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Diskussionsplatz - pädagogische Fragen

Bestrafung

von Unbekannt (01.05.05 10:55:00)

Alle Antworten sind auf 0.1 GM begrenzt, weil diese Rubrik eine Sonderaktion ist und so vielen Betreuern wie mnöglich zugänglich gemacht werden soll innerhalb des grik's.

Hier ein etwas heikles Thema:
Wann gebt ihr Strafen?
Wie bestraft ihr die Kinder wenn sie etwas angestellt haben?
Welche Praktiken habt ihr?
Gibt es bei euch Standardstrafen?
Und was macht ihr wenn die Kids trotz Strafe wiederholt gegen die Regeln verstoßen?
Welche Möglichkeiten hat man, dies verständlich zu tun?

Bin gespannt auf die Meinungen (die dieses Mal sicher auseinandergehen werden *gg*).

Danke an Christian für die Idee!
Kommentar von betty (02.05.05 19:16:53)

Bei mir gibt es in den Gruppenstunden nur eine Strafe und diese ist die Auszeit, diese wird verhängt wenn ein Kind nach mehrmaligem ermahnen, immer noch nicht hören will. Die Auszeit dauert für gewöhnlich 5 Minuten, kann aber auch verlängert werden, während dieser Zeit reagiert keiner auf das "Auszeitkind", bei neueren Gruppenkindern, erkläre ich immer warum sie jetzt in eine Auszeit geschickt werden, bei Kindern die länger in der Gruppe sind, frage nach der Auszeit immer nach, ob sie wissen warum, in den meisten Fällen, sind sie sich dessen durchaus bewusst, wenn nicht, dann wird es erklärt.
Weiterhin versuche ich Schimpfwörter aus den Gruppenstunden fernzuhalten, inzwischen besteht auf Schimpfwörter die Kitzelstrafe, d.h. Das Kind , kann aber auch schon mal ein Betreuer sein, denn wem entfährt manchmal nicht das Wort Sch....., wird bis zu den lachtränen durchgekitztelt, funktioniert ziemlich gut.
Kommentar von Unbekannt (03.05.05 17:31:21)
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Ich versuche die Strafe immer in einen konkreten Bezug zum Vergehen zu stellen. Das klassische Beispiel ist wohl Abspüldienst bei irgendwelchen Dingen am Essenstisch. Wobei ich Spüldienst als Strafe ganz abgeschafft habe, ich finde der Spüldienst sollte Spaß machen und nicht als Strafe "missbraucht" werden. Aber darüber kann man streiten, das ist so meine Meinung *gg*
Ansonsten gebe ich den Kids auch eine Art Auszeit, gerade bei ADS und Problemen mit der Einhaltung der Nachtruhe ist das so meine Standardreaktion, wenn eine Sache mir droht aus der Hand zu gleiten. Ist allerdings auch schonmal schief gelaufen und dann haben die Kids ne Party im Flur gefeiert :-)
Seit dem wende ich die Strafe nur noch sehr überlegt an und die Kids kommen in ein Zimmer. Wichtig dabei ist mir nur, dass das Kind weg von den anderen ist und auch aus meinem Sichtkontakt. Hat den einfachen Grund, dass so die Kids wirklich nachdenken können und keine Angst haben müssen, sie könnten Schwäche vor mir zeigen und damit den Machtkampf verlieren (sie können ihr Gesicht wahren). Ist bei unsren Freizeiten ein wichtiger Punkt. Gerade wenn alles drunter und drüber läuft...

Ansonsten wird alles mündlich (soweit wie möglich ohne Strafen) geregelt. Meistens reicht schon ein Gespräch und ein ernster Betreuer, aber da braucht man eine dicke Vertrauensbasis bei unsren Kids. Darauf arbeiten wir eigentlich auch hin.

Bei ganz "krassen" Fällen gibts bei uns auch noch "Liebesentzug". Konkret heißt das: keine Streicheleinheiten mehr, weitestgehende Ignorierung durch (Lieblings-)Betreuer usw.
Sehr hart für die Kids, aber manchmal einer der wenigen Wege auf denen es möglich ist vernünftig mit dem Kind zu reden. Wir machen das in der Regel so lange, bis das Kind bereit ist mit uns zu reden (bzw. mit seinem Lieblingsbetreuer). Meistens dauert das keine 10 Stunden, aber wie gesagt, diese Strafe ist schon wirklich böse und man sollte sehr gut beobachten wie die Reaktionen des Kindes sind und bei Bedarf abbrechen. Gerade bei fehlender Sozialkompetenz trifft es die Kids wie ein Brett vor den Kopf, wenn sie merken, dass sie es zu verantworten haben das der Betreuer sie ignoriert und es keine Neckereien und Kuscheleinheiten mehr gibt. Dabei betonen wir auch einige Mal, warum wir jetzt keine Lust mehr auf Kuscheln & Co haben. Wirksam, aber gefährlich da es einen großen Druck auf einige Kinder erzeugt.
Kommentar von Tobias (03.05.05 20:40:35)

Das mit dem Bestrafen ist immer so eine Sache. Oft ist es schwer zu dem speziellen Vergehen (Fehlverhalten) eine geeignete Bestrafung zu finden, die auch noch im Zusammenhang mit der Sache steht. Sicherlich ist es nicht sinnvoll den notwendigen Spüldienst dafür zu missbrauchen, oder auch den unbeliebten Putzdienst der sanitären Anlagen. Wir haben auf den Lagern eigentlich ganz gute Erfahrungen gemacht mit der Verhaltensbeurteilung, d.h. jeden Abend wird über jedes Kind / Teilnehmer gesprochen ob etwas positiv negativ oder irgendetwas anderes aufgefallen ist. Das ist oft auch gut und über Probleme falls vorhanden i Leiterteam zu sprechen. Aber auch hier sind ein paar Dinge zu beachten
1.Es macht wirklich nur Sinn wenn man den Kindern vorher sagt dass man so etwas durchführt, sonst könnte es am Ende falsch verstanden werden.
2.Man muss sehr konsequent sein, da es sonst nichts bringt!
3.Man muss auch darauf achten das die Kinder sich allerdings nicht gegenseitig aufhetzen.
Am letzten Abend gab es dann immer für jedes Kind eine Urkunde, die mit lustigen Titeln versehn waren, wie zu Beispiel Dauerreinschwätzer oder Aufräumengel, usw.
Bei uns ist dann ein richtiger Wettkampf entstanden wer den besten Titel hat und die Kinder regeln das Fehlverhalten untereinander.
Sicherlich ist dass nicht die Lösung für alle Probleme, aber ein Versuch immer wert.
Kommentar von Tomas (03.05.05 23:43:31)

Bei Fällen bei denen kaum noch ein anderes Mittel hilft hat es sich oft als hilfreich gezeigt den Gruppenzwang, sowie die Lust des Kindes an der Gruppe teilhaben zu wollen zu nutzen.
Oft reicht schon eine Androhung das Kind von gewissen aktivitäten, Spielen usw ausschließen zu wollen.

Grundsätzlich kann man aber sagen die Strafen (oder auch Konsequenzen) für Kinder müssen eben dem Alter angepasst sein.
Manchmal hilft ein böse Blick, ich kenn jedoch auch Kinder die Lachen Dich aus, wenn Du versuchst sie damit zu bestrafen :)

Strafen sind immer ein wenig Glücksspiel meiner Meinung nach. Und gute Strafen gibt es nicht, wenn ein GL erst eine Strafe verhängen muss ist meiner Meinung nach auch immer der GL ein wenig schuld.
Leider vergessen auch viele GL dass auch sie mal Kind waren und manche sachen einfach keiner Strafe sondern eher einem Lächeln würdig sind :)

just my 2 cent
Kommentar von mehlersoft (06.05.05 16:37:24)

Möchte hierzu nur nochmal auf einen anderen Artikel verweisen: Time Out (Vorschau)

Aber ansonsten finde ich den letzten Satz von Thomas sehr wichtig, aber man muss auch trotzdem (wie oben gesagt) Grenzen ziehen und konsequent bleiben.
Kommentar von rolimo (10.05.05 09:07:25)

Über Bestrafungen haben wir hier (Vorschau) schon einmal diskutiert.
Es ist jedoch ein Thema, dass immer aktuell ist und nicht vernachlässigt werden darf.
Wenn jemand Lust hat, kann er die Erkenntnisse im anderen Artikel hier zusammen fassen... anderenfalls werde ich es machen, wenn ich wiedermal Zeit habe... *g*
Kommentar von Kathi (10.05.05 15:47:47)

Bei uns ist es auf Jugendfreizeiten üblich, rote und gelbe Karten (wie bei einem Fußballspiel) zu benutzen. Wenn ein Kind die gelbe Karte bekommt, weiß es, dass es sich so nicht verhalten kann und dass es sein Verhalten ändern muss. Tut es das aber nicht und macht weiterhin Unsinn, gibt es die rote Karte und zusätzlichen Küchendienst. Klar vergeben wir nicht sofort die Karten und reden ein "ernstes Wörtchen" mit den Kids, aber sie müssen wissen, bis wohin sie gehen können. Und eigentlich funktioniert das auch ganz gut.
Kommentar von Unbekannt (10.05.05 17:26:41)
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Ich würd noch meinen Senf zu Thomas loswerden: (jaja...ich kann wieder nicht die Klappe halten, ich weiß *gg*)
ich finde solche Gruppenzwang-Strafen sehr gefährlich. Hilfreich ja, aber zu welchem Preis? Ich traue mir ehrlich gesagt nicht zu diese Gruppenprozesse wieder zu stoppen, die im schlimmsten Fall damit angestoßen werden. Damit macht man ja ein Kind gezielt zum Außenseiter und das bestrafte Kind hat Probleme sich seine alte Rollen wieder anzueignen.
Es gehört eine Menge Sensibilität und Erfahrung dazu, das Kind (wenns richtig dumm läuft) wieder zu integrieren sowie es vor der Strafe war.
Sicher, bei Küchendienst oder so ist das kein Problem. Aber bei größeren Strafen a la "Heute gehts nicht zum Strand, bedankt euch bei Martin" ist das sehr gefährlich.
Ich selbst habe es vorallem am Anfang, einfach aus Hilflosigkeit heraus, so versucht. Damit habe ich am Ende eine Außenseiterrolle geschaffen und war nicht in der Lage das wieder hinzubiegen.
Selbst heute bin ich mir nicht so sicher, ob ich so eine Situation handeln könnte. Ist so mein persönlicher "worst case"...
Kommentar von Drachentraeger (26.02.06 18:06:03)

Der Begriff "Strafen" ist schon in sich problematisch in der Jugendarbeit. Aber wir kommen natürlich nicht um ein konsequaentes Verhalten herum. Kinder müssen - bei aller Notwendigkeit ihnen Freiräume zu eröffnen - Grenzen einhalten - zun ihrem aber auch zu unserem Schutz.
Da wir als vernünftige Menschen ja über alles reden können - reden wir natürlich immer - was nicht immer den Kindern entgegen kommt. Mancher Grenzverstoß ist halt ein Test - und braucht eine konsequente Anwort / Reaktion --- die Sache mit den Gelben und Roten Karten finde ich gut - denn Gelb heißt Stop - und vermutl. reicht es in 97% aller Fälle aus Gelb zu zeigen und vermutl. ist es auch besser als das Kind todzuquatschen.

Aber auch wenn wir gar nicht Strafe im Blick haben - unsere Reaktion (die wir ja nicht immer im Griff haben) kann schon weh tun - verletzten - auch unbeabsichtigt - und insofern ist es auch immer ein wenig Glück dabei den richtigen Ton zun finden.

Gruppendruck ist ein gefährliches Instrument und zu schnell wird ein Kind ausgeschlossen. Davon würde ich die Finger lassen - hier bringe ich einen Prozess in Bewegung den ich nicht steueren kann.

Und leider sind es natürlich oft die schwierigen Kinder, die nerven und auch noch ungeschickt sind - die uns vielleicht schon "quer liegen" - und egal ab ADS oder nur nervig - gerade diese Kinder brauchen unsere Zuneigung, Konsequenz und Wertschätzung (die diese Knder oft sonst nie erfahren) - und da beginnt unsere wichtige Arbeit immer noch weit vor dem Thema "Strafe".
Kommentar von alles_bloed (26.02.06 19:10:26)

Strafen ist eine heikle Sache,.. und die Frage ist, was bezwecken sie wirklich... ?
Meiner Ansicht nach hat jedes Verhalten Ursache und Wirkung. Verhalten ist auch Zweck und Ausdruck. Verhalten kann aber auch ein Hilfeschrei bedeuten!

Wer definiert schlechtes Verhalten überhaupt und wie ist schlechtes Verhalten zu definieren? Ist nicht unser eigener Umgang mit den gezeigten Verhaltensweisen zu überprüfen? Wann hält man es richtig zu strafen? Wenn ich oder andere von Verhaltensweisen angenervt bin, also eigene Hanlungsunfähigkeit/Ohnmacht spüre? Wenn jemand sich verhält, wie die eigene oder allgemeine Erwartung (selbst erfüllende Prophezeihung oder: ist der Ruf einmal ruiniert...) daran ist?

Vielleicht ist das Kind mit sich selbst so unglücklich, dass es gar nicht anders kann, oder hat gelernt, dass es Aufmerksamkeit erhält wird, wenn es etwas Negatives macht...
Erfüllen da Strafen nicht genau die Erwartung an negativen Verhaltenserwartungen...? (Teufelskreis)

Wir sollten reflektieren, dem begegnen und Gelegenheiten für erwünschtes Verhalten bieten. Bspw. durch das geleitete Aufbrechen negativer Rollen- und Verhaltensmuster mittels positiver Aufmerksamkeit und positiver Ansprache. Ich denke gerade die sog. "devianten" Kinder brauchen liebevolle Zuwendung und ein Gefühl des Angenommenseins, der Wertschätzung etc.
Meines Erachtens müssen eher wir Erwachsenen mehr Zeit und Geschick aufbringen, also handlungsfähiger werden, um Kindern gewünschtes Verhalten vorzuleben und Kindern Brücken bauen um bereits eingefahrene Verhaltensweisen noch positiv ändern zu können.

Um konkreter zu werden: mehr Lob und Anerkennung für das Einhalten von Regeln als negative Aufmerksamkeit für das Zuwiderhandeln. (Prüft doch einmal wie viele Regeln ihr eigentlich aufgestellt habt  sind alle sinnvoll und überschaubar..?) Denn gerade Kinder mit negativem Selbstkonzept sind sehr sensibel, aber auch für Lob und Anerkennung. Vielleicht hat das Kind eine Stärke, die es teilen kann: z.B. anderen beibringen wie man z.B. Breakdance tanzt, oder jongliert o.a. (= positive Aufmerksamkeit und Anerkennung), ansonsten übetragt ihm/ihr eine wichtige Aufgabe für die es Anerkennung erhalten kann.

Sollte es um Leib und Leben gehen, halte ich z.B. ein zeitnahes Rollenspiel für sinnvoll, in dem "Täter/Opfer" einmal die Perspektive des Anderen (auch stellvertretend durch andere spielbar!) einnehmen können und sich und den anderen reflektieren könnten.

Mein Anliegen also: betrachtet das Verhalten immer von zwei Seiten !!! (Kinder werden gemacht!!! -- Wir sind in der Verantwortung!!! -- Und bitte keine Schubladen!!!)



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