Ideen zur Drogenprävation
von Unbekannt (09.06.05 15:14:38)In einer der nächsten Tutorenstunden werde ich mich mit meiner sechsten Klasse das Thema "Drogen" behandeln. Auch Lehrer haben sich schon bereiterklärt mitzumachen.
Habt ihr Ideen, wie man die Gefahren von Drogen am besten rübertbringt? Auch Fakten (Drogentode, etc.) wären gut geeignet.
Vielen Dank im Voraus für eure Mithilfe!
Thomas
Naja...Bahnhof Zoo würde mir als super Einstieg einfallen. Dazu sind die Kids aber auch noch etwas sehr jung. So wirklich nachvollziehen wird keiner die Wirkung und Gefahren von Drogen in dem Alter können (zumindest hätte ich es nicht gekonnt in der 6. Klasse).
Vielleicht helfen dir diese Links etwas weiter:
http://www.bpb.de/publikationen/F4AXS3,0,0,Sucht_und_Drogen.html
http://www.bpb.de/presse/0RSMXW,0,0,Was_macht_s%FCchtig.html (<= besonders interessant)
http://www.bpb.de/publikationen/ZH3K9B,0,0,Gesellschaft_und_Sucht.html
Die Links kommen von der Bundeszentrale für politsche Bildung. Eine super Quelle für Lehrer wie ich finde, aber eher für die älteren Schüler gedacht. Mit etwas Kreativität kann man aber sicher das eine oder andere auch für Jüngere nützlich werden.
ich hoffe, dass du das thema in deiner tutorenrunde nochmal aufgreifst. ist meiner meinung nach aktueller, als man sich wünscht. ich würd mich jedoch nicht nur auf theorie und zahlen versteifen, die sind für kids in dem alter meist zu abstrakt. sie mal, ob ihr in eurer stadt eine drogenberatungsstelle habt, die bieten immer seminare für schulklassen an. da können sie simulationsbrillen ausprobieren und ähnliches. dann würde ich empfehlen, eine örtliche selbsthilfegruppe anzusprechen. die sind meistens bereit, jemanden vorbeizuschicken, der seine erfahrungen mitteilen kann, damit bekommen die risiken ein gesicht und sind nicht mehr so abstrakt.
Direkt Ideen habe ich nicht aber bei der Polizei gibt es einen Drogenbeauftragten oder rede mit dem Jugendsachberater.
diese drogenbeauftragten der polizei würde ich persöhnlich nicht wählen, allenfalls als ergänzung. sie haben ein fundiertes theoriewissen und sogar einen beispielkoffer mit den gängien drogen, aber meine erfahrung hat gezeigt, dass das für einige kinder eher ein "was hab ich noch nicht ausprobiert angebot" ist. das angebot ist in der theorie sehr gut, aber es fehlt immer der bezug zum wirklichen leben. den bezug und die realität bekommt man nur von ehemaligen, aber die idee mit dem jugendsachberater find ich gut. die arbeiten mit dem jugendamt zusammen und haben die mittel, ein komplettes seminar mit gastrednern zu organisieren. eine alternative wäre, sich direkt ans jugendamt zu wenden und nachzufragen, ob sie nicht solche progamme anbieten.
Drogen - also die "richtigen", bösen illegalen Drogen sind m.E. für Sechstklässler noch ziemlich weit weg. Wenn man nur wenig Zeit für Suchtprävention hat - wie es in der Schule leider meistens der Fall ist - sollte man sich lieber auf diejenigen Suchtmittel beziehen, die den Schülern näher liegen, nämlich Alkohol und Zigaretten bzw. Tabakwaren überhaupt (Shishas z.B.). Oder man redet mal über Computerspiele, Internet, Fernsehen, also etwas aus dem normalen Alltag der Schüler.
Wichtig wäre es hier zusammen mit den Schülern rauszuarbeiten, wo noch der normale Gebrauch oder Genuss ist, wo es bereits suchtgefährdend wird und wo man bereits von Anhängigkeit/ Sucht gesprochen werden kann. Vielleiecht können sie sich dadurch selbst überprüfen, ob sie von etwas abhängig sich oder zu werden drogen. Oder dass ein Mitschüler ihrer Klasse gefährdet ist.
Als praktische Übung dazu könnte man als Lehrer an der Tafel einmal die Lieblingsfreizeitbeschäftigungen der Schüler brainstormingartig aufschreiben. Da kommt zienmlich viel zusammen: z.B. mit Freunden telefonieren, Fußball spielen, Sport überhaupt, fernsehen, lesen, in die XY-Gruppe gehen, sich mit Freunden treffen, Computer spielen usw. Gemeinsam haben alle diese Dinge, dass sie Spaß machen und gute Laune bringen. Solange man diese Vielfalt an Freizeitbeschäftigungen hat und sozusagen aus einem großen Angebot an Möglichkeiten auswählen kann, ist alles wunderbar.
Nun aber sollen sich die Schüler mal einen Mitschüler vorstellen, der diese Vielfalt aus irgendwelchen Gründen nicht zur Verfügung hat. Vielleicht ist er neu an der Schule und hat noch keine Freunde (Lehrer streicht "mit Freunden telefonieren" und "sich mit Freunden treffen") Leider ist er auch ziemlich unsportlich (Lehrer streicht "Fußball spielen", "Sport überhaupt") er liest auch nicht gerne (Lehrer streicht "lesen") und neu in eine Gruppe zu gehen, traut er sich nicht (Lehrer streicht "in die XY-Gruppe gehen").
So hat dieser Schüler auf einmal nur zwei Sachen in seinem Leben, die ihm Spaß machen und Lebensfreude bringen, nämlich fernsehen und Computer spielen. Sonst ist nichts in seiner Freizeit! Damit ist er von diesen beiden Dingen abhängig und wird um keinen Preis darauf verzichten wollen, denn was bliebe ihm sonst?
Ich habe diese Übung auch schon einmal mit einer vierten Klasse gemacht und auch diese haben verstanden, wie gefählich es ist, wenn sich das Freizeitverhalten und die Auswahl dessen, was im Leben Spaß macht, auf nur ein oder zwei Dinge verengt. Und dass der Schlüssel zur Unabhängigkeit in der Vielfalt liegt.
Mit Sechstklässlern kann man dazu noch erarbeiten, dass in allen Genuss- und Suchtmitteln ein bestimmtes Suchtpotential steckt, das zu der oben geschilderten aktuellen Situation, die möglichweise suchtfördernd ist, noch weitere psychisch und körperlich ansprechende Lockstoffe innehat, die zum wiederholten Konsum auffordern.
Wer noch weitere Ideen sucht (jetzt mache ich ein bisschen Eigenwerbung
), dem möchte ich mein SuchtSpielBuch empfehlen, erschienen im Kallmeyer-Verlag.
In Baden-Württemberg übrigens gibt es in dem meisten Landkreisen/Landratsämtern soganannte "Kommunale Suchtbeauftragte"!, die gerne Kontakt zu geeigneten Fachleuten bei der Polizei, Suchtberatungsstellen, Ex-Usern und Selbsthilfegruppen herstellen, die man mal in die Gruppe oder in die Klasse einladen kann. In jedem Fall aber würde ich dazu raten, mir erstens darüber konkret Gedanken zu machen: Was will ich, was als Botschaft rüberkommen soll? und mit dem Experten dann vorher konkret durchzusprechen, ob Ihr da auf einer Wellenlänge seid.
wie definierst du "böse" drogen, mit illegal kann ich noch was anfangen. zudem hab ich die erlebt, dass selbst die sechsklässler schon sehr viele erfahrungen mit hasch und alkohol haben. sie hängen viel mit den älteren brüdern ab, die konsumieren. einige haben schon eigenene erfahrungen gemacht. wir hatten schon zehnjährige, die volltrunken nach hause gekommen sind. vielleicht liegt es an dem ort, wo ich arbeite ("stadtteil mit erhöhtem förderbedarf"), aber ich denke, man kann dass problem sucht in dieser altersgruppe nicht auf fernsehen und computer reduzieren. gerade in diesem alter sind sie sehr sensibel für solche dinge und man kann sie gut erreichen, je älter sie werden, desto schwerer wird es.
sie werden täglich mit den legalen drogen tabak und alkohol konfrontiert, seis im fernsehen oder auf werbeplakaten. wenn man die kinder in diesen bereichen sensibilisieren kann, ist die chanca gross, dass sie auch mit anderen drogen nichts zu tun haben wollen.
in zwei punkten stimme mit dir überein.
die diskussion, wo genuss aufhört und sucht anfängt, finde ich grundlegend, sollte aber von leuten vermittelt werden, die wissen, wie diese grenze aussieht.
zum anderen denke ich auch, dass isolation ein hoher risikofaktor sein kann, aber nicht muss. nur, weil jemand einsam ist, wird er nicht zum abhängigen, da spielen leider noch viele faktoren mit. aber man kann solche kinder/ jugendliche beobachten, ob sich ihr verhalten ändert, was hinweise auf eine suchttendenz geben kann.
Wahrscheinlich liegt es an unserem unterschiedlichen Umfeld, dass wir auch unterschiedliche Erfahrungen mit Kindern und ihrem Wissens- und Erfahrungsstand machen. Bei uns scheint es - trotz Großstadt Heilbronn - doch noch sanfter zuzugehen als bei Dir, Holger. Obwohl es hier natürlich auch spezielle Viertel gibt. Und da ist es natürlich sinnvoll, illegale Drogen ausführlich zu behandeln!
Mein Appell von oben gründete sich aber auf die Erfahrung mit leider vielen Lehrern, dass sie Suchtprävention lieber über illegale (= "böse", s.o.) Drogen abhandeln als über die Alltagsdrogen Alkohol und Nikotin. Und es auf diese Weise - absichtlich oder nicht - vermeiden, persönliche Betroffenheit auszulösen und damit das Nachdenken über sich selbst und den eigenen Umgang mit Frust, Enttäuschung, Langeweile usw.
Noch ein Tipp für Ideensucher in der Schule: Eigentlich müsste es an jeder Schule einen Suchtpräventionslehrer geben. Je nach Bundesland heißen die wahrscheinlich unterschiedlich, bei uns ist der offizielle Titel "Lehrer für Informationen zur Suchtprävention". Diese Lehrer werden in diesem Thema geschult und müssten eigentlich genügend Ideen haben, wie man Suchtvorbeugung an der Schule durchführen kann, entsprechende Kontakte zu Fachstellen haben usw. Ihre Aufgabe ist es nicht, selbst der einzige Lehrer zu sein, der Suchtprävention an der Schule macht, sondern Informationen zu sammeln, aufzubereiten und dem Kollegium zugänglich zu machen.
das stichwort ist "eigentlich"!!!
so etwas, wie einen suchtpräventionslehrer gibt es an den schulen unserer kinder nicht. das läuft alles über externe, entweder die suchtbeauftragten der polizei (die stehen mit dem erhobenen zeigefinger da) oder einmalige aktionen in der drogenberatungsstelle.
dem gegenüber stehen eltern und geschwister, die vor den augen der kleineren konsumieren. es ist schwer, da dazwischen zu kommen.
die idee eines prävetionslehrers find ich klasse, dadurch kann man die lehrer sensibilisieren, risikoverhalten frühzeitig zu erkennen. wenn sie sich dann mit dem präv.-lehrer kurzschliessen, dann kann man vieleicht eingreifen, bevor das kind in den brunnen gefallen ist. erfordert aber leider eine komsequente zusammenarbeit mit dem kollegium. meine erfahrung hat leider gezeigt, dass gerade die älteren selten bereit sind, sich änderungen zu stellen und umzudenken.
ich denke, dass man da gerade die junge generation ansprechen muss, um eine wirkung zu erziehlen.
Bevor wir jatzt aber nur über Lehrer ablästern, möchte ich doch eines klarstellen: Es gibt diese Lehrer, wir wir beide sie kennen und beschreiben! Aber es gibt zum Glück auch den anderen Schlag von Lehrern, die sich sehr für ihre Schüler engagieren, ihren Unterricht innovativ und mit Herzblut führen, gerne Lehrer sind und Kinder mögen. Und ich bin mir nicht einmal sicher, ob das Alter da einen Unterschied macht.
Dort aber, wo die unengagierten Lehrer blockieren, lässt sich manchmal und mit viel Ausdauer einiges über den Elternbeirat erreichen. Denn zum Glück geibt es auch solche Eltern, die ihre Verantwortung als Mama und Papa ernst nehmen und etwas tun wollen, um ihre Kinder zu schützen.
Gint es bei Euch so etwas wie einen Stadtteilarbeitskreis zur Jugendarbeit? Manchmal lassen sich auch darüber sehr gute Präventionsprojekte starten.
Hallo
Also ich selbst habe das Thema drogen auch schon in einer Gruppenstunde gemacht. Wir hatten einen Referenten aus einer Suchtklinik da, der hat dann einiges Erzählt und einen kurzen Film gezeigt. Du kannst aber auch mal schauen, und z. B. eine Film über die Kinder und Jugendpsychatrie oder über Drogen suchen in der Bücherei etc.
Desweitern hab ich mit den Kindern noch eine Collage aus allen Zeitungsartikeln gemacht, die innerhalb der letzen Woche über Drogen, und Dorgenfunde in der Reginolzeitung waren. Erstaunlich was man da alles findet.
Was ich sehr interessant finde, allerdings weiß ich nicht ob es bei euch möglich ist, einmal war ich selbst auf einen Vortrag von der Polizei über Drogen und die haben dann die Drogen im Original dabeigehabt, da ich ehrlich gesagt nicht wusste wie das ganz genau aussieht.
Ich hoffei ch konnte dir weiterhelfen
Liebe Grüße
TINA
ich will auch nicht über ältere lehrer ablästern. ich hab beide typen kennengelernt, leider zu oft die uniteressierten. solche sachen, wie stadtteilbeirat oder elternbeirat sind bei uns leider spärlich gesäht. wir haben einige engangierte lehrer, aber die rennen überall gegen mauern.
einen tipp hab ich noch. ich weis, dass viele selbsthilfegruppen regelmässig einen älteren teilnehmer in die entgiftungsstation der örtlichen klinken schicken. über die diakonie oder caritas kann man herausbekommen, welche gruppen das tun, oder man fragt direkt in der suchtambulanz nach. diese leute sind mit sicherheit bereit, den kindern die gefahren von alltagsdrogen zu vermitteln. sie sind in der regel gruppenleiter, dass heist, sie brigen sowohl eigene erfahrungen, als auch die erfahrungen der gruppe mit und können diese auch kompetent vermitteln.
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