Ehrenamtliches Engagement
von fels298 (19.02.08 07:00:16)Liebe Grikianer!
Mit dem folgenden Artikel bitte ich Euch, einmal in Euch zu gehen. Alles, was wir hier tun, machen wir ehrenamtlich.
Hin und wieder stelle ich mir die Frage, wo die Grenzen des ehrenamtlichen Engagements liegen. Gestern war wieder so ein Tag.
Ich möchte Euch mal ein paar Extreme beschreiben, die man bei uns beobachten kann. Da ist z. B. jemand, die sich total aufopfert neben dem Studium. Manchmal fragt man sich, ob die Priorität nicht falsch gesetzt ist. Diese Frau sieht man an vielen Tagen im Büro oder bei anderen Aktivitäten.
Ehrenamtlich tätig zu sein, kann sein, daß man sich ausschließlich um die Gruppenstunden, um die Planung und um die regelmäßig stattfindenden Sitzungen kümmert, aber nicht zu sonstigen Veranstaltungen fahren möchte, weil man auch Familie hat, die sonst streiken würde.
Eine ehrenamtliche Tätigkeit kann bei uns auch so aussehen, daß man weder zur Gruppenstunde und noch zu den Sitzungen kommt, und sich aus den Aktivitäten heraus hält.
Also, wo setzt Ihr Eure Grenzen bei der Ausübung Eurer Tätigkeit?
Ich war früher mal auch so einer ;-)
Mein Lebensmittelpunkt war quasi das Ehrenamt und ich hab da wie ein Hauptamtlicher für gearbeitet. Drei Freizeiten im Jahr, unendlich viele Stunden in der Küche, Büroarbeit, Elternarbeit, Vorsitzender des KV's, Kreis- Landesjugendring und und und
Letztendlich stimmt es: sobald das Ehrenamt zum Hauptamt wird läuft was falsch. Bei mir hat sich das dann mit Beginn des Studiums gegeben. Habe eine Freundin gefunden und von mir aus andere Proritäten gesetzt. Ich liebe es auch mal ohne Kinder weg zu fahren und eben nimmt immer das Gefühl zu haben "ey, du verpasst was" - es ist nämlich genau das Gegenteil der Fall :)
Und ganz viele haben diese Angst etwas zu verpassen. Merke ich gerade bei den frischen Leuten die dazustoßen. Vielleicht müssen die sich auch erstmal die Hörner abstoßen ;)
Ich muss sagen: ich genieße es selbst Urlaub zu machen, Stratege zu spielen und Verantwortung abzugeben. Es läuft auch ohne mich und nach 7 Jahren wirds dann auch mal Zeit, dass Neue das Ruder in die Hand nehmen. Ehrenamt lebt auch vom Wechsel - habe lange gebraucht das einzusehen, aber der Wechsel ist das Rückgrad des Ehrenamts!
Ich merke selbst auf Freizeiten wie anders ich alles wahrnehme als die Neuen, wie die Kids mich anders wahrnehmen...schwups ist man auf einmal vom 15-jährigen Mädchenwarm zum Leiter geworden. Die Kinder kommen zu einem wenn sie wirklich heftige Probleme haben oder einfach jemanden zum Reden brauchen. Aber man ist nicht mehr der Betreuer den die Mädels unbedingt ins Meer zerren wollen.
Das ist okay, andere sind nun näher an den Kids als ich es bin. Ich bin einfach erwachsen geworden ;) Und es ist geil erwachsen zu sein :p
Jeder muss seine Grenze selbst ziehen. Bei mir kam der Punkt auch dadurch, dass die AWO den Karren gegen meinen Willen an die Wand gefahren hat. Daraus habe ich damals meinen Entschluß gezogen und habe alles niedergelegt. Der Vorstand wurde einige Monate später aus dem Amt gejagdt und heute bin ich wieder dabei. Aber eben nicht mehr als Ehrenamtlicher Betreuer...ich mach Freizeiten, aber ich trauere nicht mehr wenn ich keine machen kann.
Wichtig ist eben den Punkt zu erkennen an dem Ehrenamt zum Lebensinhalt wird. Nimmt man das Ganze zu ernst, gibts früher oder später böses Blut oder gar Tränen. Man muss immer loslassen können um ein guter Ehrenamtlicher zu sein. Dadurch entstehen nie geahnte Perspektiven :)
Soweit meine Geschichte...
Nun ja, irgendwie kommen mir manche Schilderungen bekannt vor.
Auch ich hatte eine Zeit wo wo ich zuletzt auf eine hohe 3stellige Summe an ehrenamtlichen Stunden im Jahr gekommen bin. Dieses Engagement habe ich (nach fast 10 Jahren) aus anderen internen Gründen mit einem Tag beendet. Meine Entscheidung dort aufzuhören habe ich bis heute nicht bereut.
Irgendwie hat mir dann doch etwas gefehlt. Anfangs war da eine wirkliche Leere, danach habe ich erstmal einfach meine neue Freiheit genossen, konnte viel reisen und einige Dinge einfach nur für mich selbst verwirklichen.
Aber so ganz ohne ist es auf Dauer ja auch nichts. Mit etwas Abstand bin ich jetzt wieder in verschiedenen Bereichen tätig. Dieses Engagement unterteilt sich in 3-4 weitgehend voneinander unabhängige Bereiche, so dass ich jederzeit einen oder mehrere reduzieren oder auch aufgeben könnte ohne "in ein dunkles Loch zu fallen". Insgesamt sind diese Tätigkeiten jetzt gut mit meinen eigenen Bedürfnisen in Einklang zu bringen, sind vom Umfang her recht flexibel zu gestalten und verursachen also keinen Stress. Ich habe überall gute Leute im Team die mich unterstützen aber auch vollwertig vertreten können so dass ich z.B. endlich mal wieder im Urlaub das Handy ausschalten kann. In einem Fall halte ich mich inzwischen auch bewusst etwas im Hintergrund und lasse vorne Andere ("Neuere" Aktive) machen.
Diese neuen Tätigkeiten machen mir auch echt Spaß, es gibt eine angemessene (imaterielle) Anerkennung und akzeptable bis gute Unterstützung, man sieht auch wie das Ergebnis angenommen wird (besonders in den 2 Bereichen mit Kindern und Jugendlichen) und kann sich auch darüber selbst mal mit freuen. Das alles hat mir in meiner früheren Tätigkeit gefehlt. Zusammenfassend kann ich nur jedem raten sich nicht zu sehr an eine bestimmte Sache zu binden. Mehrere "kleine" Tätigkeiten sind oft besser und bieten auch gegenseitigen Ausgleich.
Soviel zu meiner "Geschichte"...
(Auch wenn ich gerade heute wieder einen Abend hatte an dem einiges zuviel war (nicht zeitlich) und ich mich frage wozu ich das eigentlich alles mache... aber bis nächste Woche ist das wieder vorbei und ich kann mit neuem Spaß wieder ans Werk gehen...)
Ich sitze auch oft da und denke darüber nach, warum ich mir diese Arbeit antue. Und genau das ist der Punkt.
Ich muß mir klarmachen, warum ich das tuen will.
- Habe ich viel Zeit, die ich sinnvoll füllen möchte?
- Möchte ich mit Kindern arbeiten?
- Möchte ich Gremienarbeit machen?
- Wieviel Stunden pro Woche will ich arbeiten?
- Möchte ich nur ein Projekt erarbeiten und/ oder durchführen?
- Möchte ich kontinuierlich arbeiten?
- Möchte ich Vorstandsposten haben?
Dies sind die Fragen, die mir hier spontan eingefallen sind, es gibt bestimmt noch mehr Fragen, die man klären müsste. Wenn ich mir diese Fragen beantwortet habe, habe ich mein ehrenamtliches Arbeitsfeld abgesteckt. Mit diesem Wissen und ein bisschen Mut zum Nein sagen, kann ich dann meine Position gegenüber den anderen Mitgliedern/Mitarbeitern vertreten und das Ausgenutztwerden bzw. das sich Selbst zuviel Arbeit aufbürden (... es macht niemand anders, dann mache ich es halt) vermeiden.
Wertbewusstsein:
Mann sollte sich bewußt sein, was man selber kann und was dieses Können für die Organisation für einen Wert hat,
Ich kann was, ich bin von Wert für die Organisation und ich kann auch Bedingungen stellen (realistisch bleiben). Sollten diese Bedingungen nicht erfüllt bzw. verhandelt werden, dann sollte man sich auch nicht zu Schade sein, zu sagen Ade, das wars ich höre auf. Denn kein noch so goldiges oder trauriges Kinderauge wiegt meine eigene Unzufriedenheit auf, wenn ich mich in einem für mich nicht zu akzeptierendem Umfeld aufreibe. Das schlimmste ist dann, wenn es an die Gesundheit geht.
Ehrenamt
Die Begrifflichkeit "Ehrenamt" ist ja auch etwas, das mir aufstösst. Woher kommt diese? Ich würde es ja unbezahlte, freiwillige Arbeit nennen.
Jetzt ziehe ich mich mal zurück und denke darüber nach, wie nah oder fern ich bin von dieser Aussage und bewerbe mich auf eine Aktivspielplatzleiterstelle.
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