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Diskussionsplatz - pädagogische Fragen - "spezielle" Kinder

Was tun bei Mobbing?

von sarah83 (29.08.07 16:27:34)

Hallo!

Bei uns ist auf einer Freizeit ist das Problem aufgetreten, dass ein Mädchen (14) von den anderen TN gemobbt wurde. Sie kam damit erst recht spät zu uns, wir hatten sie schon öfter angesprochen, was mit ihr los sei, auf jeden Fall erzählte sie uns das ziemlich spät, bzw. sagte, dass sie heim wolle und hat dann auf unsere Fragen schließlich alles erzählt.Wie sollte man sich in so einem Fall verhalten? Das Mädchen heimlassen? Die Täter bestrafen? Wenn ja, wie?

Freue mich auf eure Antworten
Kommentar von mehlersoft (29.08.07 16:47:04)

Lieber Autor bitte geh hin und anonymisiere alle deine Beiträge in diesem Artikel, damit kein Rückschluss auf den Autor, das Lager und vor allem die betreffenden Kinder zulässt.

Zu deiner Frage: Umgang mit Mobbing

Der richtige Umgang mit Mobbing ist sehr schwer, denn nach neusten Forschungsergebnissen ist es so, dass der bzw. die gemobbte gar nichts dafür kann, also den anderen dafür keinen direkten Grund liefert. Es ist meist eher eine Art der Erhöhung von sich selbst und Erniedrigung des Opfers von Seiten des Mobbers. Das einzige, was dabei hilft, ist intensive Gespräche mit den Mobbern zu führen, um diesen die Unsinnigkeit der eigenen Handlungen klarzumachen und vor allem, was sie gemacht haben und wie sie sich selbst dabei fühlen würden.

Das Mädchen heimlassen: Wenn die Situation schon zu weit fortgestritten ist: JA!

Den Täter bzw. die Täter bestrafen: Ja und zwar jedes Mal und jedes Mal auch darüber reden (beachte: Strafe sollte mit Tat zu tun haben, deswegen gibt es keine allgemeine Aussage zu dem "Wie")

Und im Zweifellsfall eher den Täter heimschicken ... wenn für euch die Situation ausweglos wird.

Kommentar von Tobias (29.08.07 16:48:26)

Diese Frage ist schwierig zu beantworten, weil man die Situation nicht ganz genau kennt!Zuerst einmal kannst du das Mädchen wenn auf jeden Fall heim will nicht halten, ganz egal was du machst, die einzige Chance die du hast falls das möglich ist, dass Mädchen in ein anderes Zimmer / zelt zu legen. Das musst du aber vorher mit dem Zimmer in das das Mädchen soll besprechen. Oft ist das eine ganz gute Lösung!Täterbestrafung?!? Das alt bekannte Thema bestrafen. Ist es unbedingt notwendig immer zu bestrafen. Ich denke man muss auf jeden Fall mit den TN reden! Kinder und Jugendlichen muss gesagt werden wenn sie etwas falsch machen und Sie darauf hinweisen, vielleicht gibt es dafür ja einen Grund? Ich selbst habe gute Erfahrungen damit gemacht wenn der oder die Lagerleitung mit dem Entsprechendem Zelt / Zimmerbetreuer in das Zelt / Zimmer geht und das Thema offen anspricht, hierbei soll aber kein einzelner verurteilt werden und man sollte versuchen was die Gründe für das Mobbing waren? Wenn dann noch unbedingt eine Strafe sein muss sollte das natürlich i Zusammenhang stehen eine Möglichkeit wäre sich um anderer Kinder kümmern z.B. um Jüngere oder am letzten Abend für die ganze Gruppe eineinen Nachtisch machen. Kommt meistens gut an( ist auch was für andere mchen).

Ich hoffe ich konnte dir helfen.

Vielleichst kannst du ja auch schreiben was Ihr gemacht habt!

Kommentar von sarah83 (29.08.07 16:59:39)

Wir haben eben versucht, das Mädchen durch Verlegung in ein anderes Zimmer erst mal von den "Tätern" zu trennen. Außerdem haben wir verstärkt auf die Signale (Verhalten, Körpersprache,...) des Mädchens geachtet. Es war ja auch "nur" noch eine Woche. Im Nachhinein haben wir uns aber gedacht, dass dieses "Ich will heim!" nur ein Vorwand war um mit uns über das Mobbing ins Gespräch zu kommen (was ja an sich nicht schlecht ist). Das Mädchen wollte auch nicht, dass wir seine Eltern über die Vorfälle informieren. Wir haben das nicht gemacht, aber haben jetzt Zweifel bekommen, ob das so richtig war.

Meint ihr, dass man bei sowas die Eltern informieren soll? Ist das Mädchen mit 14 schon alt genug um das zu entscheiden?
Kommentar von mehlersoft (29.08.07 17:15:06)

Dazu muss ich dir die salmonische Antwort "Ja und Nein" geben. Die Entscheidung wäre bei mir nicht so sehr von dem Alter des Kindes, sondern eher von dem Beziehungsstatus der Mobber zu ihr ausgehend. Wenn diese in die selbe Klasse, auf die selbe Schule oder aus dem selben Ort kommen, dann hätte ich es auf jeden Fall den Eltern gesagt. Denn mit dem durch das Mobbing erzeugte Wirwar sowohl in seelischer als auch in körperlicher Hinsicht kann meines Erachtens nach kaum jemand richtig umgehen (bezieht sich auch auf Erwachsene). Und nur so kann man das Mädchen "schützen".

Sollte diese oben angesprochene Nähe nicht vorhanden sein, so würde ich Rücksicht auf die Ansicht des Mädchens nehmen. Ein weiteres Problem dabei ist jedoch häufig auch noch: Wie fassen Eltern auf, dass ihr Kind gemobbt wurde? Selbst bei Hänseleien habe ich schon Reaktionen von "Na, selbst Schuld" bis hin zu "Und das nächste Mal schlägste ihm dafür eine rein" gehört - wie soll sich das dann erst bei Mobbing anhören? Ich denke daher, dass auch viele Eltern nicht wissen, wie sie richtig mit dem Thema umgehen sollen bzw. können.

Aber diese Aufklärungsarbeit ist nicht euer Gebiet. Viel wichtiger fände ich, dass ihr euch bei den Mobbern in eurer Mitgliederverwaltung einen Hinweis setzt, dass diese dies gemacht haben. Denn selbst wenn das Mädchen bei der nächsten Aktion nicht dabei ist ... ohne viele Gespräche werden sie ein neues Opfer finden. 

 

Kommentar von sarah83 (29.08.07 17:46:01)

Danke Christian für deine Antwort. Die Mobber kamen nicht aus dem gleichen Ort oder Nähe wie ihr Opfer.

 

Jetzt noch mal ne Frage interessehalber: Ist bei einem von euch sowas auch schon Mal auf einer Freizeit vorgekommen? Falls ja, wie habt ihr euch verhalten???

Kommentar von mehlersoft (29.08.07 18:15:41)

Hänseleien und kleine Streiterein kamen bei uns natürlich schon häufiger vor. Echtes Mobbing, also dass sich eine Gruppe auf eine Person konzentriert, gott-sei-dank bisher nicht.
Kommentar von rolimo (29.08.07 19:04:28)

Etwas allgemeines, was wir Leiter in unserem Lager machen und sich Spannungen im Zelt/Zimmer schnell zeigen ist:

15 Minuten vor der Nachtruhe müssen alle in Schlafsack/Bett liegen, dann kommt in jedes Zelt/Zimmer ein Leiter und spricht eine Viertelstunde mit den Kindern. Einerseits fragen wir, wie der Tag war (was war gut und was hat ihnen nicht gefallen) und andererseits können sie noch erzählen, was sie beschäftigt. Dabei merkt man meistens gut, wie das Verhältnis der Kinder im Zimmer ist. Bei uns ist jeden Abend ein anderer Leiter in einem anderen Zimmer.

 

klar gibt es Sticheleien und ähnliches. Dann wechseln wir Zimmer, aber man sollte auch darauf achten, dass nicht jedes Kind, dass sich nicht zu 100% wohl fühlt, das Zelt wechselt, sonst hat man ein riesiges Chaos... und oft hilft nur schon auch ein Gespräch.

Kommentar von PiaAlken (29.08.07 20:13:34)

Wir hatten mal auf einer 3-tägigen Wochenendfreizeit mit Konfirmanden ( also eine Gruppe die sich schon knapp 1,5 Jahre kannte) einen extremen Fall von Mobbing der mit einem Nervenzusammenbruch geendet ist..hoffe das klingt nicht zu polemisch, aber die junge Dame ist vor der ganzen Gruppe ins Heulen ausgebrochen und hat sich erst nach drei Stunden wieder beruhigt und auch nicht wieder re-integrieren lassen und ist nach Hause gefahren. Das Wochenende war quasi der Gipfel der Mobbingatacken und durch wenige Rückzugsmöglichkeiten, ist es halt so dramatisch geendet.

 Wie wir in dem Fall gehandelt haben. Wir haben die betreffenden Knilche zum Gespräch gebetn , bei dem alle Leiter und Helfer anwesend waren, und haben offen agesprochen, was passiert ist, was wir davon halten und was sie für Lösungsvorschläge hätten. Auf ein "war doch alles nur spass" und " die soll sich mal nicht so anstellen, sie ist ja wirklich ne fette hässliche sau" bin ich böse geworden und habe die agressiv-autoritäre raushängen lassen und bin ganz untypisch für mich laut geworden.

Dann gab es ein Rollenspiel für die ganze Gruppe, bei dem die "Täter" von allen anderen zu ihren Verhalten und allgemein beschimpft und gemobbt wurden. Am Anfang haben sie noch gelacht, aber als wir ein erkennen ihres eigenen Verhaltens in ihren Gesichtern gesehen haben, haben wir es beendet und drüber geredet. Zum Abreagieren wurde dann eine Kissenschlacht gemacht.

 Zu guter letzt haben die Mobber noch einen allgemein nützigen Dienst aufgebrummt bekommen, nämlich statt des gemeinsamen Tisch abräumens mussten sie es die letzten beiden Abende machen.

Der Rest der Freizeit war richtig harmonisch danach.... konstruktiv in den Arbeitsergebnissen und die TN zuvorkommen, offen und freundlichmiteinander.

 Also der Gruppendynamik hat es nicht geschadet und das Opfer ist in eine andere Unterrichtsgruppe gewechselt, in der auch Schulfreundinnen waren.

Kommentar von sarah83 (29.08.07 21:49:42)

@Roland: Meinst du, dass Kinder in so einem Fall (Mobber im gleichen Zimmer) irgendetwas über Vorfälle erzählen würde?

@Pia: Was waren das für Vorfälle? Physisch oder psychisch?

 

Kommentar von rolimo (29.08.07 21:53:51)

@Sarah

nein Natürlich nicht, aber du du achtest automatisch darauf, wie die Kinder erzählen. Sind sie glücklich? Dürfen alle was sagen oder diktiert jemand was geschieht... Das kommt ganz unbewusst von den Kindern zu dir.

Kommentar von sarah83 (29.08.07 22:31:22)

Aber ich denke, dass gerade diese Differenzierung glücklich/unglücklich gerade bei so einem Gespräch mit den extrem ruhigen Kids sowas eher schwerer zu sehen ist?

Kommentar von mehlersoft (29.08.07 23:37:09)

Ich denke ich muss Sarah zustimmen, dass bei sehr ruhigen oder auch schüchternen Kindern in einem Gruppengespräch das Problem des Kindes wohl nicht zur Sprache kommt. Aber häufig sieht man dies dann auch an anderen Stellen: Versucht sich das Kind von bestimmten anderen fernzuhalten oder gar aus der ganzen Gruppe zurückzuziehen. Und spätestens dann, aber auch wenn Kinder abends fast nichts erzählen, kann man mit diesen im Laufe des nächsten Tages bestimmt ein einzelnes Gespräch führen, indem man das Kind ohne andere nochmals die selben Fragen stellt.

Ohne Pia etwas vorwerfen zu wollen, aber man kann doch einiges machen, bevor der bzw. die Gemobbte "zusammenbrechen". Das Problem ist dabei manchmal leider das richtige Erkennen: Ist das für alle nur Spaß ... oder steckt da mehr dahinter? Eure Reaktion war auf jeden Fall richtig und auch notwendig. Ob allerdings die "Hau-Drauf"-Methode (also das "Durchleben" der Sachen, die man anderen zugetan hat) immer die Richtige ist, wage ich zu bezweifeln. Bei diesen Tätern scheint es so richtig und passend gewesen sein, aber man muss da auch aufpassen es nicht zu übertreiben.

Kommentar von PiaAlken (30.08.07 08:08:48)

@ Sarah sowohl als auch, wobei es sich bei den tätlichen Angriffen um spucken handelte. Das ist in meinem Augen aber schon das allerletzte, wenn man sich mal klar macht, was das psychisch bedeutet. 

Kommentar von sarah83 (30.08.07 14:18:01)

Mal noch etwas anderes: Habt ihr nach der Freizeit die Eltern der/ des Mobbers informiert? Weil meistens haben diese Kinder ja laut den aktuellen Studien selber Probleme...

Sollte man die Eltern über das bedenkliche Verhalten ihres Kindes informieren

Kommentar von PiaAlken (30.08.07 15:55:32)

Also...verteidigen werde ich mich nicht, aber meinen Beitrag noch ergänzen. Zum einen war ich ja nicht die einzige Person in der Leitung, zum anderen liegt der ganze Fall 5 oder 6 Jahre zurück und inzwischen würde ich auch einiges anders machen. Ich habe ein extremes Fallbeipsiel genannt, das Gruppe wie Leitung in besonderem Maß gefordert hat.

Der Druck aufs Opfer hat sich wie schon erwähnt über 1,5 jahre aufgebaut und da ich die Kids nur an dem Wochenende kennengelernt habe, kann ich nicht abschätzen, was zu den Dingen, die an demWochenende passiert sind noch zu gekommen sind..Kinder sind grausam, besonders untereinander und ohne Beobachtung, das weiß wahrscheinlich jeder.

Die besodnere nervliche Belastung des angegriffenen Mädchen will ich auch in keine Relation zu meiner Belastbarkeit oder der anderer Personen  stellen.

 Die Eltern der Täter wurden danach informiert und mit zweien ein gesondertes Gespräch geführt. Das die Knilche eigene Probleme kompensieren, war uns schon während der Freizeit klar, sie waren auch vorher schon laut der Aussage des Pfarrers auffällig. 

Und die Methode Rollenspiel find ich persönlich nie schlecht, um Leuten, groß wie klein, besondere Situationen zu veranschaulichen. 

Kommentar von sarah83 (30.08.07 21:54:47)

Wir waren uns nicht sicher ob wir die Eltern informieren sollten, da die Kids nach dem ernsten Gespräch mit uns auch aufgehört haben. Und die Probleme von ihnen können  ja auch mit der Familie zusammenhängen???

Kommentar von Maerlin (02.09.07 14:34:45)

Ich möchte noch einen Aspekt anfügen, der m.E. bislang zu kurz gekommen ist: Die „bösen“ Täter und das „unschuldige“ Opfer.

Nicht alle Kinder, die sich plötzlich in der Opferrolle wiederfinden, haben diese ohne ihr eigenes Zutun bekommen. (Ich meine dies ausdrücklich nicht im Sinne von „selber schuld“!) Manchmal haben sie Eigenarten, etwa ihr Aussehen (zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein, zu unsportlich), einen anderen Dialekt oder Akzent, oder eine irgendwie „nervige“ Art, die in der übrigen Gruppe nicht ankommt. Also eher eine Frage der Chemie in der Gruppe und wie die Opferperson da hinein passt.

Das soll die Täter in keinem Fall entschuldigen, sondern die zum Umgang mit dem Fall vielleicht hilfreiche Frage stellen: Was strahlt das Opfer aus, dass es nun ein Opfer geworden ist? Was kann diese Person von sich aus tun, dass dies nicht noch mal passiert? Hier können die Leiter einiges tun, um dem betroffenen Kind vielleicht einige Fingerzeige zu geben, eigenes Verhalten umzustellen.

Ein Beispiel dazu: Während eines mehrwöchigen Klassenprojektes (6. Klasse Hauptschule) wurde ein Junge von den Mitschülern massiv ausgegrenzt. Niemand wollte neben ihm sitzen, bei Spielen ihn nicht anfassen usw. Der Junge reagierte darauf mit verstärkten Aggressionen und Stören. Aber vielleicht war es auch anders herum: Der Junge störte und war aggressiv, worauf die Klasse ihn ausgrenzte?

Darauf haben wir mit der ganzen Klasse ein Experiment gemacht, indem wir uns von allen Schülern einen Rat holen wollten. Angeblich gäbe es in einer anderen von uns betreuten Projektklasse einen Fall von Mobbing, und wir Projektbetreuer wüssten nun nicht, was wir tun sollten. Wir schilderten unser angebliches Problem anonymisiert genau so, wie es sich in der Klasse selbst stellte. Die Kinder haben uns darauf hin empfohlen, Regeln mit der Klasse zu vereinbaren, die sowohl den betreffenden Jungen als auch die Mitschüler betrafen. Der Junge selbst steuerte dazu auch einige gute Ideen bei.

Irgendwann haben sie dann natürlich den Braten gerochen, dass die Diskussion mal wieder so ein Pädagogentrick war und sie eigentlich selbst gemeint waren. Wir gaben das zu und redeten nun offen über das Klima in der Klasse, wie wir es erlebten. Die Klasse und der betroffene Junge akzeptierten daraufhin die Regeln, die sie uns vorher für die Fiktivklasse gegeben hatten.

Dass nun in der nächsten Projektstunde ein Wunder geschehen wäre und sich alle plötzlich nur noch lieb hatten, kann ich nicht sagen. Doch spürbar war, dass alle auf einmal viel behutsamer miteinander umgingen und das Klima sich merklich entspannte. Der Junge avancierte nicht auf einmal zum Klassenstar, doch Ausgrenzungen war er nicht mehr ausgesetzt. Er verhielt sich auch anders als vorher, attackierte seine Mitschüler nicht mehr und nahm aufmerksam am Projekt teil.

Kommentar von sarah83 (06.09.07 12:14:27)

Soweit so gut, wenns am Verhalten liegt. Aber was tun, wenn das Kind (wie oben beschrieben) einfach unsportlich ist oder einen Akzent hat?
Kommentar von mehlersoft (06.09.07 13:27:14)

Wie oben auch schon gesagt: Auch wenn man sich das Opfer anschaut und dort "Fehler" findet. Dies kann trotzdem nicht als Rechtfertigung des Verhaltens der Täter angesehen werden. Denn diese verfolgen dabei ganz egoistische Ziele: sich selbst erhöhen! Und darum geht es eben.
Kommentar von Unbekannt (16.11.07 15:45:01)
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Also wir gehen an Mobbing immer mit einer ganz anderen Strategie heran. Wir wissen natürlich, dass Mobbing auch zu gewissen Teilen auf der sozialen Hierarchie der Menschen (und damit auch Kinder) beruht. Das "Runtermachen" von anderen Menschen, verschafft mir einen höheren Rang, ich etabliere ich mich oben und das Opfer fällt steil die Leiter bergab. Wundert mich, dass wissenschaftliche Studien sowas erst jetzt herausgefunden haben. Soweit ich weiß steht es nämlich schon seit Jahren in Lehrbüchern von Sozialpädagogen. Wie auch immer...

Setzt man an diesem Punkt an, gibt es als Leiter/Chef natürlich einige Möglichkeiten dem gezielt entgegen zu wirken. Und was liegt näher als den sozialen Rang des Opfers zu heben? Als Leiter geht das relativ einfach: die Leiter haben etwas zu sagen und stehen oben auf der Hierarchie. Ergo hat mein Wort auch mehr Gewicht als das der Täter. Stelle ich mich auf die Seite des Opfers, wird es für die Täter nahezu unmöglich diese direkt anzugehen - zumindest nicht, wenn ich in der Nähe bin. Die Gruppe wird entsprechend auch mehr auf die Seite des Opfers gezogen und der Einfluss der Täter schwindet. Das setzt aber natürlich ein funktionierendes Leiter-Teilnehmer-Verhältnis voraus. Akzeptieren mich die Kinder nicht (habe ich keine Autorität), stehe ich auch nicht oben in der Hierarchie.

Wir wenden aufgrund dieser Folgerungen einige Methoden an:

1.) Nehme ich das Mobbing als "Augenzeuge" wahr, stelle ich mich auf die Seite des Opfers und schieße immer einen Tick schärfer (keinesfalls auf die humorvolle Art!!) zurück als der/die Täter. Beispiel: "Ich will den nicht anfassen, der stinkt." und man erwidert "Wenn ich wie du meine Unterhosen schon den dritten Tag hintereinander anhätte, würde ich da ganz ruhig sein, Klaus."

Diese Sprüche dürfen auch ruhig etwas härter sein - je nach Mobbingstärke des Täters eben. Wichtig dabei ist, dass eure Botschaft herüberkommt: "Wir dulden dein Verhalten auf keinen Fall! Mobbst du, werden wir zurückschießen."

In Extremfällen wie Anspucken, gilt die Null-Toleranz-Pädagogik. Man setzt eine ernste Miene auf geht auf den/die Täter zu und gibt eine Anweisung wie "Ins Zimmer. Sofort!". Wichtig dabei ist, keine Diskussionen (!!) und die Aussage auf JEDEN FALL durchsetzen. Lasst euch nicht daruf ein irgendetwas zu dem "Warum" zu sagen. Die Täter wissen sehr genau warum und die harte Gangart hat - gerade wenn die Kinder euch mögen - eine "nette" Nebenwirkung: die Täter sind nun im Zimmer und werden erstmal eine Zeit lang schmorren gelassen (Stichwort Verhaltenssicherheit). Die Unsicherheit wächst und wenn dann das gesamte Betreuerteam anrückt (je nach Möglichkeit eben - aber auf jeden Fall überdurchschnittliche physische Präsenz zeigen!) um das Gespräch zu führen, zeigt dies nochmal die Ernsthaftigkeit des Themas und euren Standpunkt unmissverständlich auf. Dann gehts in hartem Ton um die Auswirkungen und es wird eine Strafe verhängt. Darüber ist ja oben schon geschrieben worden.

Danach erstmal wieder normal zu den Tätern sein. Die Missetäter haben jetzt einen Vertrauensvorschluss. Wird er missbraucht, ergreift man weitere, härtere Maßnahmen (je nach Situation eben - da lässt sich pauschal nichts dazu sagen).  Es kam bei uns nach unserem klaren Auftreten schon öfters vor, dass die Kids sich selbst entschuldigt haben.

2.) Zusätzlich ist der Punkt "Stärken des Selbstvertrauens des Opfers" sehr wichtig. Gezielt bei einigen Aktionen die Täter links liegen lassen und das Opfer in die Gruppe einbinden. Z.B. beim Essenstisch darf das Opfer neben den (Lieblings-)Betreuer und die Täter müssen sich einen anderen Platz suchen. Beim Basteln hilft das Opfer die Materialien zu holen und darf mit zwei, drei Unbeteiligten ins - für den Rest verbotenen - Betreuerraum. Es gibt viele Möglichkeiten...

Wichtig ist, dass ihr das Opfer nicht direkt bevorzugt. D.h. in der Praxis immer auch ein paar Unbeteiligte einbinden und Kontakte des Opfers mit der Gruppe stärken. Durch Teamspiele oder Teamaktivitäten wie Stadtralley geht sowas wunderbar. Damit wird es den Tätern schwerer gemacht gegen das Opfer vorzugehen.

Vergesst nie einen Blick auf die Täter zu haben, die dürfen nicht selbst zum Aussenseiter werden. Also immer auch noch etwas Kontakt mit ihnen halten und keinesfalls ignorieren. Wir wollen ja ein Gleichgewicht erreichen und nicht die gesamte Gruppe spalten...

 

Soweit von mir. Wir wenden diese Strategien immer an und normalerweise reicht sogar Punkt 1 alleine um Mobbing zu verhindern. Allerdings sollte man sich bei den Dingen, die ich geschrieben haben schon etwas in den Gruppenphasen und Pädagogik allgemein auskennen. Anfängern würde ich empfehlen die "Standard"-Programme zu fahren. Ist anstrengender und gelingt sicher nicht immer, aber besser als richtig ins Klo zu greifen und am Ende gar die Täter gegen sich selbst aufzubringen (was passieren kann ohne Erfahrung - geb ich zu).

Und immer schön differenzieren: nicht jede Hänselei ist Mobbing. "Was sich liebt, das neckt sich" - entsprechend beobachten und Mobbing sicher erkennen.




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