Service
Hilfe
neuen Artikel schreiben
Diskussionsplatz - pädagogische Fragen

Austausch: Welche Erfahrungen hattet ihr mit dem Thema "Kinder und Tod"

von Kleistermonster (17.04.06 18:08:46)

Ich habe mich beruflich und privat viel mit diesem Thema auseinandergesetzt, weil eigene Erlebniss mich sehr geprägt haben. Deshalb dachte ich, dass dieses Thema auch für andere interessant ist und evtl. man darüber ins Gespräch kommen könnte.

Ein Erlebnis in unserer Kindergruppe:
Die Kindergruppe findet in einem kleinen Dorf statt und einige Tage vorher ist dort jemand verstorben. Zu Beginn jeder Gruppenstunde erzählen die Kinder von guten und schlechten Erlebnissen der letzten Woche. Natürlich war auch der Tod des älteren Mannes ein Thema und es wurde kurz darüber geredet. Einige Zeit später in der Gruppenstunde sollten die Kinder Bilder von einem Maibaum malen. Nach kurzer Zeit beschwerten sich einige weil K. kein Maibaum gemalt hat. Erst jetzt merkten wir, dass er ein Grab malte! Offensichtlich hatte es das Thema noch nicht abgeschlossen und deshalb redeten wir noch mit ihm darüber...

Welche Erfahrungen habt ihr in euren Gruppen gemacht?

Nadine
Kommentar von rolimo (19.04.06 00:09:05)

"Kinder und Tod"
Ich habe jetzt lange nachgedacht, ob bei uns etwas vorgefallen ist. Ausser, dass meine Grossmutter während dem Sola verstorben ist und dass ein Selbstmord einige Leiter unserer Schar stark beschäftigt hat, habe ich mich an nichts besinnen können.

Ich glaube deine Frage zielt auf etwas anders hin, aber ich schreibe trotzdem etwas zu den zwei Vorfällen.

- Meine Grossmutter lag im Spital -also man war vorbereitet- als sie starb. Als wir im Lager von ihrem Tod erfuhren, waren wir selbstverständlich traurig. Aber was sollten und konnten wir machen? Nach Hause gehen? Nein! Wir blieben im Lager. Mein Bruder und ich waren schon (Hilfs-)Leiter für uns war es das Problem mit den Zimmerkollegen klein. Meine Schwester (als TN im Lager) fragte, wie sie es ihren Zimmergenossinen sagen solle. Sie wählte darauf hin eine Leiterin aus, die im Mädchenzimmer (in Abwesenheit meiner Schwester) erzählte, was vorgefallen war. Damit war die Sache erledigt und meine Schwester konnte in das Schlafzimmer zurück und problemlos (damit meine ich nicht trauerlos) einschlafen.

- Vor nicht allzulanger Zeit hat sich ein Leiter einer anderen Schar sich sein Leben genommen. Einige Leiter unserer Schar gingen an die Beerdigung. Sie erzählten danach darüber... Der Jugendarbeiter unserer Pfarrei organisierte aus diesem Grunde eine Diskussionsrunde zum Thema "Selbstmord" Wir blieben nach einem Leiterkreis länger zusammen, sahen gemeinsam einen Film zum Thema, hörten Zahlen (von wikipedia) und sprachen daruber.
Ich habe diesen Abend sehr spannend gefunden, auch wenn ich nicht direkt davon betroffen war.

Ich hoffe diese zwei kurzen Episoden (eher aus dem Leiterleben) sind für dich nadine interessant. :-)
Kommentar von Unbekannt (01.07.06 21:38:39)
Unbekannt
Unbekannt


User ausgetreten

Habe selbst auch noch keine Erfahrung mit dem Thema Tod auf Ferienlagern gesammelt. Naja...außer das ich mich mal tierisch in die Nesseln gesetzt habe bei einer Teilnehmerin. Habe gefragt wie es ihrer Mutter geht und dann kam "Ach, die is vor 4 Jahren gestorben" zurück. War aber nicht schlimm, als sie meinen Gesichtsausdruck nach ihrer Antwort gesehn hat, hat sie erstmal lachen müssen.
War mir aber extrem peinlich, ich wusste davon einfach nix...

Persönlich fühle ich mich nicht in der Lage mit Kindern über den Tod zu reden.
1.) weil ich ein zu rationaler Mensch bin.
2.) weil ich zu empfindlich geworden bin. Bei den Kids mit denen ich zu tun habe ist das ein zum Teil sehr sensibles Thema und wenn ich da Mist baue kann das meine Beziehung zu den Kids zerstören oder beeinträchtigen. Ich bin auch viel im Feld des Jugendamts unterwegs, daher hab ich gelernt warum Kompetenzen so wichtig sind. Und mit den Erfahrungen die ich gesammelt habe sehe ich mich nicht in der Lage den Kindern bei solchen Situationen (sollte jemandem der Tod Probleme bereiten - in welcher Form auch immer) Beistand zu leisten. "Erste Hilfe" vielleicht, aber mehr nicht.

Wie gesagt, vielleicht bin ich etwas überempfindlich geworden durch das Umfeld meiner Arbeit. Trifft vielleicht auch auf viele Kinder nicht zu, aber auf den Teil den ich zu sehen bekomme leider doch :-(
Kommentar von uebbi (24.10.07 23:59:51)

Wir hatten dieses Jahr zum ersten Mal wirklichen Kontakt mit einem Toten. Ich muß sagen, daß es auch für mich ein sehr außerordentliches Erlebnis war.

 Unser lagerplatz lag an einer kleinen Zurbingerstraße zu einem 10 Seelendorf. An diesem Tag waren einige Helfer an unserem Haus beschäftigt für die nachfolgende Gruppe bereits einige Sachen einzulagern. Während wir aßen waren sie zugange. Der eigentliche Zeltplatz ist ein wenig weiter entfernt hinter einem kleinen Waldstück und so waren die kiddies nach dem Essen wieder recht schnell verschwunden. Ein Leiter mußte noch was bsorgen und fuhr mit dem Auto los. Er sah ein Auto 50m nach der Ausfahrt vom Platz auf die Straße a n einem Baum neben der Straße hängen, sah im Vorbeifahren aber keinen mehr und dachte sich der ist bereits ausgestiegen und ruft Abschleppdienst oder so. Trotzdem gab er uns per SMS eine Nachricht, wir sollten mal nachsehen. Wie das so ist mit der Erreichbarkeit auf dem Platz erreichte uns diese Info erst 20min später. zwei liegen direkt hin und schauten ins Auto, da lag ein Mann nach rechts gefallen und regte sich nicht mehr. Gottseidank hatten wir Tim einen erfahrenen Rettungssanitäteer im Team und direkt vor Ort. Er übernahm sofort das Kommando, zog ihn mit mir raus, legte ihn fachmännisch hin, hemd aufgerissen, Handschuh eingeschnitten zur Beatmung und legte los mit Pumpen, beatmen und so. Ein 2.rief die Notrufnummer an und meldete alles. Ich stand ziemlich perplex und unfähig daneben. Nach 2 Minuten entschloß ich mich, kurz die Straße zu den Häusern zu laufen und dort das zu melden inder Hoffnung jemand kennt denjenigen. Fehlanzeige. Nach 25 Minuten kam der Krankenwagen und schließlich der Notarzt, sie übernahmen das ganze offensichtlich mit der Gewissheit, daß hier nichts mehr geht trotzdem bemühten sie noch einige Geräte. Der Arzt schließlich besiegelte den Wiederbelebungsversuch. Wir waren geschockt.

Die Kinder haben davon kaum was mitbekommen und wir hielten sie fern der Straße. Schließlich faßten wir den Entschluß, daß wir den Kindern nicht die Wahrheit erzählen wollten, sondern, daß es einen Unfall gab und der Verletzte ins Krankenhaus gebacht wurde.

Vielleicht die falsche ENtscheidung, um sich vor möglichen Fragestellungen mit den Kindern zu drücken und auch gefährlich, da das natürlöich irgendwann rauskommt, daß wir "gelogen" haben. Für uns war es damals eine gute Entscheidung, da wir das THema erst selbst besser verarbeiten wollten.

4 Tage später kam eine Frau vorbei auf dem Platz und sprach mich an, ob ich etwas von dem Unfall mitbekommen hätte und wüßte, wo es passiert ist. Sie stellte sich als gute Freundin des Verunglückten heraus und nachdem ich ihr den Ort gezeigt hatet und kurz von unserer Rettungsaktion berichtet hatte, sagte sie mir, daß sie glaubt es war gut so, daß er gehen durfte. Sie hat einen Mann zur Pflege zuhause und er wußte genau, was das bedeutet und wollte das nie jemanden zumuten. Er wollte wenn er mal gehen muß schnell und unmissverständlich sterben. Zudem hat er scheinbar einige Tage vorher bereits seltsam reagiert, so als wüßte er, daß er vielleicht nicht mehr lagne leben könnte. Diesen Hintergrund fand ich persönlich sehr schön zu erfahren und auch wenn ich es nicht "passend" fand, daß er bei uns starb, so konnte ich doch ein wenig Frieden schließen bei dem Gedanken, daß wir ihn nicht mehr zurückholen konnten.

Außerdem habe ich gemerkt, wie wichtig es sein kann Menschen dabei zu haben, die Ihr Handwerk verstehen. Tim ist ein etwas rauher Geselle, der sich auch in der Feuerwehr stark engagiert mit allen dort herschenden Umgangsformen. Aber an diesem Tag hat er bei mir tiefen EIndruck hinterlassen.

das war jetzt bestimt vor allem für mich wieder wichtig, das mal hier loszuwerden. Vielleicht hat es nicht gepaßt, aber danke, daß ich es so nochmal loswerden durfte.

 Thomas

Kommentar von monnica (31.10.07 21:16:28)

Meine Schwester hat eine Freundin (sie ist also etwa 4 Jahre jünger als ich), deren Mutter vor einigen Jahren gestorben ist. Ich habe selber zu Beginn grosse Probleme gehabt, wie ich mich dem Mädchen gegenüber verhalten sollte. Es kam mir irgendwie makaber vor, mit ihr umzugehen, wie vorher, aber ich habe dann gemerkt, dass es genau das ist, was sie eigentlich will. Manchmal erzähle ich ihr auch etwas, was sie mit ihrer Mutter gemacht (oder ihre Mutter mit ihr), und sie kann ganz offen darüber reden. Ich glaube, sie hat viel weniger Probleme damit, als ich.
Kommentar von Unbekannt (01.11.07 11:10:21)
Unbekannt
Unbekannt


User ausgetreten

Hatte auch mal so ein Mädel dabei und hab mich natürlich voll in die Nesseln gesetzt. Ich wusste nicht, dass die Mutter gestorben war und hab dann beim Postkartenschreiben versucht sie zu motivieren...

"Schreib die doch deiner Mama" und dann hat sie mich böse angeschaut und ganz trocken entgegnet "...die is seit nem halben Jahr tot"

Damn - Volltreffer :-)

Aber sie hatte eigentlich nie wirklich ein Problem damit, wir als Betreuer warn einfach nur total unsicher wie wir mit der Situation umgehen sollten. 




Gerne darfst du auf diese Seite verlinken.
Zur Verlinkung aus Beiträgen im Grik verwende den folgenden Code: [AL]2456[/AL] (weitere Informationen zu diesem Code und weitere Codes findest du in Youth and me vom 15.05.07 ab Seite 9). Für die Verlinkung von externen Seite benutze bitte die folgende Url: http://www.grik.de/a2456-Austausch-Welche-Erfahrungen-hattet-Thema-Kinder-Tod.html