Kinder, Alkohol und Drogen, ein neues Thema??
von cadderly (18.01.08 23:37:04)ich weis, das thema wurde von christan mehler schon vor drei jahren angesprochen und hat bis heute eine rege diskussion hervorgerufen. das thema ist für mich wieder akltuell geworden durch einige vorfälle bei uns.
ich hab aus den kommentaren entnommen, dass die meisten von euch leiter von jugendfreizeten, jugendlagern oder ähnlichem sind. da kann ich nur bedingt mithalten, weil meine letzte freizeit sieben jahre zurück liegt (hab sechs jahre lang freizeiten betreut). unsere einstellung damals war kontrolle, statt verbot.
ich arbeite seit sechs jahren in der offenen jugendarbeit, eine einrichtung, die kinder von sechs bis vierzehn besuchen dürfen. meine parallelen zu den gruppenleitern sehe ich darin, dass auch wir mit gruppen in projekten arbeiten, nur das bei uns die fluktuation weit höher ist und damit die kontinuität niemals gewährleistet ist.
das zu meinem hintergrund, fehlt nur noch eins: ich bin trockener alkoholiker! das heist, ich kenn die materie verdammt genau. in der langzeittherapie hatten wir eine jugendgruppe. jugendliche, die entweder freiwillig oder wegen gerichtlicher auflagen die therapie machten. von vielen hab ich die lebensgeschichte und die entwicklung der sucht in gesprächen sehr nah miterlebt. viele fingen bereits mir zehn oder elf mit ihren ersten erfahrungen an.
das thema ist mir deswegen so wichtig, weil wir bei einigen unserer kinder mitbekommen haben, dass sie schon mal volltrunken waren, deren ansicht ist, das alkohol "cool" macht, vom rauchen brauche ich glaub ich gar nicht zu schreiben. durch den hohen migrantenanteil in dem stadtviertel haben die meisten kinder mehrere grosse brüder, die als vorbild fungieren, und die meisten von denen kiffen. ich kenne das suchtpotenzial beider drogen, deshalb erschreckt es mich, mit welcher leichtigkeit die kids an alkohol kommen und mit welcher ignoranz es von einigen eltern verarbeitet wird. als beispiel hab ich einen elfjährigen, dem dafür, das er morgens um zwei(!!) uhr voltrunken nach hause gekommen ist, nur der besuch in der türkei bei der tante (die er sowieso nicht mag) gestrichen wurde.
noch erschreckender fand ich meinen gastbesuch in unserer suchtberatung als gastredner für die achte klasse. das war zu dem zeitpunkt, als die alcopops gerade den markt übernahmen. vielen kindern war der alkoholgehalt nicht klar, sie wurden als harmlos eingestuft. erschreckender war für mich die anzahl der kinder, die schon erfahrung damit gemacht hatten, mehr als die hälfte in einer gruppe, zwei drittel in der anderen.
ich schreibe deswegen so ausführlich, weil es mich wichtig ist, dass man gerade in der kinder- und jugenarbeit ein bewusstsein für die gefahren entwickeln sollte, die diese gesellschaftsdrogen in sich bergen, und das man vielleicht seine mitarbeiter über die folgen von gerade alkohol schulen sollte.
was das rauchen betrifft, sind wir nicht unbedingt ein vorbild, die meisten mitarbeiter rauchen, aber alle versuchen die kinder auf die gefahren der abhängigkeit hinzuweisen. ich selbst hatte schon lange gespräche mit einigen kinder, in denen ich versucht habe, ihen zu erklären, warum es irgentwann so schwierig wird, aufzuhören.
ich weis nicht, welche kommentare ich erwarten kann, schreibt einfach alles. das ist das, was ichz gerne loswerden wollte, ich weis nicht, ob es euch hilft, mir hat es geholfen, es einfach runterzuschreiben.
ich wünsch euch mehr lösungen, als probleme.
carpe diem
holger
Also für mich ist es immer wieder erschreckend wie früh die Kiddis überhaupt anfangen. Ich bin selber gerade mal 17 (!!) Jahre und ertappe mich oft bei Sprüchen wie "Die Jugend von heute" oder " Das haben wir früher aber nicht gemacht". Als Leiter in der katholischen Jugendarbeit fällt mir aber auch auf, dass die "religiösen" Kinder weitaus weniger trinken. Wir haben normalerweise keien Probleme mit Alkohol auf Freizeiten, abgesehen von dem ein oder anderen Rebellen der meint eine Flasche Bier mitbringen zu müssen. Das liegt zum einen daran, dass auch von den Leitern keiner Alkohol trinkt, obwohl es nicht verboten ist. Aber anscheinend ja auch daran, dass durch die christliche Jugendarbeit Kinder "vernünftiger" sind.
Was mich jetzt mal interessiert, wie das in anderen KLJB/KJG/etc. Gruppen ist
zu manuel
du sagtst, bei den religiösen kindern tritt das weniger auf. 80% meiner kinder haben einen muslimischen hintergrund, und es sind gerade diese kinder, bei denen wir den alkoholkonsum bemerken. der koran verbietet eigentlich den alkohol. ich denke nicht, das religion bei den heutigen jugendlichen in der hinsicht eine rolle spielt, eher die erziehung und das umfeld.
Also bei uns Messdienern gibt es solche und solche, es kommt aber auch stark auf den Umgang in der Schule oder der Freizeit drauf an. Auch ob man beispielsweise am Bau arbeitet, wo das Bier häufig noch dazugehört. Allerdings muss ich sagen, das egal wie "schlimm" die Kinder sich zu Hause verhalten, im Zeltlager keinerlei Konflikte auf Grund von Alkohol entstehen. Es wird nichts mitgebracht von den Teilnehmern und auch nichts konsumiert, am letzten Abend bei der Disco dann kann der der Alt genug ist ein Bier trinken. So gibt es keinerlei Probleme.
Auch zum Thema Rauchen kann ich bei uns nichts festestellen, wir haben einen Leiter der raucht, aber nur in Abwesenheit der Kinder, oder abends am Lagerfeuer mal. Von den Teilnehmern raucht bei uns niemand. Wir wissen aber wer ab und an mal raucht, oder schon mal Drogen ausprobiert hat. Jedoch ist dies im Zeltlager noch nie vorgekommen.
Die heuige Jugend, gut bin selber erst 19, ist aber was Alkohol, Drogen und Gewalt angeht wesentlich schlimmer als es meine Bekannten und ich waren mit 14 bis 17.
Gruß Tim
@Holger: Ich habe das "religiös" auf Christen bezogen. Bei den Muslimen kommt wie gesagt das Verbot hinzu und Verbote sind schließlich dazuda gebrochen zu werden. Es kommt natürlich auf Umfeld und Erziehung an, wobei das of von der Religiösität abhängig ist. Ein "guter" Christ erzieht sein Kind meistens anders, als jemand, der nur Ostern und Weihnachten zur Kirche geht wegen der Atmosphäre.
Da wir eine KLJB (KATHOLISCHE Landjugend Bewegung) haben wir halt nur katholische(vereinzelt evangelische) Kinder.
zu tim
ist das ne lösung, nur die freizeiten zu sehen, wo die kinder sich benehmen? du sagst selbst, es gib die kinder, die zu hause stess machen. werden die zu "guten" kindern, nur weil sie in der freizeit kein alkohol getrunken haben und ihre beste seite gezeigt haben???
ich hab diese kinder woche für woche, darum hab ich den artikel geschrieben, mal die alltagsseite zeigen.
zu manuel
was ist ein guter christ???
Ich hab das gut doch schon extra in Anführungszeichen gesetzt. Ich meine mit "gut" immer aktive Christen, also nicht solche, die zwar Christen sind, aber nur aufm Papier, da die Mehrheit der aktiven Christen die Kinder auch christlich erzieht. Schon alleine diese Erziehung reich um aktiv zu sein, ich kenne viele Leute, die erst durch die Kinder wieder zum Christentum gefunden haben.
Es geht als "guter" Christ nicht darum jeden Tag in die Kirche zu gehen, sondern den Glauben zu leben und weiterzugeben. Jeder Jugendleiter einer christlichen ist aktiver ("guter") Christ.
Aber wie gesagt, mich würde interessieren wie das bei anderen ist. Habt ihr auch die Erfahrung gemacht, dass christlich erzogene Kinder weniger Alkohol u.ä. konsumieren als andere?
Also bei uns haben wir nie festgestellt, dass Alkoholkonsum von mehr oder weniger guter christlicher Erziehung abhängt...
Vielmehr habe ich festgestellt, dass verschiedene Kinder mit verschiedenen Rollen innerhalb der Gruppe auch verschieden auf Alkohol reagieren... Die Coolen, dies Vormachen, die Mitläufer, die Außenseiter, die auch mal cool sein wollen... das sind die gefährdeten Gruppen... nur wer in diesem Alter schon genug Charakter und eine starke Persönlichkeit hat, widersetzt sich dem Gruppenzwang... gerade von "braven" Kindern war ich immer wieder überrascht, was die alles im Geheimen treiben...
ich ertappe mich mit meinen 18 Jahren übrigens auch mit so Sprüchen wie "Die Jugend von heute...", weil ich einfach nicht so drauf war, wie viele andere aus meinem Jahrgang, mit besaufen, rauchen etc. und das auch ohne christliche Erziehung (meine Eltern habens nicht so mit Kirche...). Allerdings wenn ich mir so das Gesamtbild jedes Jahrgangs anschaue, dann muss ich feststellen, dass die Konfirmandenjahrgänge nach unserem in der Gesamtheit wesentlich ruhiger und nicht etwa schlimmer geworden sind...
Hallo!
Also ich verstehe nicht ganz ws die Diskusion um Alkohol mit Religionm zu tun hat. Vielmehr bin ich der Meinung das Umfeld der Kinder ergibt den Alkohol bzw. Drogen Missbrauch. Es beginnt schon damit wie die Eltern es vorleben und in welchem Freundeskreis sich die Jugendlichen aufhalten. Ich kann jetzt nur aus unserem Bereich sprechen wo ich die enormen Unterschiede zwischen Stadt und Land Kindern beobachte. Wobei zumindest meinem Empfinden nach bei uns die Land Kinder um einiges später mit Suchtmitteln in Berührung kommen.
Bei uns im Camp herrscht übrigens absolutes Akohol, Drogen und bei Jugendlagern auch Rauchverbot! Diese Regel gilt auch für die "Betreuer"! wer sich nicht daran hält wird mit der Heimreise belohnt. Dieses Verbot funktioniert wunderbar da sich auch die Betreuer daran halten und es bei uns keinerlei Möglichkeit gibt einzukaufen!
.
Natürlich werden die Kinder nicht zu Engelchen. Aber wir kommen vom "Land", und ich denke das dass was Markus schon sagte, das es dort anders ist als in der Stadt ist als richtig zu bezeichnen ist.
Aber man sollte trotzdem versuchen wenn man weiß das die Kinder mit diesen Themen zu tun haben dadrauf einmal gezielt und alleine anzusprechen, meist gibt es dann Probleme in der Familie oder im näheren Umfeld. Jedoch merke ich bei uns das es welche gibt die am Wochenende mal ein paar Bierchen trinken, aber kein Komasaufen machen und auch dann rauchen, aber sonst ganz "normal" sind.
Das der übermäßige Konsum von Alkohol nichts mit der Religion zu tun hat, liegt denke ich daran, das es drauf ankommt wie die Eltern dazu stehen und wie eben auch das Umfeld der Personen ist. Ich habe zwei Türkischstämmige Arbeitskollegen, der eine davon lebt streng nach dem Koran, also kein Alkohol oder Schweindefleisch, hält sich fest an den Ramadan. Der andere hingegen nicht, also Alkohol wird getrunken und auch der Ramadan wird nicht so gefeiert.
Aber die Kinder werden im allgemeinen ruhiger, sie beschäftigen sich mehr mit elektronischen Unterhaltungsmedien. Wir sammeln auf unseren Freizeiten meist mehrere Handy und Zweithandys sowie GameBoys und PSP und der gleichen ein. Und auch bei Unterhaltungen der Kinder untereinander hört man sehr sehr viel vom Pc spielen...Ich denke das dass eher das Problem werden wird.
Das ist ein soziales Problem. Die Religionen liefern sicher Hilfen für soziale Probleme, aber will man ein so verbreitetes gesellschaftliches Problem angehen, hilft es nicht sich auf die Bibel oder den Koran zu berufen.
@ holger: du erzählst mir - so bitter es ist - nichts neues. Das Problem lässt sich sogar ganz genau auf der Landkarte darstellen. Es hängt direkt mit Hartz-4 und der "Unterschicht" (so böses das Wort auch ist, ich denke aber man tut den Menschen unrecht blumige Begriffe dafür zu verwenden - dann daran ist nichts blumiges, schönes).
Die Familie ist der Ort an dem solche Probleme beginnen und auch gestoppt werden können. Nicht die Disko, nicht die Tanke...das sind nur Nebenschauplätze. Wir haben das Problem, dass Familie immer mehr zerbröckelt - zumindest der Begriff der Familie wie wir ihn alle kennen aus den Dörfern, von unseren Eltern usw.
Familie ändert sich. Die Welt radikalisiert sich und mit ihr die Mütter und Väter. Es gibt wenige Dinge die heute noch Halt vermitteln und gerät man in eine Situation in der Zukunftsängste dazu kommen, ist der Schritt an den Abgrund näher als alles andere. So schwer es für einige fällt es einzusehen, die Mütter und Väter die erziehen können werden weniger. Viele der Problemeltern haben selbst keine Erziehung genoßen, sind im teufelskreis gefangen und die Kinder leben es nach. Es gibt sicher auch Kinder aus gut bürgerlichen Familien denen es den Boden unter den Füßen wegzieht - aber die Zahlen sind dort ganz andere. Diese Probleme die wir diskutieren werden vererbt...
Was zu tun wäre: erstmal gilt es Geld klar zu machen. Für Leute wie dich Holger. Hilfen anzubieten, KiTas aufzumachen, Kurse für Eltern anzubieten und wieder eine Sicherheit zu geben. Die Menschen (sowie die Kinder) sind nicht zufrieden mit dem was sie umgibt. Einige schreien förmlich um Hilfe...gerade die straffälligen Kinder. Nur kommt keine. Leider ist unsere Gesellschaft nicht bereit den Preis zu zahlen, um in einer fairen gesellschaft zu leben. Bei einigen denkt man, Mitgefühl und der Wille zum Teilen sind erst gar nicht da...
zu chris
du sprichst mit deinem kommentar eine saite an, bei der ich mir nicht sicher war, ob ich sie thematisieren will. es geht um die hilflosigkeit der eltern und in dem zusammenhang um gesteigerte agression bei kinder. ich denke, ich werde mich trotz der politischen diskussion daran wagen und einen neuen artikel darüber schreiben.
schau mal nach.
ansonsten, danke für deinen kommentar, ich tu mich immer schwer mit feizeiten, weil ich die schon lange nicht mehr mache und ich die rahmenbedingungen nicht mit meinen vergleichen kann. trotzdem finde ich (leider) viele parallelen.
Gerne darfst du auf diese Seite verlinken.
Zur Verlinkung aus Beiträgen im Grik verwende den folgenden Code: [AL]3565[/AL] (weitere Informationen zu diesem Code und weitere Codes findest du in Youth and me vom 15.05.07 ab Seite 9). Für die Verlinkung von externen Seite benutze bitte die folgende Url: http://www.grik.de/a3565-Kinder-Alkohol-Drogen-neues-Thema.html

















