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Diskussionsplatz - pädagogische Fragen - "spezielle" Kinder

Hardcore Kids

von cadderly (05.03.08 08:04:16)

Wie gehe ich mit den "harten" kindern um??

in einer freizeit stelle ich mir das verhältnismäsig einfach vor, wenn es zu schlimm wird, schicke ich sie nach hause.

aber wie ist das in der offenen jugendarbeit?

da haben wir wenige möglichkeiten. ich kann versuchen, ein elterngespräch anzuregen. klappt nur, wenn die eltern bereit sind. ist bei uns leider meistens nicht der fall, und wenn, müssen wir meisst feststellen, das die eltern völlig überfordert mit dem kind sind.

gespräche mit dem kind haben immer nur begrenzte wirkung, eine woche bis hinunter zu einm tag.

letztendlich sanktionen, ausschluss von aktivitäten oder rausschmiss für einen oder mehrere tage.  aber die letzte sanktion ist hausverbot für mehrere monate.

ist manchmal notwendig, um andere kinder zu schützen, aber ich fühl mich nicht wohl dabei. hab das gefühl, irgentwo versagt zu haben.

ich würde gerne wissen, wie es andren mit solchen kids ergangen ist und wie sie damit umgehen.

Kommentar von mehlersoft (05.03.08 09:04:46)

Was verstehst du unter "harten" Kindern?
Kommentar von Matze2903 (05.03.08 10:12:16)

Was mir als erstes aufgestoßen ist, sind die Worte "...Gefühl, irgentwo  versagt zu haben."

Wenn ich alles probiert habe, diese Kinder in den Griff zu bekommen, über Lob und Strafe, über positive und negative Strafen, über Gespräche mit den Eltern, und damit nichts erreiche und weiterhin die anderen  Kinder und /oder die Einrichtung darunter leiden, dann bleibt nur noch ein Ausschluss. Dann habe  ich nicht versagt, sondern die mir zur Verfügung stehende Mittel ausgeschöpft.. Es gibt leider einige Kinder, die durch unsere Mittel (bzw. nur durch den Ausschluß) in der offenen Arbeit  nicht zu erreichen sind. 

Nun zu meinen Hardcore Kids: Ich hatte zwei Brüder  auf dem Platz und einen Mitläufer. Immer wieder wurden  Kinder getreten oder geschlagen,  irgendjemand was weggenommen,  etwas kaputtgemacht ......Ermahnungen halfen garnichts,Strafen wirkten maximal den Samstag (wir haben nur Samstags auf dem Abenteuerspielplatz ASPIK geöffnet) selbst einzelne Samstage Ausschluss half nichts. 

Die Eltern glaubten mir nicht, als ich sie darauf ansprach, die Brüder wären doch ach so lieb und würden sich goldig um die kleine Schwester kümmern. (Die Eltern erfüllten ihren Kindern alle Wünsche, um sich nicht in Konfrontation mit ihnen zu gehen).

Positiv verstärken half auch nichts, es war ziemlich schwierig, etwas zum Loben zu finden.  

Irgendwann stellte ich den Jungs dann das Ultimatum: Wenn jetzt noch etwas passiert (geschlagene, getretene Kinder oder kaputte oder geklaute Sachen), dann erhalten Sie unbefristetes Platzverbot. Ich hatte auch einen Brief an die Eltern vorbereitet, in dem das unbefristete Platzverbot begründet war und auch die Möglichkeiten, es aufzuheben (Beratungsstelle).   

Plötzlich kamen sie nicht mehr, angeblich nahm sie am Samstag Handball und Fußball zu sehr in Anspruch. 
Nicht ideal aber auch so war das Problem aus der Welt geschafft.

 

Kommentar von Unbekannt (05.03.08 14:34:32)
Unbekannt
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Ich weiß was Holger meint und kann es gut nachvollziehen. Mir geht es ähnlich...

Versagen ist vielleicht das falsche Wort, aber es gibt immer einen Weg um die Probleme zu lösen. Wir - als Ehrenamtliche sowieso - finden nicht immer den richtigen Weg. Haben zu wenig Erfahrung, sind selbst überfordert (und können das genauso wenig die viele Eltern offen zugeben) und und und

Aber einen Weg gibt es immer. Wir können alles in unserer Macht stehende versuchen und hoffen, dass unsere Fähigkeiten ausreichen. Manchmal tun sie das nicht. Und das ist schade und mir geht es dann wie Holger. In einer gewissen Weise bin ich dafür auch immer mitverantwortlich - wenn auch nicht direkt Schuld daran.

Wobei ich auch anmerken will: jeder Ehrenamtliche der das Heimschicken von Teilnehmern ernsthaft als Sanktion sieht, der muss eine Menge lernen. Das sollte immer der letzte Schritt sein. Mir ist klar, dass viele Teams solche "Saktionen" viel zu früh einsetzen. Man muss sich aber bewusst sein, was so eine Art der Problembewältigung heißt. Es kommt einer Kapitulation gleich und daraus lernen beide Seiten nichts. Auch sind Freizeiten/Gruppenstunden eben nicht nur Spaß, sondern auch Arbeit - und davor scheuen sich viele auch wenn es darum geht wirklich mal anzupacken (wie in so einem Fall). Schwierigkeiten sind tolle Möglichkeiten zu wachsen und Erfahrungen zu sammeln. Sobald aber eine Gefahr für Kinder und/oder Betreuer besteht, muss ich natürlich pädagogische Ansätze fallen lassen - dann ist eine Kapitulation die bessere Wahl. Aber ich behaupte mal ganz dreist, dass 70% aller heimgeschickten Kinder durch Fehler der Betreuer verantwortet sind. Naja...wie auch immer.

Grundvoraussetzung für solche Problemkinder ist immer eine Beziehung zwischen dir und den Kids. Nicht jeder kann zu jedem eine Vertrauensbasis aufbauen - dessen sind sich viele nicht bewusst, aber es passen nicht alle Menschen zusammen. Aber das merkt man dann ganz deutlich selbst. Hast du eine Basis geschaffen, kannst du weitere Ziele in Angriff nehmen. Dazu muss man natürlich den konkreten Fall kennen, aber ich denke du willst ja auch nur das Allgemeine wissen. So arbeiten Streetworker z.B.

Nur mit persönlichen Bindungen kannst du an solche Kinder rankommen. Ob und wie die gelingen ist immer sehr individuell und kann zwar zu einem großen Teil beeinflusst, nie aber erzwungen werden. 

Kommentar von cadderly (05.03.08 17:42:44)

zu christian:

mit harten kids meine ich verhaltensauffällige oder aggessive kinder. 

zu matthias:

das gefühl des versagens entsteht, weil ich eigentlich genau für diese kids ausgebildet wurde. das problem ist nur, die in der ausbildung gehen von einem geregelten setting aus und das haben wir nicht. ich sehe den bann auch nur als die ultimative lösung, wenn alles andere versagt hat.




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