Ist ein Ferienlager nur Party und Konsum?
von fels298 (24.06.07 08:11:41)Wo ist die Grenze zwischen der Bildungsarbeit eines Vereins und dem Willen von Betreuern und Kindern, während der Ferienlagerzeit nur Party zu machen? In wiefern muß man auf diesen Willen der Kinder eingehen? Oder sollte man seine Angebote gezielt pädagogisch steuern?
Muß man als Vorstand des Vereins diesem Trend des Partymachens nachgehen?
Diese Frage entspricht einem Gespräch unter Eltern, und ich würde mich sehr freuen, wenn sich hier und da mal jemand dazu äußern würde.
Ich denke hierbei sollte man sich über die folgenden Punkte bewusst unterhalten:
- Erwartungen der Eltern an das Lager
- Erwartungen der Eltern an die Betreuer
- Erwartungen der Kinder an das Lager
- Erwartungen der Betreuer an das Lager
- Erwartungen der Betreuer an die Teilnehmer
- Erwartungen der Betreuer an die Eltern
Was versteht man jetzt unter "Party"? Party wäre bei mir viel Spaß und gute Laune. Spaß und gute Laune kommt bei uns eigentlich immer auf, auch wenn wir thematische Abschnitte durchführen oder auch Wanderungen durchführen, bei denen Kids am Anfang eher unmotiviert sind. Wenn die Eltern und die Kinder Party erwarten und wir keine Party bieten, so kann es nur unter großen Mühen noch ein Erfolg werden; doch erwarten Eltern und Kinder Party?
Auf den Willen der Kinder muss man bedingt eingehen, es gab früher mal die Diskussion über Kindermitbestimmung. Dies halte ich für sehr wichtig, denn wie soll man mündig erzogen werden, wenn man nie mitreden darf? Natürlich gibt es dabei auch Grenzen, die den Kindern klar sein müssen bzw. klar gemacht werden müssen.
Noch eine Abschlussfrage zu deinen Fragen: Was verstehst du unter "gezielter pädagogischer Steuerung"?
Ich glaube nicht, dass bei Ferienlagern die Gefahr besteht, dass sie "unlehrreich" sind (zumindest habe ich diese Frage zwischen den Zeilen gelesen), weil ein solcher Aufenthalt den Kindern in zwischenmenschlichen Dingen unheimlich viel bringt:
- Sie lernen hilfsbereit zu sein (auch mal den Tisch abwischen, Küchendienst, anderen beim Bettbeziehen helfen etc.)
- Sie lernen ihre Konflikte selbst zu lösen und vor allem mit den Konsequenzen zu leben (natürlich nur bis zu einem gewissen Grad)
- Sie lernen Rücksicht auf andere zu nehmen (z.B. xy braucht viel Schlaf, also bin ich möglichst leise um ihn nicht zu wecken)
- Sie lernen mit anderen Kindern umzugehen, die sie vielleicht noch nicht kennen
- Sie machen wichtige Fortschritte in der Selbständigkeit (Bettbeziehen, Zähnputzen etc)
- Es findet eine Abnabelung von Mamas Rockzipfel statt
Ich möchte nicht bestreiten, daß die Kinder nichts im Ferienlager lernen. Im Gegenteil, man kann ihnen sogar Sachen ohne Leistungsdruck beibringen, welche die Lehrer in der Schule nicht geschafft haben. Das weiß ich als Mutter sehr gut.
Was bei uns Eltern Streitpunkte in der Diskussion waren, sind die folgenden:
Müssen die Kinder von den Betreuern im Ferienlagern wie die Animateure in den großen Ferienanlagen unterhalten werden?
Oder ist es besser, Kinder ihre großen Events selbst gestalten zu lassen, z. B. eine Theaterveranstaltung oder Abschlußveranstaltung?
Kann man es als Betreuer verantworten, bei etwa 30 Grad eine Zoorallye zu veranstalten?
Party = Spaß und gute Laune. Unter pädagogischer Steuerung meinte ich den thematischen Ansatz von Wanderungen, z. B. die Gruppe lernt etwas über den Wald. Aber der Unterschied zu Party machen heißt, daß ich als Betreuerin von Anfang an sage, daß es eine solche thematische Wanderung während des Ferienlagers geben soll.
Hallo Petra!
Erst ein...mal... , würde ich mich immer fragen, wo ist meine eigene Pädagogische Linie.
Dann, wo sind meine pädagogischen Rechte verGesetzt... nenn ich das mal!
Scheibe Dir einen Plan auf, der den gesetzlichen Regelungen entspricht.
Hole Dir eventuell die Erlaubniss der Sorgeberechtigten ein.
Handle im Sinne Deiner pädagogischen Gründe... Du kennst die Guppe am Besten!
Viel Glück
Grüße und viel Erfolg wünscht Dir Diana
Hallo!
Wollte noch einen Nachtrag machen!....
Erwartungen stehen immer im Kontext zu einer rechtlichen Regelung!
Wenn Du ausgebildet bist, dann kennst Du die Gesetze!?
Erwartungen müssen eingegrenzt werden hinsichtlich dieser Regelungen!
Es ist sehr einfach sich an dem gestzl. Rahmen und der Bedürfnisse zu orientieren!
Liebe Grüße
Diana
Hallo!
Gerade aktuell finde ich die Frage im Titel dieses Postings interessant, wenn auch mit einem etwas anderen Hintergrund.
Ich war gerade erst in einem Ferienlager, in dem fast kein Programmpunkt richtig angenommen wurde (egal ob Spiele, Schwimmen, Partyabende, ...), was für uns alle eine neue Erfahrung war. in Teil der Gruppe wollte nur "Rumhängen", im Bett liegen und am liebsten noch rundum bedient werden, so dass wohl ein Urlaub mit den Eltern im All-Inclusive-Club passender gewesen wäre...
Spiele wurden von einzelnen Teilnehmern boykottiert (indem z.B. bei Stratego die Fahne versucht möglichst schnell gefangen zu werden). Auf die Frage nach Wünschen bzw. was wir anders machen sollten kam überwiegend nichts, Tage zur "Eigengestaltung" wurden auch kaum genutzt. Das Ergebnis war dass es einige Tage kein gemeinsames Programm mehr gab, sich dadurch aber andere TN wieder zu Tode langweilten. Also gab es für die eben "Kleingruppenprogramm" (Ausflüge, Spielerunden, Lagerfeuer, Basteln, ...), das ursprünglich nicht so vorgesehen war aber bei dem Teil sehr gut ankam.
Wir wollten eigentlich schon, dass zumindest zu gewissen Zeiten (es gab genug Zeiten zur völligen freien Verfügung) gemeinsam etwas unternommen wird und nicht alle nur einzeln rumhängen.
=> Wie geht ihr mit dem Thema um? Gibt es eine gemeinsame Zeit im Sinne der Lagergemeinschaft? Was macht ihr mit einer "Null-Bock-auf-nichts-Fraktion" im Lager (oder gibt es die bei euch nicht)?
Also ich komme gerade frisch aus einem Ferienlager in Norwegen. Wir haben es eigentlich sehr gut geschaft die Gruppe zusammen zu halten und ihnen etwas beizubringen. Wir haben in einer Hytte (auf deutsch: Hütte
) nahe dem Lysefjord gewohnt und haben den Kindern sehr viel beigebracht... wie z.B.
- Fjorde entstanden sind
- die Geschichte zwischen Deutschland und Norwegen ist
- man norwegisch Spricht (ein paar Wörter)
und über die norwegische Vegetation .
Durch Gelände erkundungen und viele Wanderungen haben wir die Kinder bei Laune gehalten und ihnen die Natur näher gebracht.
Zu den eigentlichen Fragen:
1. Wir haben die Tage durchgeplant und die Kinder hatten nur 2 Stunden am Tag Freizeit; mehr hätte es auch nicht sein dürfen, weil die Kinder sich sonst zu sehr gelangweilt hätten!
2. Kreativität ist immer gefragt - man kann aber in der Planung auch dies mit einfließen lassen, indem man das in das Programm mit einbindet.
3. Ich persönlich wüsste nicht, was gegen eine Zoorallye sprechen sollte (auch wenn es 30° sind).
Man muss halt nur genügend Wasser dabei haben.
Ein kurzer Kommentar zum Kommentar von Thomas:
Die drei Drittel Regel zum Gelingen eines Lagers:
1/3 Programm
1/3 Essen
1/3 Ambiente (gute Laune, wohlfühlen)
Für Programm und Essen sind ganz klar die Leiter zuständig. Beim Ambiente sind neben den Leitern, die die vorhandene gute Laune erhalten sollen, auch die Teilnehmer in der Verantwortung. Die Teilis müssen auch ihren Teil zum Gelingen eines Legers beitragen sont kann es nichts werden. Wenn einige Boykotteure hier einen Machtkampf veranstalten wollen unter dem die anderen motivierten Teilnehmer leiden (und auch die die sich mitreissen lassen nur rumzuhängen), würde ich auf jeden Fall eine relativ schnelle Entscheidung in diesem Machtkampf herbeiführen. Kommt es zu keiner Einsicht der Boykotteure ist es für mich ganz klar wer den Machtkampf gewinnen muss (d.h. bei solch absolut nicht tolerierbarem Verhalten würd ich bis zum Ausschluss der Boykotteure gehen (natürlich vorausgesetzt, die Leiter haben vorher ihre Aufgaben auch voll erfüllt)).
Sorry für diese doch recht harten Worte aber so wie Thomas die Situation geschildert hat, glaube ich muss man sich dieser letzten Konsequenz bewusst sein ab dem Augenblick wo man anfangen will die Situation zu bereinigen.Will man nicht bis zum Ausschluss gehen ist der Weg mit Kleingruppen usw. wie von Thomas beschrieben für mich die diplomatische Lösung um den motivierten Teilis doch noch zu einem schönen Lager zu verhelfen.
Gruss,
Gérard
Hallo Thomas,
ich glaube, daß es ein Alter gibt, wo die lieben Kleinen einfach Null Bock auf irgendetwas haben. Die Altersgruppe rund um 12 Jahre zähle ich dazu. Man kann sie total schwer motivieren. Als Mutter weiß ich, wovon ich rede, denn ich habe solch ein Kind zu Hause. Diese Altersgruppe möchte lieber mit Gleichaltrigen abhängen, anstatt irgendwelche Programmpunkte in einem Ferienlager abzuarbeiten. Ich weiß auch von meinem Ex-Verein, daß man nur schwer Kinder dieser Altersgruppe für das Ferienlager gewinnen kann.
Aber was man in einer solchen Situation, wie Du sie beschrieben hast, machen kann, ist, daß man ganz am Anfang zu den Kindern sagt, daß man eine Gruppe ist, und daß man alle Programmpunkte auch gemeinsam macht. Denn die Eltern haben Eurer Angebot inklusive aller Programmpunkte gebucht und bezahlt. Die Teilnahme an diesen Programmpunkten ist Pflicht, sonst könnte es später wiederum Ärger mit den Eltern geben. Kurz gesagt: Alle machen mit. Die Kunst der Betreuer ist es, die Programmpunkte so zu gestalten, daß sie alle Teilnehmer ansprechen. Die Idee mit dem Selbstmachtag finde ich gut. Ich würde als Betreuer aber nicht durchgehen lassen, daß die Kinder keine eigenen Ideen in das Ferienlager mit einbringen. Schließlich haben sie das Betreuer-Angebot abgelehnt. Jetzt wären sie im Zugzwang. Und ich finde es nicht zu viel verlangt, wenn ein Kind wenigstens eine Idee auf einen Zettel schreibt. Dann hätte man bei zehn Kindern schon einmal zehn Ideen, mit denen man etwas anfangen kann. Jetzt könnte man zwar sagen, daß man Gruppen aufteilen könnte ... Dies ist z. B. bei kranken Kindern legitim, die an bestimmten Programmpunkten laut Auskunft der Eltern nicht teilnehmen dürfen. Aber ich finde auch sehr wichtig, daß es Regeln in einem Ferienlager gibt, die für alle ohne Ausnahme gelten.
Womit ich aber gute Erfahrungen gemacht habe, ist, wenn man den Kindern nichts vorsetzt, sondern sie ihr Programm selbst gestalten läßt.
Zum Beispiel ergab es sich auf dem Geburtstag meiner Tochter, daß noch einige Vorbereitungen für das Essen getroffen werden mußten. Ich wollte eine große Gemüseplatte mit Dips anbieten. Als Alternative sollten Tortillas mit Würstchen und Salat angeboten werden. Es sollte anders kommen, als ich geplant hatte. Die Kinder haben zunächst draußen gespielt. Ein Kind wollte aber nicht mit, da sie ihre Sachen nicht schmutzig machen wollte. Sie blieb also in der Wohnung und fragte mich, ob sie mir beim Schneiden des Gemüses helfen könne. Ich stimmte zu. Wir bereiteten das Gemüse vor und deckten den Tisch. Die Kinder kamen wieder hoch und saßen da beim Essen. Plötzlich fragte ein Kind, ob sie sich die Tortillas selbst zusammenstellen könnten. Ursprünglich wollte ich die Sachen selbst zubereiten und fertig servieren. Es hat sich also verselbständigt. Aber ich empfand die Initiative der Kinder so positiv, so daß ich sie einfach machen ließ. Es wurde ein schöner Abend. Die Kinder sangen Karaoke und tanzten auf dem Sofa in unserer kleinen Wohnung. Und ich kann sagen, es wurde auch nicht chaotisch. Keiner hat sich verletzt.
Hallo Gérard, hallo Petra,
erstmal danke für eure Antworten!
Ja innerlich hätten wir zeitweise am liebsten einige nach Hause geschickt, aber so einfach wollten wir es uns dann eben doch nicht machen.
Unsere Teilnehmer waren auch alle etwas älter, da ging es bei 13 erst los. Wobei ich sagen muss dass gerade die jüngeren darunter noch am ehesten Programm wollten und auch dankbar angenommen haben.
Interessanterweise gab es auch einige Mitläufer, die in zufälligen Einzelgesprächen das Programm als gut bezeichnet haben und auch einzelne Vorschläge geäußert haben. Sobald aber alle beisammen waren kamen keine Vorschläge mehr und auch diese TN liesen sich zum "nur Abhängen" mitreissen.
Mit dem selbstgestalteten Tag haben wir selbst in diesem Lager gute Erfahrungen gemacht. Die Mädels haben alle (auch die vorher zur "Null Bock Fraktion" gehörten) mit großer Mühe und Liebe zum Detail ein kleines Programm organisiert, Essen gekocht, Eingekauft usw. Dabei haben sie sogar an die speziellen Ernährungsbedürfnisse eines TN gedacht, Küchenhygiene von selbst beachtet usw. Am Ende dieses Tages gab es dann ein ordentliches Gewitter weil alle Jungs den ganzen Tag über kein bischen mitgeholfen haben und dafür nur gemeckert und Programmteile boykottiert haben, genau wie bei uns eben auch. Ab diesem Tag hatten zumindest die Mädels unsere Situation verstanden.
Hallo Thomas,
Nach nochmaligem Durchlesen meines Beitrags, habe ich festgestellt, dass ich doch recht viel Inhalt in meinen recht kurzen Beitrag gepackt habe.
Daher verstehe ich auch, dass du zu folgendem Schluss gelangen konntest (Zitat Thomas)
"Ja innerlich hätten wir zeitweise am liebsten einige nach Hause geschickt, aber so einfach wollten wir es uns dann eben doch nicht machen"
Als einfache Lösung war der Rauswurf sicher nicht gedacht. Beginnst du an einer Lösung des Problems zu arbeiten (z.B. Gruppenumverteilung, andere Zuordnung von Leitern zu bestimmten Gruppen, Motivation durch Lob (z.B. besondere Fähingkeiten, ...) Einzelgespräche, Ergründen des "wieso" des Verhaltens der Boykotteure (sind die eventuell ins Lager "abgeschoben" worden?), ...) musst du damit rechnen, dass es zu keiner Lösung kommt. Es ist zu bedenken, dass Oberboykotteure eigentlich immer Alphatierchen sind (das sind Leiter aleine schon dadurch, dass sie Leiter sind, müssen es aber in der Praxis noch beweisen d.h. von den Teilis anerkannt werden). Bringt man es als Leiterteam fertig die negative Energie der Oberboykotteure in positive Energie umzuwandeln ist der Gewinn umso grösser, dies für jeden Einzelnen und die Gruppe.
Kommt es also trotz aller vorherigen Versuche zu keiner Lösung ist es fast sicher, dass sich die Fronten während des Lösungsversuchs verhärtet haben. Du musst dir bei solch weitgehenden Entscheidungen also schon so weit wie möglich im Vorfeld Gedanken machen und verschiedene Sachen in die Wege leiten um das letzte As im Ärmel zu haben. Oder anders ausgedrückt: Hast du dir im Vorfeld nicht schon Gedanken über einen Rauswurf gemacht und dies auch mit dem Träger des Lagers und deinem Team abgestimmt, kann es vorkommen, dass du einen in der Zwischenzeit nötig gewordenen Rausschmiss gar nicht durchführen kannst. In diesem Fall wäre dann das ganze Leiterteam bei allen Teilnehmern "unten durch" und dein gut gemeinter Lösungsversuch hätte mit einem Obergau geendet.
Ihr habt die diplomatische Variante gewählt was ich auch gut finde. Der Gewinn bei euerer Variante kann nicht so gross sein wie wenn man intensiv nach einer Lösung sucht. Die Risiken bei euerer Variante sind aber sicherlich wesentlich geringer. Man muss sich nur im Klaren sein welche Linie man gehen will und diese dann auch durchziehen und das habt ihr ja auch getan.
L.G.
Gérard
Ein wenig muss ich Petra widersprechen. Ich denke es ist etwas grundlegend anderes als Mutter oder als (jugendlicher) Freizeitbetreuer zu motivieren. Als Mutter hat man es natürlich schwerer.
Aber als Betreuer ist es natürlich möglich zu Motivieren (jegliche Altersgruppen). Es wird nicht schwerer mit steigendem Alters, es wird schlichtweg anders. Mit 12 Jahren hat ein Junge nun wahrlich anderes im Kopf als mit den kleinen nen Sandburgenwettbewerb zu machen oder bei einer Stadtralley mit 7 jährigen um die Häuser zu ziehen. Motiviationsversuche muss man dann entsprechend anpassen.
Beispiel (auf Sylt - da kenn ich mich wenigstens aus :p):
Sicher wollen die großen Jungs auf der Freizeit nicht wandern. Warum sollten sie auch? Wenn sie allerdings erstmal wissen, dass am Zielort nen McDonalds steht und sie auf dem Weg an der Düne vorbeikommen, auf der Bohlen seine Naddel genkutscht hat, sieht die Welt schon anders aus. Die Ferraris die in Westerland herumfahren muss man oft gar nicht mehr erwähnen...
Begebe ich mich auf die Ebene des zu Motivierenden und habe ich gute Argumente warum er mitziehen sollte, wird es mir in aller Regel auch gelingen. Wenn ich allerdings von vorne herein den Fehler mache und unpassende Dinge aussuche, klappt dies natürlich nicht. Schließlich muss ich auf alle Altersgruppen Rücksicht nehmen und kann nicht von 12 jährigen erwarten mit den Kleinen in einen Märchenpark zu gehen. Da wird es auch schwer ein Argument zu finden warum er mitgehen sollte - klar, ich würde ja auch nicht wollen.
Soweit meine Erfahrungen...
Also ich finde auch das man für 12-14 Jährige ein tolles Programm gestallten kann. Wir haben auch Kinder in dieser Altersklasse und die wollten auch nicht alles vom Programm mitmachen, aber das ist ja auch nicht schlimm. Wir machen für diese Altersklasse ein anderes Programm und alle sind motiviert. Das geht schon aber es liegt am Programm unhd den Kindern.
Hallo zusammen,
bei uns im Verein gibt es von 7jährigen bis hin zu 16jährigen alles. Und ich muss sagen wir haben noch nie viel Probleme gehabt mit boykottierern. Klar, mal macht der eine das lieber als der andere, aber dass eine Gruppe gesagt hat, dass sie kein Bock dazu hat, kam bis jetzt noch nicht vor.
Wir sind auch anfangs um das Problem der Programmgestaltung in arge Diskussionen geraten, aber wir haben letztendlich eine Lösung gefunden. Bei uns im Verein sind Jugendliche für Jugendliche da! Ohne Jugendliche läuft keine Freizeit für Jugendliche! Das heißt im Prinzip, dass wir eine Freizeit ausgeschrieben haben und dann verschiedene Anmeldungen dazu verteilt haben. Eine Anmeldung galt den jüngsten: als einfacher Teilnehmer; die nächste Anmeldung galt dann den 12-14jährigen, die sich als Co-Gruppenleiter anmelden konnten, oder sich an Planungen für Programm und Küche bereiterklären konnten; als dritte Anmeldung waren dann diejenigen ab 14 gefragt. Diese sollten dann mit der Aufsicht eines Volljährigen die Leitung einer Kleingruppe bis acht Personen mit einem oder 2 Co-Gruppenleitern übernehmen.
Durch diese Altersaufteilung hat sich jeder in seinem Alter angesprochen gefühlt. Je älter die Teilnehmer waren um so mehr Verantwortung haben sie zugeteilt bekommen, bzw. je mehr vertrauen haben sie von uns als Leitungsteam bekommen.
Wir haben jedem versucht in der Freizeit neue Aufgaben zu stellen und mit Hilfe von uns die Co- bzw Gruppenleiter an ihren Aufgaben wachsen zu lassen.
Allerdings kann ich das nur so machen, wenn ich die Pimpfe kenne und schon vorher mit ihnen zusammen war. Mit einer bunt zusammengewürfelte Gruppe geht das in diesem Rahmen nicht so richtig. Aber auch dabei kann man auf einzelne Teilnehmer eingehen und ihm mit seiner Zustimmung Aufgaben zuteilen, die auch von Bedeutung sind.
Vlg
Vera
Ich habe das Gefühl, die Diskussion ist etwas aus dem Ruder gelaufen. Um noch mal zurückzusprinegn auf die eigentliche Frage, habe ich mich gefragt:
Wer annimiert denn die Kinder wie in einem Club?!
Hab ich noch nie irgendwo gesehen oder gehört. (Wenn man mal von dem einen, dessen drei buchstabiger Name nicht genannt werden darf absieht)
@ Diana: Mach mal deinen pädagogischen Plan, den will ich sehen. Schon mal was von prozessorientierter Arbeit gehört?
Ohne es zu wissen, und ohne viele pädagogische Pläne arbeiten alle Jugendgruppen die ich kenne sehr pädagogisch.
Sie verbringen Zeit mit den Kindern, setzen sich in Beziehung und erweitern ihren Mikrokosmos. Es werden neben den hier schon aufgezählten sozialen Lehrfeldern auch noch viele andere kleine und große Dinge gelernt.
Wo wir schon mal beim lernen sind. Ich habe den Beitrag von Petra gelesen: "Ich glaube ja, dass man auch ohne Druck und außerhalb der Schule etwas lernen kann (oder so ähnlich)" gelesen.
Ich glaube wir haben eine grundverschiedene Ansicht von Lernen. Ich habe auf einer Jugendfreizeit keinen Bildungsauftrag. Weder vom Land, noch von den Eltern noch von sonst irgendwem. Die Kinder müssen nichts lernen. (Zumindest so, wie du das lernen verstehst)
Zu dem Thema: Ist eine Jugendfreizeit nur Party und Konsum? möchte ich sagen, dass es das definitif nicht ist. Natürlich wird gefeiert und natürlich wird konsumiert. Aber es ist noch sehr sehr viel mehr. Wenn jemand das nicht glaubt, soll er sich einfach mal aufmachen und erleben, was "Gruppe" ist, denn nichts anderes ist eine Jugendfreizeit.
Hallo,
ich kann mich Daniel nur anschließen. Klar konsumieren Kinder/Jugendliche auf Freizeiten und haben viel Spaß, dennoch lernen sie sehr viel. Es fängt schon an, wenn man mit ihnen Zelten geht und sie die Natur mal anders erfahren oder wenn man eine Freizeit in einem andren Land machen, dann lernen die Kinder/Jugendlichen ganz unbewusst automatisch neue Sachen. Oder das Leben auf dem Lager in der Gemeinschaft, die gemeinsamen Spiele, das gemeinsame Essen etc. ... und jeder macht natürlich seine ganz persönlichen eigenen Erfahrungen.
Ich hab auch schon erlebt, dass Kinder und Jugendliche sogar noch mehr Informationen einfordern und ein wirkliches Interesse zeigen.
Außerdem konsumiere ich als Mitarbeiter auch ziemlich viel, denn jedes Kind/ jeder Jugendliche mit seiner eigenen Geschichte bringt mich weiter und eröffnet mir immer mehr neue Gesichtspunkte.
Hi!
Also ich habe persönlich auch schon Erfahrung mit "Null-Bock-Kandidaten" gemacht. Dazu muss man sagen, einmal arbeite ich mit 13/14-jährigen auf Konfirmandenfreizeiten, auf denen es natürlich im Gegensatz zu "normalen" Freizeiten schon einen Bildungsauftrag gibt, wo wir als Team den Konfis bestimmte Lerninhalte vermitteln müssen. Dabei ist es bei uns klar, und das sagen wir auch den Konfis, dass die Themenblöcke verpflichtend sind, wer als konfirmiert werden möchte, der muss auch bereit sein, etwas zu lernen. Natürlich bemühen wir uns, das Programm ansprechend zu gestalten, also neben "anstrengenden", kopflastigen Aufgaben immer wieder Spiele zwischen zu schieben und auch ein gewisses Maß an Freizeit zu ermöglichen (was erfahrungsgemäß in dieser Altersgruppe ganz wichtig ist, weil die Jugendlichen doch nicht so motiviert sind, wenn sie nicht ausreichend Zeit für sich selbst haben).
Eigentlich gab es noch nie das Problem, dass wirklich die ganze Gruppe keine Lust auf gar nichts hatte, denn auch wenn man gemerkt hat, hmm, das kam wohl nicht so gut an und die Konfis habens jetzt nicht mit vollem Einsatz gemacht, so haben die TN doch immer wenigstens ein bisschen mitgemacht und Leute, denen das Programm richtig Spaß macht gibt es immer.
Aber auch auf anderen Freizeiten, so mit 8-12 jährigen, merkt man, dass gerade so ab 12 das schwierige Alter beginnt, allerdings gibts auch hier Sachen die man tun kann. Ich hab da die Erfahrung gemacht, dass es wirklich sinnvoll ist, den Kindern zuzuhören und selbst gestalten zu lassen, zu fragen, worauf sie Lust haben, aber auch einfach mal zu nem Geländespiel mitschleppen, wo erst alle meckern, und dann alle doch mit vollem Einsatz dabei sind, weils eben Spaß macht.
Viele Jugendliche wissen gar nicht, wieviel Spaß es machen kann, in einer Gruppe verschiedene Spiele zu spielen, ohne Computer und auch nicht in der Clique unter dem ständigen "ich-muss-cool-sein"-Druck. so können auch verschiedene Altersgruppen viel Spaß zusammen haben...
Und wenn das doch nichts bringt, dann muss man sich eben andere Sachen überlegen und ausprobieren, irgendein Spiel macht immer Spaß und falsch machen kann man auch nichts, wenns halt keinen Spaß macht, probiert man das nächste, bis es funktioniert, macht Reflexionsrunden, schaut, wie die Gruppe gestrickt ist und was sie eben braucht...
Allgemeingültige Konzepte gibts da glaub ich nicht...
Hallo!
Ich finde das lernen steht im Endeffekt eigentlich immer im Mittelpunkt. Den auch durch Spiel und Spaß wird unbewußt Wissen vermittelt. Egal ob es Gruppendynamik oder Zusammmenhalt ist. Wir machen bei uns im Camp meistens die Erfahrung das nach kurzer Zeit die Fragen von selbst kommen und wir auch die uninteressiertesten Kids begeistern können. Wobei auch von Vorteil ist das die Kids durch nichts abgelenkt werden. Es gibt kein Handy (geht nicht/kein Netz
), keinen Fernseher und keinen PC. Also stehen Natur und gemeinsame Unternehmungen im Vordergrund. Wichtig dabei sind natürlich die Betreuer, denn die lenken im Endeffekt das Ganze.
(zu der Frage gaaaaanz oben!!!)
ich denke wir sind kein All-Inclusiv-Club aus dem Hochglanzprospekt!
Wenn die Kids mal Faul-Ei spiel auch wenn sie es zu hause doof finden weils ja mit 12 total uncool ist, oder aus voller Brust "Kinderlieder" singen auch wenn sie sonst mit ihren Freunden Hip-Hop hören...wenn sie total ausgelassen sind, ohne sich die Frage zu stellen, ob sie nicht gerade völlig uncool sind weil sie ja schon 12 sind - haben wir dann nicht unseren JOB nicht TOTAL erfüllt??????????
Wenn man dazu "Party machen" sagt, dann steh ich voll drauf
!
Wir sind ja schließlich im Ferienlager damit die Kids aus dem Alltag rauskommen, von zu hause "Urlaub" haben, viele Kinder stammen ja nicht aus den "wohlhabenden" oder "perfekten" Familien, wir alle haben bestimmt schon mal Kinder dabei gehabt, bei denen es daheim alles andere ist als man es sich so erhofft für jedes Kind! Im Ferienlager haben sie mal die Chance, so sein zu können wie sie sind und wie sie wollen, da wo nicht jeder weiß, dass die Eltern nur von Sozialhilfe leben. Mal nicht der "Loser" "Streber" oder "Assi" sein!
Klar kann ich viel thematisieren und pädagogisch handeln, aber das passiert automatisch oder unterbewusst!
Den Kindern die Natur näher zu bringen ist natürlich auch ein wichtiger Punkt, aber ich find es muss wirklich zum Rahmen, der Situation oder der Gruppe passen!
Klar muss es auch Regeln und Plichten geben, sonst bricht jede Freizeit zusammen!
Auch stellt einer Mal was an und es gibt sicherlich mal Reibereien zwischen den Kids!
Das gehört mit dazu, aber auch da wissen wir was zu tun ist.
In erster Linie gehört eine Menge Herzblut dazu, wir tun unseren Job damit!
Ob mit oder ohne pädagogischen Hintergrund, wir sind ehrenamtlich tätig und tuns gerne! Für die Kinder und für uns selbst!
Für die Kinder und uns sollen es schöne Tage werden, da gehört der Spaß - man kann es vielleicht auch PARTY nennen - mit dazu!
Ein Aspekt, den ich in der Kinderspielstadtarbeit kennengelernt habe:
Es wurden alle Kinder zu einem Vorbereitungswochenende bzw. mehrere Vorbereitungstage eingeladen. Hier wurden dann Dinge bearbeitet wie:
- Was war im letzten Jahr schlecht, was soll geändert werden und was so bleiben.
- Alles ums Geld wurde festgelegt: Lohn, Steuer, Aussehen der einzelnen Scheine (Geldentwurf)
- Verschiedene Events für die Abendveranstaltung.
- Was soll in dem Versorgungsbereich als Grundstock angeboten werden.
- ......
Es sind natürlich viele dabeigewesen, die sich sowieso engagieren bzw. aktiv in der Kinderspielstadt waren. Aber auch einige, die man zu Null Bock Teilis zählen konnte.
Natürlich wurde diese Veranstaltung von Hauptamtlichen durchgeführt. Ehrenamtliche müssen sich halt fragen, wieviel Arbeit möchte ich in die Lagerplanung stecken.
Aber es müsste doch möglich sein, die Kinder im Voraus in die Planung einzubeziehen
Am Nachtreffen zum Beispiel ein Thema für das nächste Zeltlager.
Inhalte erarbeiten, was soll drinnen vorkommen.
Oder aber auch mit einem Fragebogen.
Der eine oder andere kann etwas, was andere nicht können. Das motiviert, wenn Sie es zeigen können und dürfen. Ich könnte zum Beispiel Bumerang werfen zeigen. Dafür muss ich aber mein Bumerang mitbringen.
ich hab auf meinen freizeiten zwei grundlegende dinge festgestellt.
zum einen, pädagogische arbeit findet immer statt, auch wenn man sich vielleicht nicht so nennt. ein mädchen in ihrem liebeskummer trösten, zwei jungs zeigen, dass man einen konflikt auch mit worten lösen kann, einfach zuhören, wenn sich ein kind die sorgen von der seele reden will. das alles ist für mich teil meiner pädagogischen arbeit. und ich hab festgestellt, dafür braucht man nicht unbedingt eine ausbildung, nur etwas emphathie.
das zwiete ist, die kinder in die planung mit einbeziehen, sowohl, als auch während der freizeit. die frage: du findest alles scheisse, ok, was würdest du besser machen? hat schon mehrere male dazu geführt, dass sich die null-bock-teilis richtig ringekniet haben.
ich finde ein gutes mass an vorgaben und eigenverantwortung, was die freizeitgestaltung angeht, gibt den kids auch das gefühl: ich bin wichtig. die party sollte natürlich auch nicht zu kurz kommen, schliesslich ist es immernoch urlaub. auch da kann man die kinder mit einbeziehen. bei uns wurde der letzte abend immer von den kinder gestaltet, mit musik, theater und tanz. hat bisher immer gut geklappt, selbst bei den älteren.
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