trainer und seine Spielregeln gewöhnt (der vorherige Trainer hat nicht besonders viel Wert auf Disziplin gelegt, sondern die Kinder oft machen lassen, was sie wollten).
Allerdings gibt es einen Jungen namens Max, der nur unregelmäßig kommt. Max ist 12 Jahre alt und sowohl technisch als auch disziplinarisch der Schwächste in der Gruppe. Wird etwas erklärt, hört er grundsätzlich nicht zu. Meistens findet er noch einen Weg, andere Kinder ebenfalls abzulenken und damit die ganze Gruppe aufzuhalten. Darüber hinaus hält er sich nicht an Regeln "Ihr dürft nicht... weil das sonst kaputt geht" - Am Anfang der Einheit zweimal gesagt, und er hat es trotzdem noch dreimal gemacht.


Hört er überhaupt mal zu? Geht des alles "da rein, da raus"?? (Durchzugs-Kind)
Strafen wie Liegestützen, auf die Bank setzen, am Ende beim gemeinsamen Spiel nicht mitspielen dürfen haben keinerlei Wirkung gezeigt. Auch ein Einzelgespräch nicht, Ermahnungen sowieso nicht.


Nur um keinen falschen Eindruck zu hinterlassen, der Trainer will bestimmt keine Disziplin wie beim Militär, aber wenn der Trainer etwas erklärt, sollen die Kinder zuhören, dürfen danach nachfragen, anschließend sollen die Kinder die Aufgabe nach bestem Wissen und Können durchführen.

 

Wie würdet ihr vorgehen?

Kommentar von mehlersoft (06.12.09 12:06:26)

Da es sich dabei nur um ein Kind geht, kann der Trainer aus meiner Sicht nicht so wirklich viel falsch machen - sonst wäre es ein generelles Problem. Interessant fände ich, was bei den Einzelgesprächen herausgekommen ist, warum das Kind das macht. Zudem würde ich noch versuchen den familären und sozialen Hintergrund des Kindes zu "erforschen". Daraus lernt man häufig genau bei solchen Fällen sehr viel, wodurch man diese besser verstehen, einschätzen aber dann auch daraus besser auf diese zugeschnitten handeln kann.

 

Vielleicht würden aber auch diverse Kartensysteme und "Strafsysteme" helfen, die man aus dem eher schulischen Kontext kennt. Beispielsweise Phasenkarten (also große Karten, auf denen drauf steht, was gerade methodisch gemacht wird (Vortrag, Einführung, Gruppenarbeit, Einzelarbeit, etc. - je nach Sportart bestimmt unterschiedlich)) oder auch solche "Strafsysteme". Am Anfang der Stunde bekommt dieser Junge drei Sterne an die Wand geklebt. Pro Fehlverhalten wird einer entfernt. Wenn er zum Schluss keinen Stern mehr hat, darf er am Abschlussspiel (möglichst toll und spaßig) nicht teilnehmen. Bei einem Stern, nur x Minuten und nicht die volle Zeit, usw. Wichtig wäre dabei ihn dann auch wirklich jedes Mal zu loben, wenn er etwas toll/gut gemacht hat (positive Verstärker).

Alternativ könnte man auch sich einfach mal eine ganze Stunde Zeit nehmen und durch die Teilnehmer die Gruppenregeln erarbeiten lassen - natürlich nur in einer Stunde, in der er auch anwesend ist. Denn an selbst gegebene Regeln hält man sich eher als an fremdverordnete.

 

Kommentar von singsing (22.03.10 22:33:05)

Es kann möglich sein, dass der Junge einen oder mehrere "Verbündete" sucht, die nicht bei dem Angebot mitmachen, weil Max weiß, dass er aufgrund der Technischen Schwierigkeiten evtl. versagen könnte.... oder schlecht da steht und nichtmehr cool ist. Er möchte also vielleicht seine Schwächen überspielen. 

 Ich weiß ja nicht um welche Sportarten es sich handelt, aber vielleicht wäre es möglich Ideen von Max aufzugreifen, z. B. beim Aufwärmtraining oder bei Bewegungsspielen.  Vielleicht wäre es auch eine gute Möglichkeit, wenn es verschiedene Schwierigkeitsstufen gibt, die die Kinder selbst wählen können.

 Die Idee mit den Gruppenregeln finde ich gut. Dazu sollte gleich eine Konsequenz überlegt werden, was passiert, wenn einer das Training stört.

 




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