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Ideenpool - Bücher, Geschichten & Theater - Gruselgeschichten

Es ist kalt draussen...

von Echsenkoenig (16.09.08 12:39:22)

Ich habe die Geschichte bis jetzt erst zweimal erzählt und hatte immer Erfolg damit. Man sollte sie erzählen und nicht vorlesen, sonst wird der Flair irgendwie zerstört. Wenn man die Möglichkeit dazu hat, kan man in Erwägung ziehen, nach dem Erzählen der Geschichte einen anderen Betreuer von aussen an die Haustür klopfen zu lassen und ihm dann zu öffnen. Das hat bei uns nochmal für etwas mehr Aufregung gesorgt.
Diese Geschichte kommt besonder gut, wenn man sie auf den Ort ummünzt, wo die Freizeit / die Übernachtung statt findet. Die Geschichte ist am wirkungsvolsten, wenn man sie in einer kalten Nacht erzählt.

Die Leute im Ort erzählen sich Geschichten über Geisten, die in kalten Herbts- und Winternächten durch das Dorf ziehen und versuchen, Einlass in ein Haus zu erbeten. Dafür nehmen sie oft mitleiderregendes Aussehen an. Sie können als alte Menschen, arme Menschen, hübsche Menschen oder auch als Kinder vor der Tür eines Hauses auftauchen und klopfen an die Tür. Öffnet man ihnen, so bitten sie, hereingelassen zu werden. Sie erzählen sie hätten Hunger, ihne wäre kalt und sie hätten nichts zu übernachten. Sollte man sie einlassen, bedanken sie sich mit den Worten "Danke, es ist kalt draussen.", wenn sie im Haus sind. Angeblich soll jeder, der so einen Geist eingelassen hat, noch in der selben Nacht gestorben sein.
Diese Geschichte kannte auch Daniela, eine junge Frau die vor [einigen Jahren] (es sollte so lange her sein, dass die Kinder damals noch nicht auf der Welt waren) im Haus gegenüber gewohnt hat. Sie glaubte nicht an Geistergeschichten und lächelte immer nur amüsiert, wenn ihre Nachbarn sie warnten, dass sie niemanden in einer kalten Nacht einlassen sollte. Also dachte sie sich auch nichts dabei, als es eines kalten Herbstabends an ihrer Haustür klopfte. Sie öffnete die Tür einen Spalt breit und schaute hinaus. Vor der Tür stand eine alte Frau mit löchrigen Klamotten.
"Guten Abend, mein Kind...ich bin eine arme Frau ohne Zuhause. Kannst du mir einen Platz zum Schlafen geben?" fragte die Alte mit zittriger, schwacher Stimme.
Daniele hatte Mitleid mit der alten Frau und bat sie herein.
"Danke, es ist selten, eine nette junge Frau wie dich zu finden." antwortete die Frau, nachdem sie eingetreten war. Daniela richtete ihr das Gästebett und frühstückte mit ihr am nächsten Morgen zusammen.
"Es war sehr nett von ihnen, dass sie mich hier haben schlafen lassen, aber auch sehr leichtsinnig. Kennen sie nicht die Geschichten der Geister der kalten Nächte?" fragte die Frau beim Frühstück.
"Doch doch, aber ich glaube nicht daran." erwiederte Daniela.
"Aber mein Kind...das solltest du! Es ist sehr gefährlich..." erklärte die Frau entrüstet.
Daniele lächelte nur wie immer.
Nach dem Frühstück verlies die Frau Daniela wieder und ermahnte sie noch einmal, die Geschichten ernster zu nehmen.
Einige Wochen später, in einer kalten Winternacht, klopfte es abermals an Danielas Tür. Sie ging zur Tür und erinnerte sich an die Mahnung der alten Frau und aus einem unbestimmten Grund wurde es ihr mulmig  zumute. Als sie näher zur Tür kam, bemerkte sie, dass das Klopfen eher ein Kratzen war und wunderte sich. Sie öffnete die Tür einen Spalt breit und erblickte einen Hund, der vor ihrer Tür mit angelegten Ohren und eingezogenem Schwanz kauerte. Der Hund wimmerte und blickte sie aus großen Augen an.
"Oh...du armer Hund...du frierst sicher, oder? Komm rein, ich schaue, ob ich nicht was für dich habe." sagte Daniela mit einem mitleidsvollen Blick zu dem Hund, der sich sogleich erhob und mit wedelndem Schwanz ins Haus lief. Daniela schloss die Tür und wand sich zum Hund um.
"Danke, es ist kalt draussen." sagte der Hund.



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