Nachwuchsprobleme
von Clarissa (10.07.07 20:15:16)Hallo zusammen,
wir sind eine Gruppe des Jugendrotkreuzes und wir haben enorme Schwierigkeiten mit Nachwuchs. Es gibt also in unserem Kreis eine richtig funktionierende Ortsgruppe und drei oder vier, die entweder im entstehen sein sollen oder von denen man nie was hört.
Als Gruppenleiter haben wir ein paar junge Leute, die nie Zeit haben oder auch sonst viele Ausreden (so kommt es mir jedenfalls vor).
Nun ist es aber so, daß wir gerne viele neue Gruppen eröffnen oder wiederbeleben wollen. Dazu braucht es halt Kinder und auch Gruppenleiter.
Da ich noch relativ neu in diesem "Geschäft" bin, wollte ich mal bei den alten Hasen nachfragen, ob die vielleicht einen Tipp für uns haben....!
Über interessante Antworten bedanke ich mich schon jetzt!!!
Danke
Clarissa
es gibt eine ganz wichtige Sache und dass sind motivierte Gruppenleiter, ohne die geht es definitiv nicht!! Wenn Ihr ein paar Gruppenleiter seid dann überlegt Euch was Ihr in Zukunft machen wollt! Es ist kaum zu schaffen etwas alleine auf die Beine zu stellen. Um an Kinder zu kommen ist es oft einfach einen so genannten Aktionstag zu machen, hier lädt man alle Kinder am Besten mit persönlicher Einladung über Schulen Vereine, usw. ein uns stellt vor was man in Zukunft machen will. Eine tolle Präsentation bringt aber in diesem Fall fast gar nichts. Versucht die Kinder an dem Tag genau dass erleben zu lassen was ihr auch in den Gruppenstunden machen wollt. Gut kommt auch an wenn Euer Vorstand oder andere Aktive sich bereit erklären würden für alle interessierten Eltern zu berichten was Ihr in Zukunft vorhabt. Wir haben dass immer mit Kaffee und Kuchen während dem Aktionstag gemacht. So waren die Kinder Beschäftigt und die Eltern konnten sich gleichzeitig informieren.Viel Erfolg
PS: Wäre super wenn du dich immer mal wieder meldest wie es bei Euch läuft!!
Frage doch einfach mal dort nach, wo Gruppenleiter ausgebildet werden! Es gibt sicherlich Gruppenleiter, die noch eine Gruppe suchen. Was Du auch noch machen kannst: Schalte ein Inserat in der Lokalzeitung! Das hat der ASB bei uns gemacht und auch Erfolg gehabt, denn es hatten sich Gruppenleiter auf dieses Inserat gemeldet. Vielleicht könnt Ihr Euch über das DRK auch Gruppenleiter ausbilden lassen. Denn aus Erfahrung weiß ich, auch die Ausbildungsseminare für die JULEICA sind rar.
Bei uns liegt es nicht daran, daß wir keine Möglichkeit zur Ausbildung haben. Im Gegenteil - gerade in der letzten Zeit wurden einige vom BRK als Gruppenleiter ausgebildet. Aber für eine regelmäßige Gruppenstunde reicht es nie. Entweder wird 'auswärts' studiert oder gearbeitet oder es kommen Ausreden (wir finden keinen Raum... oder so). Der AKtionstag ist eine tolle Idee, die wir aber doch ab und an mal durchziehen. Mit einem Motto bzw. einem Auftrag dabei. Da wir nicht aus einer Großstadt kommen, sind wir bei den Eltern auch bestens bekannt und die werden eigentlich nur zu Weihnachtsfeiern oder so eingeladen.
Die Idee mit dem Inserat finden wir aber gut (auch etwas witzig, weil man das nicht erwartet...) und wollen auch mal diesen Weg testen.
Noch eine Idee, die uns kam war, uns mit den jungen und aktiven Gruppenleitern zusammenzusetzen und eine richtig große Aktion aufzuziehen. Oder auch einfach bei einer Straßenaktion die Leute gezielt ansprechen. Mit gestellten Unfallsituationen bei denen auch die Erwachsenen gefordert sind.
Danke schonmal für Eure Ideen - aber für weitere Anregungen bin ich natürlich offen!!!!
Hallo Clarissa!
Ich bin ebenfalls im JRK. Ich bin im Ortsverein Lohne im Kreis Grafschaft Bentheim!
Ich kenne Deine Probleme auch! Besonders mit den Gruppenleitern ist es besonders schwierig. Hat man mal ein paar Leute gefunden die sich Aktiv beteildigen wollen, dauert es nicht lange, bis dass einige andere wieder aufhören, weil sie aus beruflichen Gründen nicht mehr können oder andere Interessen haben.
Als Werbung für Kinder kann ich Dir nur eins empfehlen in einem öffentlichem Blatt einen Information Abend anzubieten. Wir haben dies anfang des Jahres ebenfalls gemacht. Den anwesenden Eltern und Kindern, die Interesse bekundet haben, haben wir ein Video über eines unserer Wettbewerbe gezeigt und einige allgemeine Infomationen über den Verein gegeben. Wir konnten bis auf ein Kind alle für unseren Verein begeistern.
Gruß Marion
Ich denke ein Stammkapital, in Forum von aktiven Ehrenamtlichen, muss immer gegeben sein um erstmal anfangen zu koennen. Und das zu finden (oder zu haben) ist eigentlich Gluecksache und kann nicht "erkauft" werden. Was nicht heisst das man keine Ausschau halten sollte :)
Das Grundproblem in der Jugendarbeit besteht auch darin Leute zu halten. Dies ist ab einem gewissen Alter fast unmoeglich. Zum Studieren gehts eben meist in eine andere Region. Dagegen kann man auch wenig ausrichten - Gott sei Dank :)
Wichtig ist es sich dessen bewusst zu sein und auch in guten Zeiten immer Wert auf Nachwuchs zu legen. Viele Organisationen die ich kenne und besucht habe, sind meist selbst schuld an ihrem Nachwuchsmangel. Da gab es irgendwann einen Punkt als genug Leute da waren. Ausbildung wurde vernachlaessigt und der Geistesblitz kam erst als nur noch 30 von ehemals 150 Ehrenamtlichen aktiv waren.
Vielleicht solltet ihr (also die, die noch richtig "aktiv" arbeiten) mal überlegen, was das genaue Problem ist. Das Problem scheint zu sein, dass 3 oder 4 Ortsgruppen nicht funktionieren. Dann überlegt man sich, wie man das Problem lösen kann. Dazu sollte man das Problem nicht als "Problem" ("Oh Gott, was solln wir nur tun?"), sondern als "Aufgabe" auffassen. Auf den ersten Blick ergeben sich -für mich- 2 Möglichkeiten:
a) Man sucht sich neue Gruppenleiter und tauscht sie gegen die "inaktiven" Gruppenleiter aus
b) Man versucht, die "inaktiven" zu reaktivieren
Ich würde mit Möglichkeit b beginnen. Simpler Grund: Die alten sind den Kids schon bekannt und vertraut (zumindest gehe ich davon aus). Und wenn dies nicht zum gewünschten Erfolg führt, bleibt immernoch Möglichkeit a. Bleibt die Frage: Wie reaktiviere ich die Gruppenleiter? Nun, ich muss sagen, ich habe keinerlei Ahnung, wie das Jugendrotkreuz aufgebaut ist und was der Begriff "Ortsgruppen" bedeutet. Ihr müsst aber irgendwas finden, washalb die Gruppenleiter "angestachelt" werden, wieder mitzumachen. Veranstaltet z.B. ein großes Event, zu dem jede Ortsgruppe etwas beitragen soll. (Dann nicht, jede Gruppe bringt einen Salat, sondern bspw. ein selbstgemachts Spiel. Man kann z.B. ein "Mensch-Ärgere-Dich-Nicht" [Halma] Spiel in lebensgröße Bauen.) Setzt den Gruppen (und damit auch den Gruppenleitern) ein Ziel, welches erfüllt werden muss.
Wenn aber alles das nicht hilft, dann geht einen versöhnlichen Weg a. Will sagen: Schmeißt die alten nicht mit den Worten "Du machst nichts mehr, verzieh Dich!" raus, sondern bringt sie in einem persönlichen Gespräch dazu, selbst zu sagen, dass es keinen Sinn mehr macht, und sie den Job lieber abgeben. Dann könnt ihr bei Großaktionen -wenn nötig- noch immer auf die zurückgreifen.
Für die neuen Gruppen, könnt ihr die ganze Aktion schon anders aufziehen: Erstmal Gruppenleiter finden. Natürlich sind Zeitungsinserate lustig, natürlich bekommt man auf Nachfrage bei "Leiterausbildungsstätten" meist fähige Leute. Bleibt nur die Frage, ob die sich auch genug mit eurem Verein/eurer Arbeit identifizieren und Spaß an der Sache haben. Habt ihr mal im engeren Raum gedacht? Fragt eure Freunde, Cousinen, Brüder und Nachbarn. Wenn ein "Aktiver" sich einen Partner sucht, und mit dem eine neue Gruppe leitet, dann habt ihr Leiter, die sich vertrauen (mehr oder weniger zumindest), die sich gut verstehen und auch schonmal bei 'nem Bierchen zusammen sitzen und Aktionen aushecken. Der "Aktive" hat Erfahrung, der neue möglicherweise völlig andere Ansichten, die einen auf Ideen bringen, an die man vorher nie dachte. (Eine Gruppenleiterschulung kann man ja immer nochmal machen)
Jetzt hat man schonmal die Leiter, braucht man noch die Kids. Hm.. Wie Tobias schon schrieb, die Kinder "ködert" man am einfachsten, bei einem Aktionstag. (Und da schließt sich im Übrigen der Kreis zu den bestehenden Gruppen, die den Aktionstag maßgeblich mitgestalten können ;) ). Ganz besonders die zukünftigen Leiter müssen sich dort präsentieren. Macht was nettes, unterhaltet die Kinder, habt gemeinsam (!) Spaß. Dann lasst den zukünftigen neuen Kids noch Flyer o.ä. zukommen, wo der Termin für das nächste Ortsgruppentreffen vermerkt ist. In der Hoffnung, dass dort viele erscheinen, sollte auch dort für Spiel, Spaß und Spannung gesorgt sein. Von nun an geht es darum, die Kids zu "halten", wie es Chris so treffend betitelt. Dazu gibt es genüngend Literatu, sowie Infos im Internet.. Gebt der Gruppe ein Gesicht. Malt ein Logo, welches ihr auf Fahnen übertragt und bei größeren Treffen stolz aufhängt, bestellt T-Shirts oder was auch immer... Kreativität ist gefragt ;)
Zu guter Letzt macht den Kids klar, dass sie jederzeit ihre Freunde mitbringen sollen. (=>Nachwuchs)
Ich hoffe, dass ich mich einigermaßen in eure Lage versetzten konnte und ihr den ein oder anderen brauchbaren Tipp findet..
Schau das ganze Problem auch mal objektiv an:
Wie sieht es aus in deiner Ortschaft. Was für andere Organisationen, die ähnliche Gruppen haben, gibt es? Besteht überhaupt noch genügend "Platz" oder wäre es sinnvoller eine andere Zielgruppe anzusprechen?
(Ich nerve mich bei uns in der Ortschaft über Jugendarbeiter und Organisationen, die sich hier neu mit ihrer Arbeit beginnen, sich jedoch nicht informieren, was es schon gibt, und anstelle die Jugendarbeit mit Angeboten zu ergänzen, die es noch nicht gibt, führen sie einfach etwas ein, was es schon 3 Mal gibt undschaffen damit noch mehr unnötige Konkurrenz.
Was Chris sagte, wenn Gruppenleiter schnell wieder aufhören. Warum? Es ist sehr schwer, als Neuer in eine bestehende Gruppe hinein zu kommen. Da wird man teilweise so krass mit Reglements belegt, daß man keine Lust mehr hat, sich ehrenamtlich zu engagieren. Manchmal versteht es das bestehende Gruppenleiter-Team auch nicht, neue Leute zu integrieren, was heißt, daß man bei den Gruppenstunden zwar anwesend ist, aber die Aufgaben sind einem nicht richtig zugeteilt worden, so daß man sich schnell fragt, wozu man eigentlich gebraucht wird. Vielleicht bringt es auch etwas, wenn man mit Gruppenleitern aus anderen Ortsverbänden zusammenarbeitet.
Kinder bekommt man am bestern über Straßen-Aktionen, oder noch besser, geht in die Schulen. Informiert in den Schulen über die Erste Hilfe. Man kann Erste Hilfe auch themenspezifisch anbieten.
Fragt die Gemeinde an, ob sie euch die Adressen aller Kinder im Alter (von bis)geben könnten.
(Versprechen, zum einmaligen gebrauch der Adressen und dass ihr danach die Daten vernichtet)
Nachdem ich mich schon längere Zeit nicht mehr gemeldet habe, will ich mich doch mal bei Euch bedanken für die vielen Tips.
Einige davon haben wir sogar umsetzen können. Z. B. übernimmt eine 'ehemalige Teilnehmergruppe' jetzt die Betreuung unserer Jüngsten. Die 'alten' sind 15 - 16 Jahre alt und die Kids sind zwischen 6 und 9. Am Anfang werden wir unterstützend dabei sein, es soll aber daraus hinauslaufen, dass sie das eigenständig übernehmen.
Weiterhin haben wir Flyer entworfen und in unserem Fall in den Rettungswachen verteilt (in der Hoffnung, dass vielleicht die ein oder andere Frau eines Sanitäters, ein Zivi oder so Interesse hat).
Außerdem hatten wir vor zwei Wochen unser großes Zeltlager (170 Kinder und knapp 30 Betreuer incl. Küche) und da sind einige der alten Betreuer dabei und das Thema wurde dort auch mal angesprochen. Aber hier ist nun auch verständlich, daß einige sagen "ich hab's jahrelang gemacht - jetzt sollen die jungen ran".
Nochmal zu unserem Landkreis: Es ist wirklich überschaubar (keine größeren Städte) und man kennt sich halt. Andere Vereine gibt es sicherlich auch. Aber hier handelt es sich um Musik oder Sport. Wir von Jugendrotkreuz haben keine 'Konkurrenz' (früher gab es mal Malteser-Jugend, aber nun auch nicht mehr).
Also nochmal vielen Dank für Eure 'Anteilnahme' - man merkt, daß man doch nicht alleine da steht!!
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