aggessive kinder
von cadderly (15.01.08 10:05:34)die diskussion über das neue strafrecht betrifft mich, weil ein teil meiner kinder in den bereich des neuen strafrechts fallen würde. meine meinung ist gespalten. wir haben einige kinder, auf die das neue gesetz, sollte es verabschiedet werden, angewandt würde. sie sind brutal, skrupellos und unberechenbar.
aber haben wir das recht, sie slebst dafür zu verurteilen? meiner meinung nach istdas alles nur der versuch, die gesunkene finanzierung der jugendarbeit zu kaschieren, eine art, den brunnen zuzuzmauern, nachdem das kind hineingefallen ist. die haben uns die zuschüsse gekürzt, ich weiss nicht, ob wir die kinder hätten auffangen können, selbst die schulen verzweifeln. aber müssen wir diese kinder deshalb kriminalisieren?
andererseits denke ich, diese kinder sind durch alle netze von konsequenzen geschlüpft, mit einem lachen im gesicht. sollte man ihnen nicht einfach mal die letzte konsequenz vor augen führen, die ihre taten mit sich bringen kann? das das zusammenschlagen eines anderen kindes in den jugendarrest führt? aber führt das nicht zu einer neuen kriminellen generation, die mit 13 schon das statussymbol "ich war im knast" hat. ich hab bei meinen kids gemerkt, das gerade strafe oder sanktionierung deren position stärken kann, nicht immer, nicht bei allen, doch einige sehen es so.
meine frage wäre, wo hat die gesellschaft so versagt, das wir solche kinder "produzieren"?
Wie genau sähe bei euch das neue Strafrecht aus?
Was empfiehlst du, dass man mit strafffälligen Kindern anstellt?
Arbeitest du mit socleh Kindern?
ich vermute mal er spielt auf Kochs Vorschlag an, die Strafmündigkeitsgrenze auf 12 herabzusetzen (Landtagswahlkampf Hessen)...
Also mal ganz davon abgesehen, dass ich die ganze Debatte für hochgradig populistisch halte, denke ich, dass höhere oder frühere Strafen nicht zum Erfolg führen. Gerade bei 12/13-jährigen Kindern, die gerade in die Pubertät kommen und damit verbunden ihre Grenzen ausloten wollen, ist nicht Aufgabe des Staates, sie wegzusperren, sondern Aufgabe der Eltern und der Gesellschaft, ihnen die Regeln aufzuzeigen und dafür zu sorgen, dass sie sich integrieren. Wer auf die jetzigen Strafen pfeift, dem werden auch ein paar Jahre mehr nichts machen, es führt eher noch zu mehr perspektivlosigkeit und "Is doch eh egal"-Haltung.
Es ist schon richtig, nach dem Warum? zu fragen, aber indem man solche Kinder und Jugendlichen einfach wegsperrt, nur damit sie keine Gefahr für die Allgemeinheit mehr darstellen, dann löst man kurzfristig die Auswirkungen von Problemen, die tiefer liegen.
Ich denke mal es hängt damit zusammen, dass viele Kinder a.) keine Zukunftsperspektive haben, nicht wissen was sie mal machen sollen und denen es dementsprechend relativ egal ist, ob sie bestraft werden oder nicht. Das hängt natürlich damit zusammen, dass Hauptschulabschlüsse de facto nichts mehr wert sind, oder das zumindest die allgemein verbreitete Meinung ist... b.) fehlt vielen Kindern einfach auch Zuwendung und Aufmerksamkeit, keiner kümmert sich um sie. Ich habs zB schon öfter erlebt, dass die schlimmsten Krawallmacher auch sehr ruhig werden können, wenn man sich intensiv mit ihnen beschäftigt.
Andererseits muss man dafür sorgen, dass Kinder auch lernen, dass es Gesetze gibt, die für alle gültig sind und nach denen auch sie sich zu richten haben. Da denke ich, muss aber nicht das Gericht einspringen, das kann man auch bei Freizeiten lernen, eben dass es Regeln geben muss, damit ein geordnetes Zusammenleben auch geht, und dass man sich an diese Regeln halten muss. Warnschussarreste ohne pädagogische Begleitung bringen da gar nix...
Allerdings muss ich auch sagen, dass ich mich mit "Extremfällen" (in Großstädten zB) nicht direkt auskenne, bei uns geht es noch recht geordnet zu...
Ach, die Zahlen sprechen für sich: wenn du eine Studie hast die sagt, es sein 20% der Jugendlichen nach dem Gefängnis straffrei, hast du eine sehr positive erwischt. In Wahrheit liegt diese Zahl im einstelligen Bereich.
Es ist das Gegenteil der Fall: wir haben überfüllte Gefängnisse, zu wenig Personal und es ist die Regel, dass Jugendliche aus dem Knast kommen und einige kriminelle Energie dazu gewonnen haben. Die Taten werden nach dem Knast härter und brutaler als zuvor.
Auch sind es nicht Ausländer die diese Taten begehen. Es sind Leute ohne Bildung, ohne intakte Familie oder kurz: deren Zukunft ist schon vorbei, sie haben keine Chance in der Gesellschaft. Und darunter fallen natürlich überproportional viele Migranten. Die fehlende Integrationspolitik ist nicht neu und die Folgen sind schon lange bekannt - waren auch vor einigen Monaten groß in den Medien. Leider haben die Leute ein Gedächnis wie ein Sieb und nun geht wieder ein Aufschrei durch's Land. Hoffe in Hessen holt sich jemand eine richtig heftige Ohrfeige für den Mist den er predigt...
Es gibt nur einen Weg es mit dem "Knüppel" zu lösen: amerikanische Bootcamps zur "Rehabilation". Aber man sollte sich bewusst sein, dass dort der Wille der Jugendlichen gebrochen wird. Nun, wer darauf eine Gesellschaft aufbauen will, der hat das Grundgesetz falsch verstanden.
Ein Hand zu reichen und Hilfe (natürlich mit Auflagen und Sanktionen) anzubieten, ist der richtige Weg. Es kostet Geld ja, aber es rechnet sich langfristig. Dazu gibts nette Rechnungen von staatlichen Stellen - ein langjähriger Schwerkrimineller kostet Unsummen im Laufe seinen Lebens.
zu roland
ich weis ech nicht. würde ich es wissen, wäre ich überflüssig oder nobelpreisträger.
zu volker
ich stimm dir in vielen punkten zu. aber ich zu oft erlebt, das es den eltern gleichgülig ist, was mit ihren kindern passiert. da hast du ein sechs jähriges kind, das auf ein drei jähriges aufpassen soll. wo ist der fehler?? beim staat, denn das jugendamt MUSS sich anmelden. es ist die fehlende handhabe, die die kinder verwarlosen lässt. zum anderen die gekürzten gelder, wir kommen noch gut weg, wir heben drei ALG kräfte, von denen wenigstens zwei kompetezen zeigen. aber die wollen die ausgebildeten honorarkräfte shassen, weil sie zu teuer sind. ergo. die ausbildung und erziehung eines kindes ist keine moral- oder ethikfrage, es ist eine frage der wirtschaftlichkeit. was bleibt ist schadensbegrenzung.
zu chris
bootcamps funktionieren nur in amerika, weil die andere voraussetzungen haben. das einzig, was wir in deutschland produzieren können, sind entweder straftäter mit militärischer ausbildung, oder soziopathen, die den ein scheiss geld für die therapeuten kosten.
wir sollten den bergriff "resozialisirung" mal ernst nehmen und überlegen, wie wir den kids eine zukunft bieten können. bisher sehe ich da keinen handlungsbedarf, ich sehe brachland, das bestellt werden könnte, wenn es jemand wollte. aber alles, was ich sehe, sind flammenwerfer, um die brennessel zu zerstören, die wurzeln bleiben!!!
Bootcamps funktionieren überall - mit Amerika hat das nichts zu tun. Glaub nicht es würde soetwas nicht im deutschsprachigen Raum geben... (Phoenix Doku "Jesus neue Rechte" z.B. oder Scientology) . Menschen kann man überall brechen und dazu muss man nichtmal psychische Gewalt anwenden. Nur haben nicht alle verstanden, dass Druck nicht den Bürger hervorbringt den wir haben wollen. Wir wollen Menschen die sich einmischen, die Selbstvertrauen haben und ihre Ansichten aktiv einbringen. Und genau das Gegenteil erreichen Bootcamps. Eine gesunde Gesellschaft sieht anders aus...und Gott sei dank merken das auch einige die Staaten der USA :)
Man muss auch kein Nobelpreisträger zum Lösungswege aufzuzeigen. Ein simples Durchlesen der Presseerklärungen anerkannter Träger wie dem Kinderschutzbund, der Jugendämter oder Interviews mit bekannten Prof's aus der Richtung Soziales zeigt da eine Menge. Politik funktioniert aber eben nicht so direkt... :)
hi chris
im prinzip geb ich dir recht, theoretisch funktionieren bootcamps überall. warum ich mich amerika beziehe, du sagst es selbst, sie produzieren gebrochene menschen, fast maschinen. meiner meinung genau die menschen, die amerika will. jemand der sich einmisch, selbstbewusstsein hat, fragen stellt und aktiv was tut? das wäre der tod des amerikanischen traums, wie ihn die regierung träumt.
ideen gibt es tatsächlich viele, aber in der offenen jugendarbeitscheitert leider vieles bei der praktischen umsetzung.
Die praktische Umsetzung würde ja auch Geld kosten, das die Politik lieber in andere, "wichtigere" Haushaltspunkte investiert (neue Gefängnisse/geschlossene Heime/..., Diäten, Bürokratie und Verwaltung, Wahlkampf, ...) Aber das ist wohl so schnell leider nicht zu ändern, wenn man nur noch Windbeutel und Dummschwätzer an der Spitze des Staates hat....
Selbstverständlich ist alles eine Frage der Wirtschaftlichkeit, was nicht wirtschaftlich ist, überlebt in unserer Welt nicht lange, unabhängig davon ob es nun ethisch und moralisch richtig oder falsch, gut oder schlecht ist...
Ich stimme dir auch zu, dass der Staat ein Fürsorgepflicht hat, die er wahrnehmen muss, allerdings helfen voreilige Reaktionen mit mehr Bevormundung des einzelnen durch wegen einiger zugegeben schockierender und trauriger Vorfälle (getötete Kinder...), die die Politiker auch noch für ihre populistischen Aktionen ausnutzen, hilft nichts. Dazu muss man sich mal länger Gedanken machen und anständige Konzepte entwerfen. Anstatt vielen Eltern die Kinder vorzeitig zu entreißen, könnte der Staat auch auf Elternschulungen setzen, aber da sind wir wieder beim Thema Wirtschaftlichkeit und Aufwand...
In Ergänzung zu dem bisher Gesagten hier eine Materialsammlung zum Thema Verschärfung des Jugendstrafrechts. Die Sammlung ist eigentlich als Quelle für Deutsch-Erörterungen in der Schule gedacht, ist aber auch sonst interessant.
@ volker: nein, es sind nicht nur Windbeutel da oben! Ich dachte das auch mal, aber die guten Leute schreien eben nicht laut - sie arbeiten. Und die Erfolge die sie erziehlen kommen nicht in der Tagesschau, aber sie sind da...
Wichtig ist es, dass der Bürger sich einmischt, zur Wahl geht und artikuliert was er will. Bei Wahlbeteiligungen um die 40%, muss sich niemand wundern, wenn Menschen an die Macht kommen, die Minderheitenmeinungen vertreten. Aber sag das mal den Nichtwählern...
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