Korrekte Wundversorgung
von Christiane (13.09.05 23:14:56)Einige Artikel und Kommentare zum Thema Erste Hilfe enthalten Empfehlungen, die teilweise falsch und fahrlässig sind.
Wegen der Wichtigkeit des Themas möchte ich folgendes zu bedenken geben:
1. Je früher eine Wunde gereinigt wird, desto unwahrscheinlicher ist das Eindringen von Keimen. Deswegen ist dies bei Bagatellverletzungen durchaus Aufgabe der Gruppenleiter. Dazu gehört das Reinigen der Wunde mit sauberem Wasser und anschließendem Desinfizieren. Woher ihr die Information habt, dass dies veraltet sei, weiß ich nicht. Es gibt genügend Gerichtsprozesse wegen mangelnder Hygiene und anschließenden Infektionen.
Ausbluten lassen und desinfizieren müssen sich nicht widersprechen.
Bei der Wahl des Desinfektionsmittel hat man mehrere Möglichkeiten, es sollte aber kein Hände- oder Flächendesinfektionsmittel sein, sondern für offene Wunden geeignet sein. Von Betaisodonasalbe ist abzuraten, da die Wunde durch die Salbengrundlage luftdicht verschlossen wird und sich die Keime darunter durchaus immer noch vermehren können.
Besser ist Betaisodonalösung, die allerdings Allergien auslösen kann.
Besonders gut geeignet ist 3%ige Wasserstoffperoxislösung oder Kaliumpermanganatlösung. Wer`s lieber alternativ mag, benutzt eine 1%ige Calendulalösung.
Durch eine korrekte Wundversorgung könnte man auf viele Antibiotika verzichten.
2. Wenn ihr als Gruppenleiter Angst vor den rechtlichen Folgen bei der Verabreichung selbst harmloser Arzneimittel habt: Warum verwendet ihr keine Hausmittel?
Getrocknete Heidelbeeren sind bei Durchfall wesentlich wirkungsvoller als Kohlekompretten.
Eine Knoblauchzehe wirkt nachgewiesenermaßen antiseptisch und hilft gut bei Halsschmerzen. Oder macht einen Quarkwickel ....
Bei Verletzungen aller Art empfiehlt sich homöopathisches Arnika.
Bei Wespen- und Bienenstichen nimmt man homöopathisches Apis.
Die Wirkung des Pfefferminztees bei Magenschmerzen und Übelkeit dürfte auch jeder kennen.
Zu 1: Unter dem folgenden Link wird von so ziemlich allem abgeraten, was du aufzählst: drk.de/erstehilfe/ehonline/lehrgang/wunden/verboten1.html (Deutsches Rotes Kreuz ... und die wissen wovon sie reden): "Bei der Wundversorgung ist grundsätzlich verboten: Wunden zu berühren, Wunden auszuwaschen, die Anwendung von Puder, Salben, Sprays, Desinfektionsmitteln und Fremdkörper zu entfernen."
Zu 2: Was darf ich mir unter "homöopathisches Arnika" und "homöopathisches Apis" vorstellen? Sind das Medikamente? Früchte?
NetDoktor.de
Erste Hilfe bei Wunden:
von Dr. med. Carolina Toepfer, Fachärztin für Kinderheilkunde
Allgemeine Informationen zu Wunden
Bei verschmutzten oberflächlichen Schürfwunden:
Wunde unter fließendem kaltem Wasser vorsichtig auswaschen.
Größere Schmutzpartikel (z.B. kleine Steinchen, Splitter) mit einer desinfizierten oder sterilen Pinzette (z.B. durch Ausglühen in einer Flamme oder Abwischen mit Desinfektionsmittel) entfernen.
Wunde mit Desinfektionsmittel (beachten: nichts Schmerzhaftes für Kinder!) abtupfen.
An der Luft trocknen lassen oder auf Wunsch mit einem Pflaster oder Verband abdecken.
Einen Arzt aufsuchen um sicherzustellen dass keine Fremdkörper vergessen wurden und Tetanusschutz ausreichend besteht.
Wie du siehst, gibt es auch andere Empfehlungen als die des DRK, das sich vermutlich eher auf größere Verletzungen bezieht.
Besonders in der Wundversorgung hat es in den letzten Jahren viele neue Erkenntnisse gegeben. So favorisiert man z.B. im Allgemeinen neuerdings feuchte Wundumschläge, wo man früher Salben empfohlen hat.
Wichtig ist halt, dass man Wunden nur mit sterilem Material berührt und dabei Handschuhe trägt.
Ich habe mir diese Ratschläge auch nicht selber ausgedacht, sondern so von mehreren Amtsärzten schon gehört und in der Apotheke dahingehend beraten.
Arnika und Apis gehören zu den wichtigsten homöopathischen Arzneimitteln. Obwohl die neueste Studie der WHO die Wirksamkeit der Homöopathie bestätigt, bezweifeln viele Ärzte dies. Deswegen geht man allgemeinhin davon aus, dass diese Mittel zumindest kein Unheil anrichten können und so werden sie denn in fast jedem Laienratgeber für Eltern empfohlen. Sie stellen damit eine gute Alternative zu Schmerzmitteln, Antihistaminika etc. dar und dürften rechtlich wesentlich unproblematischer sein als "normale" Arzneimittel.
Zu homöopatischen Arzneimitteln
Nicht, dass ich dagegen wäre. Ich selbst verwende sie und habe sie auh schon Kindern gegeben.
Wenn es einem aber, wie du oben geschreiben hast um die rechtlichen Folgen geht, ist dies ein Medikament und kein Hausmittel und darf somit nicht verabreicht werden!!!
@ Christiane: Nichts für Ungut, Studien alleine haben keinerlei wissenschaftliche Aussagekraft bzw. Verbindlichkeit.
Zu dem ganzen Thema:
Jeder behauptet da immer mehr zu wissen und neuere Infos zu haben als der andere. In Siemens werde ich anders durch unseren Betriebsarzt beraten als auf drk.de oder netdoktor.de. Ein guter Freund macht gerade eine Zivi-Ausbildung zum Rettungswagenfahrer. Der bekommt wiederum komplett andere Dinge gesagt. Wem soll ich jetzt glauben?
Meine Meinung dazu:
Solange sich es ein Arzt ansieht und ich nach bestem Wissen handle ist es okay. In der Praxis macht es bei 99,9% unserer Fälle keinen großen Unterschied ob ich die Wunde nun auswasche oder nicht, solange sich das ein Arzt schnell genug ansieht.
Um das Zitat vom Netztdoktor in den richtigen Zusammenhang zu stellen: Die dargestellten Aussagen beziehen sich nur auf Schürfwunden!
(Und das man diese etwas anders behandelt wie andere, stellt hier wohl keiner in Frage!).
Um die anderen aufgezählten Wundarten hier auch noch wiederzugeben:
Bei nicht oder nur gering verschmutzten oberflächliche Schürfwunden:
* Möglichst nicht berühren.
* An der Luft trocknen lassen.
* Blut nicht abwischen, kleinere Blutungen reinigen die Wunde.
* Pflaster sind nicht notwendig, jedoch von Kindern häufig erwünscht. Wählen Sie tagsüber ein luftdurchlässiges und über die Wundränder hinausgehendes Pflaster.
* Besser als Pflaster ist ein luftdurchlässiger desinfizierender Sprühverband.
Und bei den Wunden, auf die es ankommt (da steht übrigens nichts mehr von Auswaschen, Cremes oder Desinfizieren):
Blutende Schnitt- oder Platzwunden:
* Blutung durch Aufdrücken einer sterilen Kompresse oder eines sauberen Tuchs stoppen.
* Betroffene Körperstelle erhöht lagern.
* Wunden im Gesicht und größere oder blutende Wunden müssen innerhalb von sechs Stunden von einem Arzt begutachtet werden, da sie eventuell genäht, gestrippt oder geklammert werden müssen.
* In den meisten Fällen ist die Blutung bald gestillt.
* Bei fortbestehender Blutung muss ein Druckverband angelegt und der Rettungsdienst verständigt werden.
* Besteht die Blutung trotz Druckverbandes weiter, sollten Sie folgende Maßnahmen nacheinander anwenden, um die Blutung möglichst gering zu halten, bis der Rettungsdienst eintrifft:
o Den alten Verband nicht öffnen, sondern nochmals einen straffen Druckverband darüber legen.
o Notfalls die zuführende Ader abdrücken.
o Bei einer großen offenen Wunde: die Blutung direkt mit einer sterilen Kompresse im Wundgebiet abdrücken.
* Ein größerer Blutverlust ist lebensbedrohlich! Es kann zu einem Schock kommen.
* Kind warm halten, beruhigen und niemals allein lassen!
* An einen ausreichenden Tetanus-Impfschutz denken! Ist die Grundimmunisierung nicht vollständig oder liegt die letzte Impfung länger als 10 Jahre zurück, ist unverzüglich eine Auffrischimpfung notwendig. Bei tiefen verschmutzten Wunden eventuell gleichzeitig mit einer Passivimpfung (Tetanus-Immunglobulin)
1. Ich habe von Anfang an über Bagatellverletzungen geschrieben, also solche, die keinen Arztbesuch erfordern.
2. Die meisten dieser Bagatellverletzungen, die ich gesehen haben, waren verschmutzt: mit Sand und Dreck vom Spielplatz, Wald, Zeltplatz oder Holzsplinten, Dornen etc.
Ich glaube, dann sind wir uns doch größtenteils einig, wie man mit welcher Wundart wie umzugehen hat (und haben dabei gleich noch wichtige Unterschiede herausgearbeitet).
Ein Link noch zum Schluss: erstehilfe.grik.de
Wie sieht es denn bei kleineren Wunden aus. Wenn sich Kinder z. B. beim schneiden von Paprika mit dem Messer kurz picken, dass da so ein kleiner Tropfen Blut kommt. Da reicht doch ein Pflaster oder muss dort auch ein Arzt her?
Da reicht ein Pflaster. Zum Arzt(Notruf) musst du erst, wenn du meinst, dass du selbst nichts machen kannst. Selbst bei einem Kälte/Hitze-Schock ist es deine Ermessenssache, wie gut du dich mit erster Hilfe auskennst und den Verletzten selbst wieder hinkriegst (kühlen/wärmen).
Es ist aber immer besser einmal mehr zum Arzt zu fahren oder den Krankenwagen zu rufen, zur Sicherheit.
Könnte man mal bitte den Titel ändern, dann wird glaub ich auch klar, dass es sich um kleinere Verletzungen handelt und nicht das woran man als erstes bei "korrekte Wundversorgung" denkt.
Da der Text auch noch sehr allgemein gehalten ist könnte man auch auf die Idee kommen, dass man in allen Fällen so handeln muss.
http://erstehilfe.grik.de/ funktioniert bei mir nicht?
http://erstehilfe.grik.de/ ist im Grik seit 2007 kompllett eingegliedert im Ideenpool -> Medizin & Erste Hilfe -> Erste Hilfe auf Freizeiten, Lagern und in Gruppenstunden (EH-Wiki)
Wie Christian schon sagte gibt es die Seite da nicht mehr. Alles was du brauchst steht jetzt da ----------------------->
Achso jetzt versteh ich das, ich stand wohl ziemlich auf der Leitung ![]()
Ich finde man sollte den Titel aber trotzdem ändern z.B. wie man leichte Verletzungen behandeln kann.
Ich habe jetzt am letzten Wochenende einen Erste-Hilfe Kurs beim DRK gemacht.
Und wurde gesagt: Als Ersthelfer darf man die Wunden weder auswaschen, noch desinfizieren, noch anfassen etc.
Nur bei Brandwunden oder Verätzungen muss man die Wunden "auswaschen" bzw. Wasser drüber laufen lassen.
So hab ichs gelernt...
Oliver hat vollkommen Recht. An Alle: Wunden (egal wie groß!) - Ausnahme: Verbrennungen -dürfen von Gruppenleitern weder
- angefasst
- ausgewaschen
- desinfiziert
- mit Salben, Cremes & weiteren Wundermittelchen behandelt werden!!
Hat den Grund, das in Desinfektionsmittel verdammt viele Stoffe enthalten sind, gegen die eure Kiddis allergisch sein können. Das wissen die oftmals selber nicht. Das Selbe gilt für Cremes, Salben usw.. Die dürfen nur von Ärzten, bzw. im privaten Gebrauch benutzt werden. Heißt, als Mutter ist es dir selbstverständlich erlaubt, Wunden zu desinfizieren - als Gruppenleiter ist es jedoch streng verboten! Wasser enthält Keime, deswegen auch das nicht.
Und das Gruppenleiter KEINERLEI Medikamente verteilen dürfen, ist doch wohl einleuchtend, oder?! Im Grunde darfst du nicht einmal einem am Boden liegenden Asthmatiker sein Spray in den Mund schieben und abdrücken. Er muss es selbst tun, sonst bist du unter umständen auch dran. Das Selbe gilt für alle weiteren Medikamente, die von den Kindern selbst kommen. Solange sie diese noch selbst zu sich nehmen können, ist alles okay. Aber mit dem Eintrichtern von Medis und Sprays kann man sich strafbar machen.
Und diese Regelung gilt nicht nur für Laien und Ersthelfer, sondern sogar für mich als Sanitäter.
Das Verabreichen von Medikamenten wird in einem anderen Beitrag diskutiert (übrigens ganz so ist es nicht auf Freizeiten und in Gruppenstunden) und spielt hier keine Rolle.
Ich finde den GRIK wirklich super toll, aber mal so anders gesehen: Sollte Erste-Hilfe wirklich ein Diskussionsthema sein? *zumdenkenanreg*
edit: ÄÄhhhhmmmm:
Ps.: Eltern dürfen mit den Wunden ihrer Kinder "alles" machen... nur wenns Fremde Kinder sind nicht.
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