Betreuerteam - Betreuerpärchen
von Drachentraeger (20.04.06 00:07:39)Guten Tag erst mal,
bei der Anfrage zu Fortbildungskonzepten hatte ich unter unserem Baustein DEF das Thema "Betreuerpärchen" angeschnitten. Das führte zu Rückfragen - aber wir haben dafür nie eine "Papierfassung" entwickelt - sondern dies immer offen diskutiert.
Gerne will ich versuchen hier unsere Grundlagen darzulegen.
Vorbemerkung: Wir haben gleichzeitig 4-5 Freizeiten angeboten. Zum Teil mit ausländischen Kindern (auf Einladung / Auftrag der Landesregierung) - so kamen mehr als 200 Kinder zusammen - max. 8 Kinder in einer Gruppe - es waren als manchmal 40 - 50 Betreuer/innen + 10 Org-Teamer vor Ort. Da gab es immer Betreuerteamer.
Was ist das Problem: - hier einige Szenarien
Hier geht es nicht um die Frage ob die Teamer miteinander ins Bett kriechen - schon weit im Vorfeld dieser Frage gibt es eine Vielzahl von Problemen die Team und Freizeit belasten.
Diese Fragen / Problempunkte haben wir versucht offen zu diskutieren:
Der Betreuer Fritz und die Betreuerin Elvira sind ein Betreuerpaar
(was wir von der Campleitung nicht immer wissen)
- Verliebt und blind für alles andere ?
- keine Zeit für Teambesprechungen ?
- Die Kinder lieben Ihre Betreuer - und weil das so ist - möchten die Kinder, dass das Betreuerpaar viel Zeit für sich hat. Wenn die 14 jährige Mädchengruppe von "Elvira" - gerne etwas mit der 8 jährigen Jungengruppe von "Fritz" unternehmen möchte - dann kommt uns das immer komisch vor - sind das echte Interessen der Kids ? haben hier die Teamer geschoben ?
- Wenn Fritz mit Susi spricht wird dann Elvira eifersüchtig
- Fritz kümmert sich stark um seine Gruppe - Elvira fühlt sich vernachlässigt ?
- man quatscht (und/oder kuschelt) Nachts noch sehr sehr lange miteinander - und am nächsten Tag fehlt einfach Energie
(übrigens nicht nur ein Problem der Betreuerpärchen)
- Elvira spricht mit Freundin über Fritz - aber es bleibt nicht alles ein Geheimnis unter Freundinnen
- Elvira & Fitz sondern sich ab
- weil man Nachts oft nicht Fritz und Elvira findet entstehen Gerüchte / Vermutungen
- Betreuer sind 24 Stunden im Dienst ?
- Fritz & Elvira knutschen ständig - alle sind genervt
- bei Kritik an Fritz - reagiert Elvira unsachlich
- Kinder fühlen sich vernachlässigt
- Kondome werden Fritz und Elvira zugerechnet - obwohl die 14 jährigen Jungs diese nur als Mutprobe mitgebracht hatten
- das wird etwas hineingedeutet (was nicht sein muß - aber auch sein könnte) - Gerüchte überholen sich - und bei Eltern kommt das "Gefühl" von Sodom und Gomorra auf
- der Campleiter - das Team fragen sich - ob Kontrolle notwendig ist - wieviel Kontrolle notwendig ist
Nun sind ja Betreuerpärchen nichts unmoralisches, nicht verbotenes - aber ich habe über 20 Freizeiten geleitet - und meine Frau war dabei - aber auch wir mussten aufpassen - denn auch wir schätzen Situationen unterschiedlich ein - es gab Eifersucht - Spannungen ... und mach klärendes Gespräch.
Wir haben Lagereltern gehabt - 30 jahre verheiratet - und im Lager gab es Krisen - weil man sich von der Seite nicht kannte.
Man wird Betreuerpärchen nicht verhindern - geschweige verbeiten können. Leider ist Einsicht nicht eine Tugend der Verleibten - und leider gehen ganz viele Beziehungen im Ferienlager kaputt - es ist also nicht von Vorteil für die Pärchen. Aber alle werden sagen .. bei Ihnen werde alles anders sein - und alle sind davon überzeugt - und ich finde wir müssen Ihnen vertrauene - auch wenn es fast immer schief geht --- aber wir müssen über Prbleme offen im Team reden - und oft muß ich auch ein 6-Augen-Gespräch führen.
Mit dieser Offenheit habe alle eine Chance.
Übrigens nach meiner Erfahrung sind Pärchen die sich im Lager erst kennenlernen / einander entdecken meist nicht so problematisch (abgesehen vom wenigen Schlaf) während Alt-Pärchen echt Stress bekommen durch die veränderten Rollen - eben nicht nur "privat sein".
Bei uns gabe es nur ein TABU - Pärchen wurden nie gemeinsam zur Nachwache eingeteilt (aber Teamer männl. / weibl. die sich nicht mochten teilten unser Org-Leute gerne ein - was dann sehr oft zu Pärchen führte)
Offen für jede Diskussion
Jürgen K. Niehues
Also ich bin jahrelang mit meinem Freund auf Freizeiten gefahren und Beschwerden gab es darüber nie, sondern eher das Gegenteil war der Fall. Ich muss dazu sagen, dass ich manchmal launisch werden kann und mein Freund ein sehr ruhiger Pohl dann ist. Er sorgt dafür dass Probleme geklärt wurden und ich denke, dass viel Stress der auf einer Freizeit entsteht auch wieder entladen werden konnte, weil mein Freund dabei war.
Auf den meisten Freizeiten, die mit einem unserer Hauptamtlichen statt fanden, war jedoch auch seine Freund und teilweise ihr Kind mit (was ich wesentlich bedenklicher halte?!). Mit beiden sind wir gut befreundet und auch zwischen den anderen Teilnehmern hatten wir meist ein sehr gutes Verhältnis. Es war in meinen Erinnerungen immer eine schöne Runde und keiner störte sich an Pärchen. Ich gehöre jedoch auch nicht zu den ständig rum knutschenden Pärchen, sondern ich denke dass man in solchen Situationen sich Erwachsen verhalten sollte, dann ist dies auch kein Problem.
Die Frage ist für mich immer wie die Personen mit der Situation umgehen. Wenn es danach geht würde ich es auch für fraglich halten beste Freundinnen mit zu nehmen als Teamer, denn die könnten sich viel von anderen abschotten und dass ist ebenfalls sehr bedenklich.
Betreuerteams müssen einfach menschlich zusammen passen, dann kommen auch keine Probleme auf!
Nadine
Ich denke, dass es immer auf der Pärchen drauf ankommt. Wenn man bereit ist, sich für die Woche etwas voneinander zu trennen und eben auch mal die Gruppe dem Partner vorziehen kann, dann ist das kein Problem.
Problematisch wird es nur dann, wenn die Gruppe, egal ob Kids oder die Betreuergruppe, unter dem Pärchen leidet, weil es zu den oben aufgeführten Problemen kommt: Gerüchte, Vernachlässigung, Mehrarbeit für die anderen Betreuer.
Und das dann dem Pärche zu erklären ist ein wirklic großes Problem, weil die beiden das sehr persönlich nehmen werden.
Stimmt Daniel wenn sich die Pärchen von vorne rein her schon im klaren sind ist das Okay. Solange jeder weiß warum er im Zeltlager ist geht dies gut.
Leider ist es aber meistens genau anderst. Und dann leidet das Team.
Also ich selbst habe die erfahrung noch nicht gemacht, dass betreuerpärchen ein nachteil fürs zeltlager sind. Bei uns wird allerdings auch immer darauf gedacht, dass die kinder im vordergund stehen und sich kein betreuer eine extra wurst herausnehmen kann. wenn alle gleich viel vorbereiten und arbeiten, seh ich kein problem, wenn diese in ihnre pausen rumknutschen oder dergleichen.
Also bei uns sind alte Pärchen ungern gesehen und es wird allen Betreuern von vornherein gesagt, dass sie nicht mit ihrem Freund/in fahren sollen. Frische Pärchen entstehen immer wenn Menschen eng aneinander viel Zeit verbringen, plus der Stressfaktor, die lassen sich per se nicht verbieten, sollen das aber auf ihre Freizeit beschränken. Absolut verboten sind Beziehungen zwischen Lagerleitung und Betreuern... aber auch das Verbot wird regelmäßig gebrochen...
Ich sag mir immer: "Never fuck the company!" auf Arbeit gilt das doch auch.. - und deswegen lernen sich 48% aller Pärchen "auf Arbeit" kennen![]()
Bei uns in der Gemeinde gibt es ziemlich viele Betreuerpärchen. Da gibt es sowohl positive, als auch negative Erfahrungen. Es gibt Pärchen, die nur noch sich und niemanden anderen sehen (vor allem wollen sie von Kindern nicht genervt werden).
Mein Mann und ich sind auch durch die Betreuerarbeit zusammengekommen. Meistens hilft mir das sehr viel. Es gibt halt Dinge, die ich lieber mit ihm bespreche. Vor allem kann ich aber auch vor ihm weinen wenn es mir mal schlecht geht und er kennt mich ganz genau. Er sieht auf Veranstaltungen meistens mein Blick und weiß genau wie es mir geht. Das finde ich gut.
Erst in diesem Jahr mussten wir uns für eine Segelfreizeit entscheiden, ob wir auf getrennte Boote gehen oder nicht mitfahren. Wir haben uns für die getrennten Boote entschieden. Leider haben uns (auch die Hauptamtlichen) andere Teamer hintergegangen und haben in der letzten Nacht die Boote gewechselt und gemischt geschlafen.
Was auch bei uns passiert ist, dass ein Teamer was von einer anderen wollte, dass aber nicht so geklappt hat. Der Teamer ist jetzt in ein tiefes Loch gefallen (so meine Wahrnehmung).
Das Thema mit Betreuerpärchen ist sehr heikel. Jeder sollte wissen, wo man steht und wie man miteinander umgeht. Das Team sollte nicht darunter leiden und die Teilnehmer schon gar nicht. Sollte irgendwas schief gehen, sollte man das offen ansprechen können, ohne dass sich irgendwer angegriffen fühlt.
Ich finde, wenn ein Pärchen gemeinsam als Betreuer mitfahren will, sollten sie sich bereits im Vorfeld über die Prioritäten im Klaren sein. Aus den Beiträgen hab ich herausgelesen, dass es immer wieder vorkommt, dass sich Pärchen abschotten und eher Augen für den Partner, als für die Kinder haben. Meiner Meinung nach sollten die sich fragen, warum sie sich als Betreuer gemeldet haben, wenn sie dann die Verantwortung dieser Position an andere abgeben. So eine Situation kann schnell zu Unmut im restlichen Betreuerteam führen.
Ich denke nicht, man sollte Pärchen von vornherein von Freizeiten ausschliessen. Nur glaube ich, sie sollten sich bewusst machen, dass auf einer Freizeit die Kinder an erster Stelle stehen sollten, dann erst kommt der Partner. Wie Vivien schildert, kann ein Partner auch zu einem Anker in Krisensituationen werden, das kann sich durchaus auch positiv auf das gesamte Team auswirken (Stichwort: psychisches Gleichgewicht). Ich finde es allerdings wichtig, dass solche Beziehungen im Team bekannt sind, so können sich die Anderen darauf einstellen und auf eventuell aufkommende Gerüchte reagieren. Gerade Eltern können manchmal empfindlich reagieren, da sollte man versuchen, ihnen keine Ansatzpunkte zu bieten.
Ich glaube, es kommt im Grunde immer auf die Bereitschaft des Pärchens an, für zwei oder drei Wochen die eigenen Bedürfnisse den Bedürfnissen der Kinder unterzuordnen.
Pärchen auf Freizeiten finde ich zuallererst einmal in Ordnung. Die ganze Sache wird meiner Meinung nach erst problematisch, wenn das, ich nenne es mal "Pärchengetue" zu heftig wird. Ein paar Punkte wo ich als Freizeitleitung interveniere sind:
- Wenn sich das Pärchen ständig und überall küsst. An sich ist das ja irgendwie süß, nervt aber mit der Zeit, da die Teilnehmer oft vernachlässigt werden
- Wenn aus 2 Mitarbeitern dann plötzlich von der Arbeitskraft her ein halber Mitarbeiter wird, weil die Beziehung auf der Freizeit wichtiger ist als die Freizeit
- Wenn solche Leute anfangen Teilnehmer zu verkuppeln (ja, das ist schon mal vorgekommen....) Da Mitarbeiter Vertrauenspersonen und Ansprechpartner sind, haben sie eine besondere Verpflichtung die Teilnehmer zu einer freien Entfaltung und einem gesunden Selbstbewusstsein zu führen. Ob es dabei nützlich ist Teilnehmer zu einer Beziehung zu drängen, die sie kaum einschätzen können ob sie die wirklich wollen, sei mal dahin gestellt.
- Wenn solche Paare Geschlechtsverkehr haben (Wie muss man drauf sein, dass man sowas nicht mal 1-2 Wochen pausieren kann???) Man sollte sich ebenmal für die Zeit nur auf die Teilis einlassen
- Die Beziehungskiste auf Kosten der Stimmung vor allem im Mitarbeiterteam, aber auch unter den Teilnehmern geht
So... das sind jetzt schon einige Punkte geworden. Aber ich denke, wenn sich das Pärchen darüber einig ist, die Beziehung mal für die Zeit der Freizeit zurückzufahren, ist das okay wenn sie als Mitarbeiter mitfahren. Danach kann es ja wie gewohnt weiter gehen.
Gerne darfst du auf diese Seite verlinken.
Zur Verlinkung aus Beiträgen im Grik verwende den folgenden Code: [AL]2481[/AL] (weitere Informationen zu diesem Code und weitere Codes findest du in Youth and me vom 15.05.07 ab Seite 9). Für die Verlinkung von externen Seite benutze bitte die folgende Url: http://www.grik.de/a2481-Betreuerteam-Betreuerpaerchen.html

















