Thema Religion
von cadderly (28.08.08 10:30:20)Ich hab in vielen Artikeln immerwieder Gebete und Messdiener gelesen, deshalb denke ich, dass die meisten in kirchlichen Vereinen sind oder sich in der Kirche engagieren. Ich muss gestehen, dass ich seit meinem sechzehnten Lebensjahr mit der katholischen Kirche gebrochen habe, da ich mit deren Einstellung und den Prinzipien nicht mehr klar gekommen bin. Seitdem hab ich mich immerwieder mit anderen Religionen beschäftigt. Ich suchte nach einem Sytem, das zu mir passte. Ich stellte fest, dass sich die meisten religiösen Konzepte sehr ähnlich waren. Ich hatte das Gefühl, ich würde ein Atheist werden. Zwei Dinge haben diese Einstellung geändert. Das eine war ein Ausspruch eines Gruppenleiters, er sagte: Ich habe kein Problem mit Gott, nur mit seinem Bodenpersonal. Ich fand den Spruch im ersten Moment ziehmlich radikal, hab aber darüber nachgedacht und stellte fest, genau das war der Grund, warum ich ausgestiegen bin (ich war acht Jahre Messdiener und kann heute noch Messen mitsprechen). Mir ist klar geworden, es fehlten mit Veränderung und Toleranz. Das zweite Ereignis war ein Weihnachten, das ich in einem Kloster verbrachte, weil es mir ziehmlich dreckig ging und ich meine Familie nicht sehen wollte. Ich hab Stunden mit einem Mönch gesprochen. Ich erzählte ihm, dass ich Atheist geworden sei und auch die Gründe dafür. Ich erwartete, dass er alles versuchen würde, um mich wieder in die kirchliche Gemeinschaft zurückzuholen. Stattdessen stimmte er mir zu, dass die Kirche Defizite aufweist. Ich war erstaunt und dann hat er zwei Sätze gesagt, die mir lange zu denken gegeben haben: Für jemanden, der nicht an Gott glaubt, hast du dich sehr viel mit Religionen beschäfftig. Und: Du musst nicht an Gott glauben, sprich einfach mit ihm, dafür brauchst du keine Kirche.
Heute bin ich bei meiner Arbeit mit verschiedenen Religionen konfrontiert, vornehmlich Islam, und ich stelle fest, dass sie sogar, je nach Herkunft, verschiedene Auslegungen des Korans haben und sich deswegen anfeinden, dazu noch die feindschaft gegen Christen.
Ich hab durch die Begegnung mit dem Mönch für mich einen neuen Weg gefunden, und finde es schwierig, mit diesen Konflikten umzugehen, da ich die verschiedenen Parteien nicht immer verstehe.
Ich würde gerne eure Meinung zu Glauben und anderen Religionen erfahren und wie Ihr damit umgeht.
Alos ich persönlich kann diene Meinung dazu verstehen. Ich bin katholisch und muss sagen, dass es einige Kleinigkeiten und Lücken gibt, die mich stören. Außerdem bin ich der Meinung, dass ich nicht jeden Sonntag in die Kirche gehen muss um allen zu demonstrieren wie gläubig ich bin. Grundsätzlich hab ich nichts gegen die Kirche bzw. den Gottesdienst. Allerdings finde ich, dass er manchmal ziemlihc veraltet ist. Ok, machne owllen und brauchen das auch so aber ich würde es einfach schön finden, wenn die Kirche jünger wird. zumindest zwei mal im Monat oder so könnte ein etwas anderer Gottesdienst sein. Ein Gottesdeinst mit pfiffiger Musik - dadurch würden schon mal andere Leute kommen. Ein gottesdienst mit Geschichten aus den Alltag, und nicht die teilweise schwer verständlichen Bibeltexte. Und ich glaube man muss einfach am gründsätzlichen arbeiten.
Der Glaube ist für mich aber dennoch ein wichtiger teil. Für mich ist Glaube eine ARt Hängematte, die mich in schweren Situationen auffängt. Unter Glauben und Religion versteht ich Leben mit Herz und Hand mit Mund und Augen. Und nicht nur alte geschriebene Texte.
viele Grüße
Ersteinmal muss ich sagen: Hut ab, dass du so ehrlich schreibst. Ich kann dich in vielem verstehen, was du schreibst, auch wenn ich es (Gott sei Dank) nicht immer nachvollziehen kann. Ich würde mich selbst durchaus als gläubigen Katholiken beschreiben, aber das heißt nicht, dass ich mit allem in der katholischen Kirche einverstanden bin, aber wo gibt es das schon? Ich für meinen Teil möchte - gerade weil ich nicht alles gut finde - der Kirche nicht den Rücken zuwenden, sondern versuchen mitzuhelfen, dass sich die Kirche in eine positive Richtung entwickelt. Das geschieht vllt. (zu) langsam, aber es tut sich was...
Dass Religion immer wieder Grund für Streit und Krieg war und ist, lässt sich nicht leugnen, aber es liegt an uns einen Anfang zu machen und den Menschen anderer Religionen freundlich zu begegnen. Ein modernes geistliches Lied bringt es auf den Punkt: Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich, still und leise, und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise... Jeder von uns sollte so ein Stein sein, jeder auf seine Weise. Gehe deinen Weg und komme so hoffentlich zu einer Überzeugung, mit der du leben kannst, mit oder ohne Religionszugehörigkeit...
Wir alle sollten uns bemühen, selbst die Welt ein bisschen besser zu machen. Wir werden es nicht mehr erleben, dass sich alle Menschen, egal welcher Religion, ohne Vorurteile aufeinander zu gehen, aber wir können das Zahnrad um ein Zähnchen nach vorn bewegen. Dafür meine ich, lohnt es sich zu leben und zu kämpfen...
Dir alles Gute...
Kann dir zu dem Thema nur das Buch von Hape Kerkeling "Ich bin dann mal weg" empfehlen. Da geht es genau um die Gedanken die du dir machst. War selbst sehr überrascht wie tief das Buch an einigen Stellen wird, aber es bleibt trotz allen Gedanken immer eine Art persönlicher Erfahrungsbericht.
Persönlich muss jeder seinen Weg zur Religion finden. Starre Muster wie 100% römisch-katholisch, islamisch, buddistisch sind überholt und führen doch letztlich zu keinem Ziel. Findest du deinen Weg, dann wirst du eine tiefere Bindung zur Religion haben als jeder Bischof, der die Bibel auswendig kennt. Es geht nicht um das Befolgen von Regeln, nicht um das Akzeptieren von Hierarchien. Religion soll dich zu einem besseren Menschen machen, dazu ist eigener Gehirnschmalz nötig und manchmal bedarf es leider auch Schicksalsschlägen um wieder richtig die Augen aufmachen zu können.
Persönlich gibt mir Gott nichts. Vielleicht wird das anders irgendwann, keine Ahnung. Es gibt wenige religöse Menschen die ich bewundere, aber der afrikanische Bischof der mich damals firmte hat mich tief beeindruckt. Jeden Wahrheitsanspruch lehnte er ab und es war ihm egal wie und auf welche Weise jemand glaubt. Leider belehren viele Offizielle der katholischen Kirche. Nur wenige haben einen echten Glauben und sind unabhänig von biblischen Texten und alten Traditionen finde ich. "Glauben kommt nicht aus der Bibel, sondern er entspringt dem eigenen Leben." - der Satz hat bei mir nachgeklungen.
War übrigens auch Messdienster, immerhin 5 Jahre lang. Danach habe ich mit der Kirche gebrochen. Zahle nur noch Kirchensteuer, weil ich das als Spende für die sozialen Dienste der Kriche ansehe.
Erstmal Danke für die Kommentare, haben mir etwas das Gefühl gegeben, nicht ganz so alleine mit meinen Gedanken zu sein. Ich hab immer festgestellt, zu sagen "Kirche ist doof, oder Kirche will ich nichts mit zu tun haben!" ist einfach. Aber wenn man die Leute dann fragt, was sie genau stört, werden sie kleinlaut und man merkt, dass sie sich eigentlich nur aus Bequemlichkeit von Kirche distanziert haben und für Gott haben sie einfach keine Zeit. Mit der Thematik haben sie sich nie beschäftigt. Diejemigen, die sich damit beschäftigt haben, zeigen entweder die Entschlossenheit, etwas bei der Kirche zu ändern, oder sie suchen sich einen eigenen Weg. Ich finde Diskussionen über Religion durchaus spannent, vor allem, wenn man sich Gemeinsamkeiten und Widersprüche vor Augen hält.
Ich denke, ich werde meine Suche fortsetzen, mal sehen, was ich finde. Auf das Buch bim ich neugierig geworden.
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