Thema Integration
von gahimmelfahrt (14.04.09 17:05:23)Immer wieder fallen mir die Grenzen in unserer Arbeit auf. Wir können viele gar nicht integrieren, weil wir dafür nicht ausgebildet sind. Trotzdem gibt es immer wieder möglichkeiten. In unserer Jugendgruppe lernen wir seit neuestem die Gebärdensprach von einer gehörlosen jungen Frau. Sie macht das gerne und als Hilfestelle übersetzt ihre kleine Tochter (10 Jahre) falls es zu Verständigungsproblemen kommt. Eigentlich sollte das doch ganz normal sein, dass Gehörlose / Blinde und anderstartig Behinderte in unsere Gruppen aufgenommen werden können. Was habt ihr da für Erfahrungen gemacht?
Ich denke auch, dass es allgemein möglich sein sollte, Blinde, Gehörlose oder andere Behinderte zu integrieren, zumal ich selber nächste Woche ein FSJ in einer Einrichtung für Behinderte anfange und sie eigentlich als normale Mitmenschen betrachte, die zwar durch die Behinderung ihre Eigenarten haben aber im Grunde nicht anders sind als wir, die nicht behindert sind.
Auf meiner diesjährigen Freizeit war jedoch auch ein geistig behindertes Mädchen dabei, wo das mit der Integration überhaupt nicht geklappt hat. Das fing damit an, dass auf unserem Aktionswochenende (= Kennenlernwochenende) schon das Gerücht entstand, dass sie Sex mit ihrem eigenen Kuscheltier haben würde, weil es eben aufgrund ihrer Behinderung vorkommen kann, dass sie nachts unter ihrer Bettdecke hüpft (und das war halt auch in dieser Nacht passiert). Auf der Freizeit selber haben zwar einige Kinder versucht, dieses Mädchen zu integrieren und einmal kam von einem anderen Mädchen auch vor dem rest der Gruppe (außer dem behinderten Mädchen M.), dass sie es blöd findet, dass sich die meisten über M. lustig machen, nur weil M. ein bißchen anders ist (von der Behinderung direkt wussten die Kinder nichts), weil jeder Mensch eben seine Eigenarten hat. Das Problem war auf der Freizeit eher, dass M. kaum mit irgendwem etwas machen wollte, auch nicht mit denen, die versucht haben, sie zu integrieren und die mit dem Gerücht vom Aktionswochenende nichts zu tun hatten. Sie saß also die meiste Zeit für sich und hat mehrfach am Tag geweint, weil sie Heimweh hatte. Ich habe ihr dann immer Dinge gesagt, wie "Guck mal, Alisha (das Mädchen, die halt vor allen gesagt hat, dass sie das mit dem lustig machen blöd findet) spielt da draußen Diabolo. Spiel doch dann mal mit." Aber von ihr kam dann immer nur, dass sie nicht will und dass sie nach Hause will. Wir haben echt alles versucht, um sie dazubehalten, weil wir für sie eine einmalige Chance gesehen haben, wirklich zu lernen, auf andere, nicht behinderte Kinder zuzugehen (sie geht halt auch auf eine Schule für Behinderte), aber nach 5 Tagen haben wir eingesehen, dass das keinen Sinn mehr macht und haben die Eltern angerufen, die halt vorher schon gesagt haben, dass sie jeder zeit bereit sind, M. abzuholen (und die sich im Nachhinein tierisch aufgeregt haben, dass wir nicht eher angerufen haben ...).
Ja, es ist immer schwierig mit der Integration. Vielleicht wäre es nützlich gewesen, den anderen Teilnehmern von der "Behinderung" zu erzählen, damit sie damit umgehen können. Aber es ist immer eine Gradwanderung.
Letztens habe ich aber auch eine schöne Erfahrung gemacht. Die gehörlose Frau hat mich beim Eisessen getroffen (meine Familie war komplett mit dabei) und wir haben und dann ganz normal unterhalten. Mein Vater und mein Bruder waren völlig überfordert, aber meine Mutter hatte überhaupt keine Schwierigkeiten im Umgang mit der Frau. Nur manchmal musste ich einspringen, um Zusammenhänge zu klären, die nur dann klar sind, wenn man die Hintergründe kennt.
Wir hatten auch überlegt, ob es sinnvoll wäre, den anderen Teilnehmern zu erzählen, dass sie behindert ist. Wir haben zum einen in Erwägung gezogen, es nur den Mädchen aus ihrem Zimmer zu erzählen, damit die sich dann vor dem Rest der Gruppe für sie stark machen und sich ihr ein bißchen annehmen, aber auch es der ganzen Gruppe zu erzählen. Letztendlich haben wir aber beides nicht getan, weil wir von Anfang an gesagt haben, dass wir das nur machen, wenn es für sie in Ordnung ist. Dementsprechend hat eine Person von uns nochmal mit ihr gesprochen und sie hat halt gesagt, dass sie das beides nicht will.
Naja, es war einen Versuch wert, zumal es auch M.'s Wunsch war, auf eine Freizeit für nicht behinderte Kinder zu fahren (sie war bisher halt immer nur auf Freizeiten für behinderte Kinder) ... es ist halt nur schade, dass es nicht geklappt hat ... und für uns ist es auch ärgerlich, dass M. sich uns gegenüber in Bezug auf ihr Zimmer nicht anvertraut hat. Wir haben am Ende der Freizeit, als die Mutter M.'s Unterlagen abgeholt hat, eben diese stinksauer angetroffen, und sie hat uns unter anderem vorgeworfen, dass wir M. nicht das Zimmer hätten wechseln lassen. Die Situation war nur leider so, dass zum einen gerade in diesem Zimmer immernoch dies Gerücht vom Aktionswochenende rumging und zum Anderen, und das ist der Grund, weswegen dieser Vorwurf meiner Meinung nach absolut nicht gerechtfertigt ist, dass M. keinem von uns in irgendeiner Weise gezeigt bzw. gesagt hat, dass und vor allem wie unwohl sie sich in ihrem Zimmer fühlt und das sie das Zimmer wechseln möchte (zumal wir davor nie irgendwelche Zimmerwechsel verboten haben, wenn keine nur momentane Sache (wir hatten zum Beispiel ein Zimmer, wo sie in den ersten Tag jeden Tag wen anders versucht haben, rauszuekeln), sondern eine dauerhafte der Grund für diesen Wunsch waren.
Hallo du,
ich hab jetzt nicht speziell extrem Behinderte Menschen in meiner Gruppe.
Ich hab so ne paar ADs Kinder die sich echt schwer integrieren können, erst auspauern & dann sind die meist ruhig, wenns garnicht geht muss man Sie eben rausschicken d. irgend was machenlassen: Kehren whatever etc
Ausländische Kinder bei uns zu Integrieren sit kein Problem, ich arkumentier wenn irgend ein dofer Kommentar kommt, einfach mit solchen Sachen wie: Egal wer welche Hautfarbe hat, er ist bestimmt ein toller Mensch & es zählen die Inneren werte.
Aber in unseren Marken- und Konsum, aber auch Schönheitsorientieren Gesellschafts, wird auf Aussehen etc. immer mehr wert gelegt, man sollte den Kindern beibringen was wirklich zählt.
Aber ich würde wie auch schon gesagt, die Kinder einführen.
lg
Christian :)
Wenn Ihr Behinderte mit dabei haben wollt, solltet Ihr zunächst checken, ob da eine Begleitperson mit muß oder nicht. U. U. kann man das über Verhinderungspflege oder ähnliches realisieren. Pflegestützpunkte können da gut informieren.
Ich denke, es ist ein riesen Unterschied, ob ihr Kinder mit Behinderung auf eine Freizeit mitnehmen wollt, oder ob sie in eine Gruppe integriert werden sollen. Auf Freizeiten hängt es meiner Meinung nach sehr stark von der Art und dem Grad der Behinderung ab, ob sich ein solches Kind integrieren lässt. Ohne Vorerfahrung ist man bei einigen Behinderungen als Betreuer schlicht überfordert, und selbst mit Erfahrung denke ich, sind einige Behinderungen für Integrationsfreizeiten ungeeignet.
Bei Jugendgruppen ist es einfacher, da die Zahl der Kinder geringer ist und man die Kinder bereits kennt und einschätzen kann. Je nach Alter kann eine Besprechung der Behinderung sinnvoll sein, aber ich hab auch festgestellt, dass gerade kleinere Kinder weniger Probleme haben, Kinder mit Behinderung mit einzubeziehen. Hatte einemal ein gehörloses Kind 7 Jahre) in der Ferienbetreuung.Der hat es aufeinem Spielplatz innerhalb von Minuten geschafft, sich in eine Gruppe spielender Kinder zu integrieren, so dass den anderen Eltern gar nicht aufgefallen ist, dass er gehörlos war. Erst, als ich mich mit ihm in Gebärdensprache unterhielt, wurde ich angesprochen (Reaktion einiger Eltern: "Das tut mir aber leid."). Die anderen Kinder haten mit seiner Behinderung wenig Probleme.
Ich denke, dass hat viel mit unseren Erwartungen an andere zu tun, vor allem mit den gesellschaftlichen Normen für "Normalsein". Kinder haben diese noch nicht so stark verinnerlicht. Deshalb ist bei den meisten Kindern eher die Neugierde ausschlaggebend, wärend Erwachsene eher mit Zurückhaltung, Mitleid oder Unsicherheit reagieren. Kinder wollen erst wissen, was mit dem anders ist und ob man mit demjenigen spielen kann. Ich hab schon mehrfach erlebt, dass Kinder mit Behinderung schnell integriert waren und es für die "normalen" Kinder zur Selbstverständlichkeit wurde, dem beeinträchtigten Kind bei den Dingen zu helfen, die Schwierigkeiten bereiteten.Selbst für die Kinder, die am Anfang noch Scherze machten oder dumme Kommentare abgaben, wurden diese Kinder relativ schnell zum Bestandteil der Einrichtung und somit zu etwas Normalem.
Interessant war, dass meist die Erwachsenen die Schierigkeiten hatten, da sich sich immer fragten, wie soll ich jetzt mit diesem Kind umgehen. Die Kinder fragen sich das nicht, sie gehen einfach mit ihnen um, wie mit den anderen auch, Probleme werden einfach umsteuert.
Vielleicht ist meine Wahrnehmung auch dadurch geprägt, dass ich meinen Zivildienst in einem Internat für mehrfachbehinderte gemacht habe. Irgentwann war eine Behinderung nicht mehr etwas aussergewöhnliches, sondern nur ein weiteres Merkmal des Kindes, wie Haarfarbe oderSchuhgröße. Diese Einstellung versuche ich auch den Kindern zu vermitteln.
Ich denke auch, dass es vielleicht gut gewesen wäre, die Gruppe einzuführen, aber ich finde, dass man sowas nicht ohne die Einverständnis des betroffenen Kindes machen sollte. Und dieses Mädchen wollte halt nicht, dass irgendwer von den anderen von ihrer Behinderung erfährt. Es war auch nicht so, dass wir vorsätzlich gesagt haben, dass wir quasi so eine Art Integrations-Freizeit machen wollen, also dass wir Kinder mit Behinderungen mitnehmen wollen. Wir wollten halt eine normale Freizeit, so wie wir alle sie kennen, machen. Das betroffene Mädchen wollte nur halt mal nicht auf eine Freizeit für Behinderte, sondern auf eine Freizeit für nicht Behinderte und hat sich auf dem normalen Wege angemeldet, womit die Pflegeeltern ihr okay gegeben haben, ohne das eine spezielle Begleitperson mitkommt. Einziger Nachteil war halt, dass zu diesem Zeitpunkt keiner von uns Teamern Erfahrungen mit so einer Situation oder in der Arbeit mit Behinderten hatte.
Klar haben wir den Kindern auch versucht, zu vermitteln, dass diese Behinderung,von der die Kinder nichts wussten, nur ein weiteres Merkmal dieses Mädchens ist. Ich fand es "damals" schon wichtig, sowas zu vermitteln, und jetzt, wo ich selber ein FSJ in einem Internat für Mehrfachbehinderte mache, finde ich es eigentlich zunehmend noch wichtiger und würde mittlerweile auch gerne mal sowas wie eine Integrationsfreizeit durchführen, vorausgesetzt man kann die dafür nötigen Fachkräfte mitnehmen.
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