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Gruppendynamik und Gruppenzwang

von cadderly (28.09.08 10:27:59)

Mich würde interessieren, wie es auf Freizeiten oder in Gruppenstunden mit dem Phänomen der Gruppenbildung und der damit verbundenen Dynamik aussieht. Wie ausgeprägt ist so etwas, kann es sich zu einem Störfaktor entwickeln und wie geht ihr in einem solchen Fall vor?

Anlass für diese Diskussion ist, dass bei uns sich immer wieder Gruppen bilden, die gegen andere Kinder vorgehen. Das geht von einfacher Ausgrenzung (der/ die darf nicht mitmachen), über Mobbing (gezielte Beschimpfungen/ Beleidigungen, anrempel) bis hin zu Gewalt (schubsen, Schläge). Den Titel "Gruppendynamik" hab ich gewählt, weil diese Aktionen meist von einem Kind initiiert werden und der Rest schliesst sich an und macht mit. Trifft man die Kinder einzeln ohne ihre Freunde an, zeigen sie ganz andere Seiten. Man kann gut mit ihnen spielen oder basteln, sie sind höflich, sie sind sogar manchmal bereit, mit genau den Kindern zu spielen oder basteln, die sie zwei Tage zuvor beschimpft haben. Bei einigen Kindern kann man deutlich deren Unwohlsein bei den Aktionen bemerken. Man bekommt den Eindruck, sie sind mit der Aktion eigentlich nicht einverstanden, machen aber mit, um nicht selber ausgegrenzt und zur Zielscheibe zu werden.

Bei uns versuchen wir, neben Schadensbegrenzung, auf zwei Ebenen an diese Gruppen heranzutreten. Zum einen suchen wir das Gespräch mit dem "Leitwolf" der Gruppe. Dadurch, dass wir mit ihm gemeinsam die Situation durchgehen und ihm die Auswirkungen verdeutlichen, überträgt sich in einigen Fällen eine Verhaltensänderung auf die ganze Gruppe, da er den grössten Einfluss hat. Klappt leider nicht immer und wenn, dann meist nur kurzfristig. Durch Konflikte in der Familie oder in der Schule bricht das alte Verhalten (meist über Jahre verfestigt!) wieder hervor.

Die zweite Ebene sind die einzelnen Teile der Gruppe. Wie oben beschrieben, sind einige Kinder eher Mitläufer, die nicht aus der Gruppe ausgegrenzt werden wollen. Bei ihnen versuchen wir, das Selbstbewusstsein zu stärken, damit sie auch lernen, "nein" zu sagen, wenn sie mit etwas nicht einverstanden sind. Dieser Prozess ist sehr langwierig, da wir nur auf einen Bereich Einfluss haben (die 4 Stunden ihrer Freizeit, die sie bei uns verbringen), in der Schule gilt wieder eine ganz andere Dynamik. Langfristig zeigen sich aber gute Erfolge. Die Kinder überlegen sich häufiger, ob sie unseren Treff verlassen, nur weil der andere gehen will, oder ob sie die Bastelei, die sie begonnen haben und die ihnen Spass macht, zu Ende bringen und den anderen alleine gehen lassen. Die Gruppen werden nicht aufgespalten, aber der Enfluss des "Leitwolfes" sinkt, da die Kinder vermehrt eigene Entscheidungen treffen. Dies hat zum Teil sogar Einfluss auf das Verhalten des Anführers, sie geben ihre "alles ist Scheisse"-Haltung auf, da sie damit alleine dastehen, und probieren die Angebote aus, manchmal erst zögerlich, aber zum Teil mit wachsender Begeisterung.

Eure Erfahrungen interessieren mich deshalb, da wir eine hohe Fluktuation haben. Dagegen ist bei Gruppenstunden oder Freizeiten die Teilnehmerkonstellation über einen längeren Zeitraum konstant, somit die Subgruppen meist vollständig präsent, während bei uns auch oft nur einzelne oder zweier anwesend sind. Zudem halte ich die Intensität und Kontinuität für grösser, da unsere Kinder auch schon mal ein oder zwei Wochen fernbleiben und wir nicht, wie ich das von Gruppenstunden kenne, bei den Eltern anrufen, um zu erfahren, was mit den Kindern ist.

Würd mich freuen, wenn viele unterschiedliche Erfahrungen hier einfliessen würden, vielleicht auch welche, bei denen sich eine Subgruppe positiv auf das Gesamtklima ausgewirkt hat. 

Kommentar von Maerlin (01.10.08 23:28:47)

Die beste Erfahrung habe ich mit meiner eigenen Null-Toleranz-Haltung gemacht: Wann immer ein Kind ein anderes verächtlich macht/ mobbt: sofort mit dem Mobber auf Augenhöhe gehen, in die Augen schauen und deutlich sagen: "So läuft das hier nicht!"

Je früher ich das besonders mit "neuen" Kindern mache, desto besser läuft es in der Gruppe. Die Regel muss klar sein: keine Schimpfworte, kein Lästern, kein schubsen, jeder darf mitmachen. (Leider gelingt es mir aber auch nicht immer, diese eindeutige Haltung zu demonstrieren. Ist manchmal auch von meiner Tagesform abhängig.)

Kommentar von cadderly (02.10.08 10:54:42)

Die Null-Toleranz-Haltung versuchen wir auch zu praktizieren. Ich hab aber festgestellt, die Einhaltung ist nicht nur Tagesform-, sondern auch Betreuerabhängig. Die Bandbreite der Interventionen geht von freundlichen Ermahnungen (anderen Ton bitte) über Gespräche und Erklärungen (was war nicht ok) bis zu Sanktionen (Auszeit bis Hausverbot). Die verschiedenen Betreuer handeln da unterschiedlich, da die Kinder gerade bei neuen Betreuern testen, was lässt der/ die durchgehen. Bei den älteren reichen meist schon Ermahnungen oder kurze Ansagen, die neuen müssen da eher stärker intervenieren.  Das mit den neuen Kindern kenn ich auch, die müssen die Regeln (hängen übrigens bei uns im Gruppenraum) erst lernen, so dass man sie häufiger darauf hinweisen muss.

Kommentar von Unbekannt (04.10.08 18:08:46)
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Also eines muss klar sein, du erreichst nichts wenn die Betreuer nicht auf einer Linie sind - dann tanzen die Kids euch auf der Nase herum. Wir kennen das ja alles aus unserer eigenen Kindheit ;)

Bei Mobbing fahre ich auch eine Null-Toleranz-Grenze, wobei ich nicht immer hart eingreife (nicht alles ist Mobbing!). Wenn ich aber merke, dass ein Kind ständig solchen Attacken ausgesetzt ist, dann stelle ich mich auch deutlich auf die Seite des Opfers. Genauso wie Andreas handhabe ich das auch klar und simpel mit einem eindeutigen Satz und fester Stimme. Diskutieren würde ich da gar nicht - die Kids wissen genau was nicht okay war, jede Diskussion ist überflüssig finde ich.

 

Zu deiner Frage aber: ja klar gibt es solche Subgruppen (auch auf Freizeiten). Wenn wir merken die Gruppen driften zu sehr auseinander, versuchen wir die Muster aufzubrechen. Das kann durch eine Stadtralley mit einem echt super Preis sein (da gibts dann eben gemische Gruppen - das Los entscheidet) oder wir stärken das Gruppengefühl aller. Letzteres geht beispielsweise einfach über Fußballtuniere gegen andere Gruppen oder so Zeug.

Kommentar von ichGL (05.10.08 20:07:42)

... oder aber bei einem Fußballspiel oder ähnlichem Tunier gegen die Betreuer. ;-)



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