Frühaufstehergottesdienst im Advent: Thema: Wüste
von meinolfengel (11.01.08 20:01:23)[Dies ist der zweite Gottesdienst unserer Reihe: Wir wandern auf Weihnachten zu]
Lied: Dass du mich einstimmen lässt
Begrüßung und Eröffnung
Einführung
Heute morgen möchten wir Sie einladen mit uns gemeinsam über das Symbol "Wüste" nachzudenken. Wenn wir von der Wüste als einem Symbol unseres Lebens und Glaubens sprechen, so reden wir in einem Bild, das für die meisten von uns im Unterschied zu anderen Symbolen nicht direkt erfahrbar ist. Die Wüste kennen viele von uns nur vom Hörensagen oder aus Filmen, Bücher oder von Bildern.
Wenn wir das Wort Wüste hören, hat jeder ein eigenes Bild davon vor Augen: etwa ein Sandmeer, kahle Felsen, Trockenheit, Oasen mit blühenden Palmen und frischem Wasser, Kamele, viellecht auch glühende Sonne und darin bleichende Knochen.
WEnn wir von unserem äußeren Bild übergehen zu den Empfindungen, die uns spontan einfallen, wenn wir an Wüste denken, dann fällt auf, dass das Symbol "Wüste" zunächst auf der negativen Seite unsere Gefühle zu liegen scheint. Leere, Einsamkeit, Eintönigkeit und Langeweile, Durst, Dürre und Trockenheit, Hitz, eine scheinbar unerträgliche Stille werden als lebensbedrohlich angesehen.
Und in der Tat: In der Wüste lauert überall der Tod. Die Wüste wird als lebensfeindlich udn beängstigend erfahren. Und so werde auch zunächst die negativen Lebenserfahrungen und Stimmungen als Wüsten in unserem Leben benannt.
Die Wüste kann aber trotz alledem ein Bild für das Leben sein, das sich gegen alle Bedrohungen durchsetzt: Die Wüste lebt. Das Leben siegt auch hier - das zeien zeitweise blühende Wüsten. Tiere, die sich dem Dasein in der Wüste angepasst haben und Pflanzen, die schon bei geringen Mengen an Feuchtigkeit zum Leben erwachen. Freiheit, Weite und Unbegrenztheit sind Begriffe, die die Wüste in einem positiven Licht erscheinen lassen.
Positiv haben sich in unseren Erinnerungen auch die Oasen eingeprägt, in denen es nach Zeiten der Entbehrung und der Gefahr verdiente Erfrischungen und Erholung gibt. Auch die scheinbar negativen Erfahrungen der Einsamkeit und Stille, der Entbehrung und der Bedrohung dienen letztlich dem Leben.
Diese Gedanken möchten wir gleich in einem Rollenspiel vertiefen. Zuvor möchten wir aber mit Ihnen die ersten beiden Strophen des Liedes "Suchen und Fragen" singen.
Lied: Suchen und fragen
Rollenspiel:
Ata, Bata, Cata und Data treffen zusammen, wandern - ausgestattet mit Wanderkarte und Kompass - zusammen los.
Ata (nach einer Weile des Umherlaufens): Ich glaube, wir haben uns verirrt. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass wir dahinten an der Wegkreuzung hätten geradeaus weitergehene müssen, anstatt nach rechts abzubiegen.
Bata: Ja, ich glaube, du hast Recht. Hier ist ja alles voller Sand. Ich komme mir schon vor wie in der Wüste.
Cata: Ihr seid mir ja Helden. Jetzt haben wir uns trotz Wanderkarte und Kompass verirrt.
Data: Ja, aber so eine Wüste birgt doch ganz neue Erfahrungswerte.
Cata: Wahnsinnig tolle Erfahrungswerte: Hat mal jemand etwas zu trinken, bevor ich ganz austrockne?
Data: Qautsch, ich meine das doch ganz anders. Ich rede doch von der Wüste als Symbol unseres Lebens und Glaubens.
Bata: Hmmmmmm, Glaube verstehe ich ja. Aber was hat die Wüste mit dem Leben zu tun? In der Wüste gibt es doch nichts außer Sand, Sand und nochmal Sand.
Ata: Das ist doch total einfach. Zum einen gibt es doch auch in der Wüste Leben, das sich den Verhältnissen angepasst hat. Und zum anderen kann unser Leben selbst zur Wüste werden. Wenn alles um uns und in uns durcheinander fällt, dann fühlen wir uns leer und ausgebrannt. Wir fühlen uns wie in der Wüste und gerade diese trostlose Sandlandschaft kann dann für uns zur Lebensquelle werden. Dadurch, dass die Wüste ein Ort der Ruhe und Stille ist, kann sie uns abschirmen vom Alltag und von allem, was uns ausbrennt und in die Irre führen kann.
Cata: Ja genau! Und wenn man endlich frei ist von allem, was einen in die Irre führen kann, ist man auch schon tot.
Data: Mensch, du bist und bleibst ein ewiger Pessimist. Die Wüste birgt wirklich Möglichkeiten: was ist mit der Freiheit, der Weite und der Unbegrenztheit. Nomaden leben und überleben ja auch in der Wüste.
Ata: Ja, oder nimm doch mal die Bibel zur Hand. Auch da kannst du von Menschen lesen, die Wüstenerfahrungen als etwas Positives erlebt haben. Johannes z.B. liebte die Einsamkeit der Wüste, um sich auf seine Botschaft vorzubereiten. Nur in der Wüste konnte er in sich selbst hinein hören und sensibel werden für Fehlverhalten und Irritationen. Die Wüste verwandelt sich für Johannes in eine große Oase, die die Wurzeln seines Lebens tränkt und Kraft gibt für neue Erfahrungen. So wurde Johannes zum Rufer in der Wüste, der die Menschen aufrütteln wollte, damit sie zu einer neuen Lebensweise finden.
Cata: Kann mal jemanden diesen Bibelfritzen abstellen? Anstatt stundenlang die Bibel zu studieren, hättest du lieber mal üben sollen, eine Karte zu lesen.
Data: wenn dir die Bibel nicht passt, kannst du ja auf die Bücher von Antoine de Saint-Exupery oder von Charles de Foucauld zurückgreifen. Durch ganz persönliche Wüstenerfahrungen lassen die beiden die Wüste in der heutigen Zeit wieder aufleben.
Cata: Ja, ja, redet ihr nur. Aber keiner kann leugnen, das die Wüste unzählige Gefahren in sich birgt: Wind, Sturm, Sandhosen, Hitze und Kälte und riesige, unüberwindbare Sandhügel... (Cata wendet sich ab.)
Bata: Du bist echt super negativ. Dabei haben wir bisher einen Aspekt völlig außer Acht gelassen: nur wer die Wüste durchlebt hat, kann die Oase wirklich als Lebensquelle erfahren. Die Oase ist das Gegenstück zur Wüstenlandschaft. Sie ist Sinnbild für plötzliches und überraschendes Blühen in einer ausgetrockneten und trostlosen Umgebung.
Ata: Stimmt genau: Wüste und Oase, beides Bilder für das Leben: Härte und Schönheit, Angespanntheit und Erholung, Ein- und Ausatmen, Sich-zurückziehen und In-Gesellschaft.sein, Einsamkeit und Gemeinschaft. Die Wüste macht das Leben oft schwer oder unmöglich, aber sie macht auch bereit, das Leben zu schätzen. Die Wüste ist Durchgang und Erwartung, die Oase hingegen Verwirklichung und Erfüllung.
Bata: Oder anders ausgedrückt: Oasen sind Orte des Glücks, der Genesung und der Vollkommenheit. In jedem von uns steckt die Sehnsucht nach solcher Erfüllung. Oft gleicht unser Leben aber mehr der Wüste und Trockenheit. Oasen sind wie ein Stück vom Paradies, auch wenn die Wüste noch nicht überwunden ist. So wird die Oase zum Zeichen der Sehnsucht und der Hoffnung - auch und vor allem im Advent.
Lied: Ein Mensch, mit dem ich rede
Besinnung:
Keinem wird der Weg durch die Wüste erspart. Jeder muss bereit sein, sich in seiner Wüste aufzuhalten. --- --- --- Wir möchten Sie nun einladen, in einer Phase der Stille über die eigenen Wüsten nachzudenken. Was sind meine eigenen Wüsten? Einsamkeit? Erfolglosigkeit?
Als Zeichen unserer eigenen Wüsten laden wir Sie ein, die orangefarbenen Fußspuren auf den Weg in die Wüste zu lesen.
STILLE
Gerade in schweren Zeiten, in Phasen der Wüstenerfahrungen, kann der Glaube uns eine Stütze sein. Daher dürfen wir voll Vertrauen beten:
VATER UNSER
Der Glaube kann uns Wege aus der Wüste zeigen. Wir laden Sie nun ein, die grünen Fußspuren auf den Weg zu legen, der aus der Wüste herausführt.
Lied: Du bist das Licht der Welt
Meditation
Die Wüste, ein Ort, der weit weg, in Afrika, zu finden ist.
Die Wüste, ein Ort, der nicht nur dort existiert.
Die Wüste, ein Ort, den jeder erleben kann.
Die Wüste, ein Ort, der zur Entscheidung herausfordert.
Die Wüste, ein Risiko und zugleich Chance.
Wer sie betritt,
wer sich in sich selbst erlebt,
wer ganz auf sich gestellt,
wer nur auf sich angewiesen,
wer ohne andere,
sie einfach an sich geschehen lässt,
der kann etwas erleben,
der lässt sich auf ein Abenteuer ein.
Ihm kann es geschehen,
dass vieles in ihm aufsteigt,
dass Vergangenes wach wird,
dass Abgründe sichtbar werden, die sonst gut versteckt sind,
dass er über sich selbst erschrickt,
dass er Bilder begegnet, die ihm fremd sind,
dass Fragen aufkommen, die das Leben in Frage stellen,
dass er die Orientierung verliert,
dass die Wüste für ihn zum Albtraum wird.
Die Wüste - ein lebensfeindlicher Ort.
Die Wüste - ein Ort der Angst.
Die Wüste - ein Risiko.
Ihm kann es aber auch geschehen,
dass er neu entdeckt, was wirklich wichtig und was überflüssig ist;
dass sein Leben eine neue Orientierung findet,
dass er neue Wege und Ziele entdeckt,
dass er Kraft und Energie schöpft,
dass er die Dankbarkeit wiederfindet,
dass er sich auf seine Wurzeln besinnt,
dass die Wüste für ihn zur Quelle wird.
Die Wüste - ein lebenswerter Ort.
Die Wüste - eine Chance.
Wer die Wüste betritt,
der kann etwas erleben.
Es braucht Mut dazu,
eien Wüstenzeit zu suchen.
Wer die Wüste betritt,
der kann hoffen,
dass er sie durchsteht
und dass sie eine Oase wird.
Lied: Spuren im Sand
Gebet
Gott, vor uns öffnet sich die Wüste eines neuen Tages. Keiner von uns weiß genau, was er bringen wird. Auf uns warten Menschen und Aufgaben. Lass uns heute wie eine Oase sein, damit wir merken, wer unsere Zuwendung braucht und hilf uns, Wege zu uns selbst und zum Herzen der Menschen zu finden. Amen.
Segenslied: Gottes guter Segen
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