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Diskussionsplatz - pädagogische Fragen

Kompetente Eltern!?

von cadderly (01.02.08 19:27:32)

chris hat in einem kommentar zu einem anderen thema einen aspekt angesprochen, der mir schon seit jahren unter den nägeln brennt. ich hab ihn bis jetzt nicht angesprochen, weil ich befürchte, dass einige mich misverstehen könnten.

das thema ist: kompetente eltern!

das hängt stark mit zwei anderen themen zusammen, die ich angesprochen habe: gewalt und alkohol.

aus einigen kommentaren hab ich herausgelesen, das die autoren der ansicht sind, sozialisation und erziehung haben einen wesentlichen anteil daran, wie sich ein kind in bezug auf diese beiden punkte entwickelt. dem stimme ich zu. die frage wäre, welchen einfluss haben die eltern auf diese kinder und wie kann man sie unterstützen.

der punkt ist, das in den statistiken kinder aus sozial schwachen oder aus migrantenfamilien besonders stark vertreten sind. ich merke das selber, da ich in einem stadtteil mit sehr hohem migrantenanteil arbeite, ich sehe die unterschiede zwischen deutschstämmigen und ausländischen kindern. dennoch ist unser grösstes problemkind deutscher abstammung.

was ich damit ausdrücken will ist, es kommt nicht auf die herkunft, sonder auf die integration und sozialisation an. die gemeinsamkeit bei allen aggresiven kinder in unserer einrichtung ist nicht die nationalität, sondern desinterresse der erltern oder einfach hilflosigkeit gegenüber den kindern. ich hab in vielen gesprächen der kinder mit den müttern miterlebt, wie respeklosigkeit und offene abneigung gegen die müttern vorherrschen. die mütter wissen sich nicht zu helfen, sind hilflos haben teilweise angst.

ich denke, wenn man diesen eltern helfen könnte, ihre position gegenüber den kinder wieder zu stärken, sie wieder zu respektspersonen zu machen, würde dies auf lange sicht auch die kinder verändern. gewalt wird nicht mehr zur selbstverständlichkeit, auchtung und respekt bekommen wieder sinn.

die ganze diskussion über veränderte strafen ist in meinen augen nur symptombehandlung, die ursachen liegen tiefer. die eltern im umgang mit den kinder zu stärken, wird nicht die lösung sein, aber es ist ein anfang. dazu gehört auch ein neues verantwortungsgefühl: es ist mein kind und ich bin dafür verantwortlich! erst wenn einige eltern dies akzeptieren, werden sie sich auch dafür interressieren, was ihr kind macht, und vielleicht, wie sie es ändern können.

ich weis, das ist nur ein standpunkt, ohne lösungen, aber ich würde gerne andere standpunkte hören, vielleicht ideen, vielleicht sogar praktische beispiele. 

 um es zu überspitzen, wir brauchen einen schein zum führen eines autos, einen zum führen eines hundes, warum nicht auch einen zum erziehen eines kinder????

Kommentar von Maerlin (01.02.08 23:40:00)

Du sprichst mir ganz aus der Seele, Chris! (Bis auf den Punkt "es kommt nicht auf die herkunft" an, da mache ich andere Erfahrungen.)

Ich arbeite mit Kindern in einem ähnlichen Umfeld wie Du, auch mit hohem Migrantenanteil und mache ganz ähnliche Beobachtungen. Die Probleme sind für mich zu vielschichtig, als dass ich eine Lösung sehen könnte (wenn es die überhaupt gibt).

Sowas wie Elternführerscheine gibt es ja, z.B. das Programm "Triple P" oder "Starke Eltern Starke Kinder" vom Deutschen Kinderschutzbund. Dort wo ich wohne und arbeite wird die Teilnahme von Eltern teilweise sogar durch Stiftungsmittel oder das Jugendamt gefördert. Aber wie so oft: Die, deren Teilnahme wir uns am dringendsten wünschen würden, sind nur selten unter den Teilnehmern zu finden. Was häufig auch ein Sprachproblem ist, da die Kurse bislang nur auf Deutsch gehalten werden. Aber ich finde die Kurse dennoch hilfreich. Vielleicht braucht es einfach noch Zeit, dass es "normal" für Eltern ist, solche Kurse zu besuchen.

Aber anders als beim Autoführerschein lässt sich die Teilnahme ja nicht erzwingen. Obwohl es Überlegungen gibt, das Kindergeld daran zu koppeln. 

Ich bin ja selbst Vater und schon deshalb auf die weitere Diskussion gespannt. 

Kommentar von cadderly (02.02.08 03:08:48)

hallo andreas

das phänomen, das du beschreibst, kenn ich auch. wir haben elternabende und elternfrühstück versucht. selbst bei spielplatzfesten kamen eigentlich immer nur die eltern, bei deren kinder wir keine schwirigkeiten sahen. die se eltern kümmerten sich um die kinder. dei eltern, die wir eigentlich erreichen wollten kamen nicht, entweder aus desinteresse, oder, wie du es sagst, wegen sprachproblemen. leider kann letzteres bei uns nur ausrede sein, da wir eine türkische mitarbeiterin haben, die sich mit diesen eltern unterhalten kann. bleibt der eine punk, leider.

Kommentar von rolimo (02.02.08 06:24:12)

Ich stimme euch zu und sage nur: zur Integration kann man niemand zwingen, sondern er muss es selber machen, man kann ihm nur Unterstützunge bieten. 

 

Ein Punkt ist noch, dass es heute viele Eltern gibt, die Kinder haben "nur" um Kinder zu haben und nebenbei noch voll ihre Arbeitkarriere durchziehen wollen und so keine Zeit für ihre Kinder haben.

 

Holger: Mich würde interessieren in was für einer "Organisation" du ein Löwenbändiger (wie du dich in deinem Profil beschreibst) bist.

Kommentar von Unbekannt (02.02.08 23:38:28)
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Also die Politik tut sich schwer mit dem Thema "Elternkompetenz". Das Problem liegt hier in der deutschen Tradititon: Erziehungsarbeit ist Elternsache - moralisch, sozial und gesetzlich ist dieser Wert fest verankert. Und meiner Meinung nach auch vollkommen zurecht. Wir können keine DDR wollen. Mit einer staatlichen Erziehung würden viele Probleme wegfallen, aber wir würden ein wichtiges Grundrecht einreißen.

Und ich bin immernoch der Meinung, dass es nie etwas mit der Herkunft zu tun hat. Es ist die fehlende Integration - die auch bei deutschen Familien einschlägt beim Umzug in andere Bundesländer z.B. . Dass nun türkisch-, russische- oder sonstwas-stämmige Menschen damit mehr Probleme haben, ist eine Sache der Logik. Aber wir dürfen eben nicht den Fehler machen und die Herkunft als irgendeinen Indikator aufstellen zu lassen. Da ist bei mir immer ein sehr bitterer Beigeschmack dabei.

Inkometenz der Eltern kann nur durch soziale Hilfen aufgefangen werden. Sicher müssen wir auch - gerade nach den neusten Nachrichten - über eine Verpflichtung der U-XY Untersuchungen nachdenken. Wir müssen uns auch der Tatsache stellen, dass wir Kinder heute besser schützen müssen als noch vor 30 Jahren. Wirklich gefährlich finde ich Sender wie RTL die durch die SuperNanny falsche Vorstellungen vermitteln. Die Methoden werden tausendfach übernommen und machen den Familienalltag schlimmer denn je (auch dazu: die Presseerklärung des Kinderschutzbundes zur "SuperNanny" bringt es auf den Punkt).

Wir müssen erstmal Geld für diese Probleme freimachen und Projekte fördern. Es ist ja nicht so, dass wir hilflos dieser Entwicklung gegenüber stehen.

Kommentar von cadderly (25.09.08 12:27:27)

@ Roland

Erstmal sorry, dass es solange gedauert hat, hatte fast vergessen, dass ich diesen Artikel geschrieben habe.

Meine Einrichtung ist ein offener Kindertreff für Kinder von 6 - 13 Jahren. Wir sind von 14 - 18 Uhr da, um die Kinder zu beschäftigen. Die Oberorganisation ist der "Planerladen e.V.", ein gemeinnütziger Verein, der verschiedene Einrichtungen im Stadtteil unterhält oder mit denen eine Kooperation besteht. Dazu gehören zwei weitere Treffs, einer für die gleiche Altersstufe, der andere für ältere Jugendliche,  eine stadtteilbezogene Beratungseinrichtung und verschiedene Fördergruppen (unter anderem Sprachkurse). Schwerpunkt unserer Arbeit ist in der Regel Kinderbelustigung. Wir versuchen, durch verschiedene Angebote und Projekte den Kindern andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung näher zu bringen (nicht immer nur fernsehen oder abhängen). Der pädagogische Aspekt wird dabei nicht ausser acht gelassen, die meisten Angebote beinhalten viele soziale Komponenten, aber wir "sezieren" nicht jedes Angebot auf seinen "pädagogischen Wert". Wenn den Kindern ein Spiel Spass macht, muss es nicht unbedingt einen Lerneffekt transportieren, es darf auch einfach mal nur der Spass im Vordergrund stehen. Aber meist können wir bei den Kindern gerade Bereiche, wie Sozialkompetenz, Impulskontrolle und Regelbewusstsein, fördern, ist immer ein langwieriger Prozess, aber wir merken, wie sich die Kinder verändern. Leider bleibt die Elternarbeit immernoch ein Sorgenkind mangels Bereitschaft der Eltern.

@ Chris

Als ich die SuperNanny das erste mal gesehen hatte, ist es mir eiskalt den Rücken runtergelaufen (hab nach zehn Minuten umgeschaltet, ging gar nicht mehr!). Ich hab genau diesen Bereich studiert, Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern. Die Kinder, die ich da gesehen habe, hätte man schon viel früher auffangen können, lange, bevor die Situation derart eskaliert. Die Sendung vermittelt meiner Meinung nach den Eindruck, du brauchst dich jahrelang nicht um dein Kind kümmern, hol dir einfach jemanden, und nach einer Woche ist wieder Sonnenschein. Möglichkeiten, wie Familienberatung, Anti-Aggressions-Training oder therapeutische Förderung, werden völlig ausser Acht gelassen. Zudem ist es mit einer Woche nicht getan. Verhaltensmodifikation, sowohl beim Kind als auch bei den Eltern, ist ein Prozess, der sich über Monate oder sogar Jahre zieht. Für mich ist diese Sendung nur ein Mittel, mit plakativen, reisserischen Bildern, Einschaltquoten zu bekommen. Für Eltern find ich gerade dann gefährlich, wenn sie mit Halbwissen gefüttert werden, eine Reflexion der Handlungen durch geschulte Leute jedoch ausbleibt. So können sie vielleicht ein Verhalten ablegen, ersetzten dieses jedoch unter Umständen durch ein noch ungünstigeres Verhalten. Dieses kann nicht in einem Frühstadium aufgefanden werden, sondern wird sich mit grosser Wahrscheinlichkeit verfestigen und die Probleme werden nur verlagert, die Grundunzufriedenheit bleibt.




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