Nichtbeflogung von Anweisungen - Was nun?
von ichGL (03.06.08 17:17:35)
Hallo!
Seit etlichen Jahren betreue ich schon Kinderfreizeiten, Zeltlager, usw. mit. Noch immer macht es sehr viel Spaß. Es freut einen, zu sehen, wie Betreuer / Gruppenleiter und die Teilnehmer gegenseitig lernen. Auch wenn man es kaum glauben mag. Gerade, wenn Betreuer und Teilnehmer voll beim Programm dabei sind, lässt sich dich gut beobachten.
In den letzten Jahren ist es mir aber immer mehr aufgefallen, dass immer mehr TN die Autorität der Gruppenleiter und Betreuer ignorieren.
Aufgaben, wie "Du bringst das bitte zum Tisch" hier beim Tisch decken o. ä. werden einfach mit "Nö, keine Lust!" oder einfachen weghörem abgetan.
Nun ist der Betreuer / Gruppenleiter an der Reihe, zu reagieren. Trotz meiner längeren Erfahrung fällt es mir immer wieder schwer, auf solche Situationen einzugehen und anderen für eine solche einen Tipp zu geben.
Und gerade das ist meine Frage: Wie würdet ihr in einer solchen Situation handeln? Ebenfalls das "Missverhalten" ignorieren oder Strafen erteilen? Was für Strafen oder Sanktionen?
Vielen Dank für eure Antworten!
Hallo Georg
Das Thema spricht mich sehr an, und ich finde es aber nicht erst neuerdings ein zentrales Thema, doch scheint es mir dass es früher eher ein Thema von einzelnen eher schwierigen Kinder oder Jugendlichen gewesen zu sein, heute aber es auch bei den sogenannt braven Kids der Fall ist. Und so kommt die Unsicherheit, ich möchte doch nicht nur noch Polizist spielen und Strafend durch ein Lager laufen.
So ich gehe mal von der Annahme aus das es hier schwerpunktmäßig um dieses Thema geht. Anders als früher ist es heute für die Kids (ich meine hier Kinder 11-16 Jahre) von Zuhause und in der Welt der sie sonst noch leben einfach so das sie diese von uns so geschätzte Eigenschaften als Standard nicht mehr mitbringen. Ja die Frage bleibt was sollen wir tun. Doch werden die Antworten wohl sehr anders ausfallen wenn wir davon ausgehen das es sich nicht um eine Frechheit sondern um eine gewohnte Handlungsart geht. Denn wenn wir von einer Provokation ausgehen, ist es etwas ganz anderes zu reagieren als bei einem Verhalten, dass mir als Leiter und auch allen anderen anwesenden im Lager die Laune verdirbt.
Bin ich auf der Richtigen Spur oder wo denkst Du hin, was sind deine Absichten.
Gruß Erwin
Sorry mein Deutsch, aber das schreiben wird wohl nie zu meinen Stärken gehören, und dass es so viele Fehler hat, ist nicht Respektlosigkeit, sondern meine Schwäche.
Hallo Georg!
Kinder müssen für ihr Tun Konsequenzen spüren. Lege bei Beginn des Lagers einen Tischplan fest, welche die Aufgaben und Verantwortlichkeiten genau beschreibt! Wenn ein Tisch nicht gedeckt wird, dann bleibt er halt ungedeckt. Die Kinder holen ihr Essen und setzen sich an den Tisch. Wenn sie kein Besteck da haben, können sie nicht essen. So einfach ist das. Oder: Der Tisch wird gedeckt. Nur diejenigen, die sich sträuben, den Tisch zu decken, deren Gedeck bleibt zunächst leer. Sie werden natürlich ihr Essen bekommen. Es geht mir einfach um den Sachverhalt, daß sie Ursache und Konsequenz ihres Handelns spüren. Der Gruppendruck kann auch viel bewegen. Was ich Dir auch sagen möchte, daß man während einer Freizeit als Gesellschaft auch die Möglichkeit hat, bestimmte Werte den Kindern zu vermitteln, welche sie vielleicht zu Hause nicht mitbekommen.
Ja genau, es geht darum mit den Kindern und Jugendlichen von Anfang an klar zu stellen, wer was tun muss und darf. Das ist keine Grausamkeit, oder Einengung, es ist vielmehr Klarheit, welche auch machmal nicht schmekt.
Wenn die Kinder und Jugendliche im Moment frech und arogant sind, ist es sicher wichtig zu reagieren, nur wird man dieses Verhalten mit dieser einen Reaktion nicht korriegieren können. Was heisst das man z.B. auch kleine Strafen vereitlen kann, damit sie spüren es gilt ernst. Wie Petra, dass sehr gut beschreibt, nicht die Aufgabe für sie erledigen.
Doch würde ich mir die betreffenden Jugendlichen oder Kinder etwas später einzeln hollen (teile und herrsche) wo ihr z.B. mindestens zu zweit vom Team mit Ihr sprecht, und der Jugendlichen z.B. klar macht was ihr wollt. Dieses Gespräch sollte in einem normalen aber bestimmten Tonfall geführt werden.
Und ich würde mir auch überlegen was für eine Sanktion es gibt wenn man bei einer alltäglichen aufforderung nur Arogant weiter antwortet. Z.B. für jede weitere Arogante Antwort gibt es etwas das sie für die Gruppe tun müssen, da sie ja diese auch gestresst haben mit ihrem Verhalten, z.B. Wiesenblumen sammeln und auf einem Tisch aufstellen.
Wenn immer ihr ein Sanktion ausdenkt so muss diese auch in nützlicher Frist eingefordert werden können. Was oft bedeutet, man muss neben oder mit der Jugendlichen die Sanktion durchführen, was Zeit und Energie kostet. Aber das ist es allemal wert. Denn wenn wir mal davon ausgehen das doch bei vielen der Jugendlichen die genau so Arogant wirkend antworten, es so ist, dass sie sich so verhalten um beachtet zu werden, und besser schlecht als gar nicht beachtet zu werden. Den nun bekommt die Jugendliche in der Sanktion die Zuwendung, und kann dort aber im Gespräch auch eingeladen werden doch mal ohne blödsinn zu machen, direckt zu kommen, dass man etwas gemeinsam machen könnte. Schon nur die Einladung wirkt oft Wunder.
Einen noch anderer Zugang wäre wenn einzelne Jugendliche z.B. bei Alltagspflichten gerne sich drücken, diese genau als Minileiter für einen Tisch zu engagiren, oft wirkt anerkennung mehr als Strafen. Nur dann müssen sie nicht nur die Ehre haben, sondern natürlich auch diese Pflicht ernst nehmen.
Nicht reagieren ist für meine Begriffe die schlechteste Variante. Besser sind klare Strukturen und Erwartungen am Anfang vom Lager gemeinsam Ausmachen, und bei Fehlverhalten in der Situation sofort reagieren, jedoch nicht die erwartung haben das mit der reaktion im Moment das Kind erzogen ist sondern, dass ganze nachher wenn nötig noch einzeln mit den Jugendlichen nachfassen.
gruss Erwin
Ich habe bis jetzt auf Ferienfreizeiten noch nicht so ein Verhalten erlebt (und bin auch wirklich froh darüber!!!)
Bei mir gab es jedoch in der Gruppenstunde lange Ärger, weil meine Kids immer dann kamen, wenn sie Lust hatten und sonst eben nicht und es auch mit der Pünktlichkeit nicht genau genommen haben. Dadurch kam es dann dazu, dass Kinder kamen, wenn das Spiel grade erklärt war und wir anfangen wollte und es so zu ständigen Verzögerungen kam. Es kam auch vor, dass ich etwas für die Gruppenstunde vorbereitet hatte, das ich dann nicht durchführen konnte, weil so viele Kids fehlten ohne sich abgemeldet zu haben...
Aus diesem Grund hab ich mit ihnen darüber gesprochen und wir haben uns auf eine "Kuchenstrafe" geeinigt. Wer also deutlich zu spät kommt oder sich für eine Gruppenstunden nicht bei mir oder einem Gruppenkind abmeldet (Telefon oder E-MAil), muss in den nächsten Woche einen Kuchen mitbringen. Dadurch wird klar, dass das Verhalten nicht in Ordnung war, aber es ist eben keine wirklich schlimme Strafe. So werden auch die anderen Kinder "entschädigt" wenn sie mal wieder warten müssen, weil jemand zu spät kommt.
Bei uns hat das erstaunlich gut funktioniert und wir hatten keinerlei Probleme mehr damit.
Ich bin mir nicht so sicher, ob sich das auf einer Ferienfreizeit durchsetzen lässt, aber vielleict kann man da ähnliche "Strafen" finden, die klar machen worum es geht, aber nicht zu schlimm sind....
Vielleicht hab ihr ja dazu gute Ideen !!!
Habt ihr viele Kuchen bekommen oder hat das unentschuldigte Fehlen und Zuspätkommen schnell nachgelassen?
Also in dem oben geschilderten Fall würde ich es definitv durchgehen lassen ;)
Zumindest wäre es am ersten Tag wäre...
Ich finde es ziemlich heftig - ja, geradezu fahrlässig - ohne konkrete Sachlagenkentnisse schon gleich an Strafen zu denken. Mit Druck ist bei schwierigen Kindern (und oft sind es diese Fälle die Respekt schlicht nicht kennen) erst ab einem gewissen Punkt etwas zu erreichen. Vorher muss eine Basis da sein und fange ich direkt zu Beginn einer Freizeit damit an, mir mit solchen "Kleinigkeiten" (je nach Situation eben) das Leben schwer zu machen, dann war's das. Ein falscher Start ist super schwer auszubügeln und ohne massig Erfahrung sogar unmöglich.
Also nicht gleich den Hammer auspacken - es gibt noch genug andere Möglichkeiten die es erst gilt auszuschöpfen. Ich finde mit Strafen sind viel zu viele Betreuer eh zu schnell dran. Sobald etwas komplizierter wird, wird eine Strafe ausgesprochen. Wirkliche Klärung kann ich damit aber nicht erreichen. Die Strafe ist und bleibt der letzte Weg - was nicht heisst man sollte sie nie einsetzen ;)
Setzt Strafen bitte bitte bitte immer mit Bedacht ein!
Ich finde man sollte sich bereits vorher schon überlegen, wie man ein solches "Nö, keine lust"-Verhalten verhindern kann. Sowas entsteht ja vorallem dann, wenn es keinen Anreiz gibt, es durchzuführen. Wie z.B. beim obigen Beispiel mit dem Tischdecken. Wenn man die Kinder bei einem Lager in Tischgruppen einteilt und aus dem Eindecken ein Spiel macht, ist es doch gleich viel interessanter.
Wir haben es mal so gemacht, dass dieser Tisch, der zuerst vollständig und komplett eingedeckt dort saß, Punkte bekam und sich für diesen Tag ein Spiel oder ähnliches wünschen durfte. Die Punkte wurden dann aufgeschrieben und am letzten Tag bekam die Gruppe mit den meisten Punkten eine Überraschung. Da kam selbst bei den größeren der Kampfgeist durch weil sie ja auch ihren Wunsch durchsetzen wollten.
Und da sie bei verschiedenen Aufgaben Punkte sammeln konnten und bei schlechtem Verhalten welche abgeben mussten, hat sich die Sache mit dem schlechten Benehmen und den Strafen erledigt.
Jap, genauso ins Bein schließen sich einige Betreuer wenn's Küchendienst als Strafe gibt. Damit ist das Verhalten und die Einstellung der Gruppe zum Thema Küchendienst schon vorprogrammiert...
Was mir in dem konkreten Fall einfällt - hab ich ganz vergessen zu schreiben, weil mir das mit den Strafen aufgestossen ist: in fast allen Fällen reicht es zu sagen "Nix da, wir helfen alle beim Tischabdecken" und ihm einen Stapel Teller in die Hand zu drücken. Ich behaupte gar nicht groß drauf einzugehen bringt erstmal am meisten. Danach heissts erstmal Beobachten und Abwarten. Erst DANN kann ich das Verhalten des Kindes genau einordnen. Und das sollte immer Basis für weitere Aktionen - auch in Form von Strafen sein.
So wieder genug geschrieben...ist eben ein Thema das mir am Herzen liegt.
konsequenzen zeigen wirkung. ich bin zwar schon lange nicht mehr auf freizeiten gewesen, aber ich kenne das problem aus der offenen kinderarbeit. wir haben auch problemkinder, die respektlos verhalten. ich hab festgestellt, dass ein konsequentes verhalten wirkung zeigt: ich will was von dir, du willst was von mir. wenn man ihnen das klar machen kann, ändert sich meist auch ihr verhalten. wichtig ist aber das gespräch, um den kinder klar dazulegen, wofür sie die konsequenz bekommmen. natürlich gibt es fälle, wo strafen angebracht sind, aber sie sollten angemessen sein und die punkte treffen, die die kinder berühren. ein beispiel: du behandelst mich respeklos, ich lass dich nicht am nächsten spiel teilnehmen.
ist manchmal hart, aber auf die dauer zahlt es sich aus. hat dazu geführt, dass ich mittlerweile nur ein wort sagen muss, und die kinder ändern ihr verhalten.
Gerne darfst du auf diese Seite verlinken.
Zur Verlinkung aus Beiträgen im Grik verwende den folgenden Code: [AL]3885[/AL] (weitere Informationen zu diesem Code und weitere Codes findest du in Youth and me vom 15.05.07 ab Seite 9). Für die Verlinkung von externen Seite benutze bitte die folgende Url: http://www.grik.de/a3885-Nichtbeflogung-Anweisungen-Was-nun.html

















