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Diskussionsplatz - pädagogische Fragen

Ab wann sollte man sich mit Kindern inhaltlich mit dem Nationalsozialismus beschäftigen?

von Unbekannt (18.04.05 18:10:15)

es ist ja dieses Jahr der 60. Jahrestag der Berfreiung vom Hitlerfaschismus und allerhand Filme (Sophie Scholl; Der Untergang) laufem im Kino. Da sollte es meiner Meinung nach eigentlich klar sein, dass man sich mit diesen Themem auch anhand für die Kinder leicht verständlicher Beispiele, wie etwa dem Tagebuch der Anne Frank oder geschichten über die Edelweißpiraten, mit diesen Beschäftigt. Ich habe das mit meiner Gruppe (11-12) getan, auch auf ihr Fragen hin.Zum Abschluss waren wir dann noch im Dokumentationszentrum des Reichsparteitaggeländes in Nürnberg. Meiner Überzeugung nach haben sie auch viel von dieser Thematik mitgenommen und am 1.mai wollen sie unbedingt eine Gegenaktion zum dort stattfindenden Neonaziaufmarsch machen.
Nun stellte sich uns aber die Frage,im Rhamen der inhaltlichen Vorbereitung für das Zeltlager, ab wann man mit dieser Thematik anfangen sollte.
Da gibt es die einen die sagen ab 6 und dann nicht Nationalsozialismus direkt sondern anhand der thematik von Diskriminierung und Ausgrenzung in der Gesellschaft, was ich für einen sehr guten Weg halte.
da gibt es aber auch andere die sagen, man solle den Kindern noch ihre "heile" Welt lassen, was ich aber nicht für gut erachte, denn welches Kind lebt denn schon völlig frei von Diskriminierung.
Ich denke auch das ab 10 etwa ein gutes Alter ist, sich dieses Thematik über das Thema Diskriminierung zu nähern.
Was denkt denn ihr dazu?
Kommentar von mehlersoft (18.04.05 19:47:55)

Also das große Problem des Nationalsozialismus finde ich, ist dessen Umfang und Facetten-Vielfalt. Nationalsozialismus damals oder heute? Kann man alle Fragen der Kinder beantworten? Oder gibt manb eher nur soetwas wie eine Richtung an, dass Nationalsozialismus schlecht ist? Können Kinder ab 10 Jahren wirklich schon mit den Greultaten umgehen und diese auch verstehen und reflektieren?
Kommentar von Unbekannt (18.04.05 20:16:30)
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Es geht ja auch nicht um alle Greultaten und bei so jungen Kindern generell nur wenn sie fragen. ich denke das Ziel sollte sein, das sie verstehen, um was es generell geht und was hat das eigentlich mit uns zu tun. Natürlich sollte es auch ein ziel sein ihnen durch solche Gruppenstunden, in denen man natürlich nur repräsentative Ausschnitte zeigen kann, zu vermitteln, dass so etwas nie wieder geschehen darf.
Kommentar von Unbekannt (19.04.05 17:31:46)
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Der Umgang mit dem Thema ist sicher wichtig, aber ich würde da jetzt so als "Einstiegsalter" mindestens 12 sagen.
Wenn man vom Nationalsozialismus spricht, gehören die Greultaten untrennbar dazu. Ob es jetzt die Reichskristallnacht ist oder die KZ's. Und wenns um die KZ's und die Judenverfolgung geht, sollte man es so darstellen wie es war und nicht abgeschwächt (wie die NPD & Co). Die Wahrheit ist eben grausam gewesen und wer jemanden von den Zeiten erzählen will muss die Wahrheit auftischen. Und dazu gehören einige Nerven (und auch Tränen). Als Einstieg würde ich sogar überlegen "Schindlers Liste" zu zeigen. Grausamer Film, aber eben ehrlich. Menschen die alles verharmlosen gibts schon genug in Deutschland.

Ein Kind von 6 Jahren wird nicht richtig verstehen, worum es geht. Ausgrenzung und Diskriminierung werden sicher verstanden, allerdings sollte man den Nationalsozialismus da komplett rauslassen. Ich finde auch die Thematik Ausgrenzung & Co hat nicht unbedingt mit Nationalsozialismus in Verbindung gebracht zu werden bei den Kindern in dem Alter. Allgemein sind das zwei verschiedene Themen, die man zwar in Verbindung bringen kann aber sicherlich nicht muss. Es gibt ja (leider) auch genug Alltagsbeispiele. Aber auch hier würde ich die gesamte Gewaltthematik rauslassen.
Und ganz wichtig finde ich die freie Meinungsbildung, also kein "Das ist schlecht Kinder, merkt euch das!".

Das warn so meine Gedanken zu dem Thema die mir spontan gekommen sind...
Kommentar von Drachentraeger (07.02.06 16:49:04)

Es ist wie bei der Aufklärung - wenn´s Fragen gibt muß man ran.

Im Grunde beginnt es wirklich schon im Vorschulalter (und mit einem guten Bilderbuch davor)denn wie Katja richtig anmerkt ist der Einstieg über Werte - Diskriminierung und Ausgrenzung gut. Geschichten helfen das Thema zu vertiefen, "Damals war es Friederich" ist schon gut, abr erst ab 10/12 Jahre.
Ansonsten werdet Ihr feststellen, dass die Kinder die zu Euch vertrauen - sehr schnell auch mit schwierigen Fragen kommen. Nur die Greuel sind doch kaum für uns verständlich / zu begreifen - geschweige zu verstehen.
Selbst mit "Anne Frank" wird es schon so heftig - das es für Kinder bis zum Alptraum kommen kann.
Versucht ehrlich zu antworten ohne immer zu tief zu gehen.

Gutes Thema können hier auch die Kinderrechte sein - denn Kind habe eine große Bereitschaft sich gerecht zu verhalten - sie wollen gerecht sein - und über dieses Thema kommt man auch in zu den Themen. Und dann haben die Kinder schon bestimmte Werte verinnerlicht - die wichtig sind um das Thema aufzuarbeiten.
Kommentar von Vanelle (11.07.07 21:10:41)

Ich finde das Thema wirklich interessant und äußer mich dazu jetzt auch einmal...

Eigentlich schließe ich mich dem Artikel von Chris Koepp an. Ich finde es sehr wichtig, mit den Kindern so früh über diese ganze Thematik zu reden. Nehmen wir da das Buch : Der überaus starke Willibald?! Jemand gelesen? Kann ich nur jedem raten. diese Buch ist für Kinder in der 1ten und 2te KLasse geeignet und nach dem wir in unserem Arbeitskreis dieses buch intensiv durchforscht haben, ist uns klar geworden, dass damit schon viel früher begonnen werden sollte. Ich erlebe es momentan täglich im Kindergarten, wie Kinder sich gegenseitig ausgrenzen, diskriminieren und "fertig" machen.

Mit den richtigen Mitteln und den richtigen Vorüberlegungen ist es ohne Weiteres Denkbar, die ganze Thematik des "Nationalsozialimus" im Kindergarten zu behandeln. Es gibt auf Erzieherinnen-homepages reichlich Infomaterial.

Ich selbst habe aufgrund einer Lehrprobe mit den Kindern ein Sachgespräch zum Thema "Der Schwache und der Starke" geführt, in dem ich genau diese Thematik in kindgemäßer Sprache angesprochen und mit ihnen bearbeitet habe. Es ist erstaunlich zu sehen, mit welchem Interesse die Kinder dieses Gespräch verfolgt haben und welche Beiträge sie geleistet haben.

Grüße Vanessa

Kommentar von paseg (12.07.07 13:18:32)

Also, wir waren 2005 in Thüringen und 2006 in Bremen und haben den Kindern ab ca. 11 Jahren die Möglichkeit gegeben selbst zu entscheiden, ob sie z.B. die Kinderstadtführung oder die Erwachsenenstadtführung wählen. In Bremen kam dann natürlich wegen der Bötschergasse und in Weimar wegen des nahegelegenen KZ Buchenwald das Thema Nationalsozialissmus auf.

Allle Kinder die dabei waren haben davon aber keinen seelischen Schaden davon getragen - also mit 11/12 kann man das Thema schon behandeln!

Kommentar von Unbekannt (12.07.07 13:47:16)
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Wie so oft kann man solche Dinge nicht am Alter festmachen. Für die Reife ist keinen Garanten, auch bei fortschreitendem Alter nicht :-)

Für mich (persönlich) kommt das Thema für normale Freizeiten keinesfalls in Betracht. Ich könnte dem Thema in diesem Rahmen nicht gerecht werden. Aufgrund der Emotionalität fühle ich mich als Betreuer auch der falsche Ansprechpartner für die Kinder bei diesem Thema. Bei Freizeiten steht an erster Stelle für mich und meine Art von Freizeiten immer der Urlaub/Spaß im Vordergrund. Ein KZ passt da beim besten Willen nicht rein.

Kommentar von paseg (12.07.07 15:01:26)

Also, wir hatten in dem Lager das Thema Zeitreise. In dieser Hinsicht denke ich kann man das auch als Programmpunkt anbieten für alle, die wollen. Das war keine Pflichtakktion, aber wir wollten den Gruppenleitern und "reifen" Teilnehmern die Möglichkeit bieten das KZ zu besichtigen um zu verstehen wie es damals war.

 In dieser Hinsicht könnte auch das Gartenhaus von Goete in Weimar zu Fragen führen, da dieser dort oft Orgien abgehalten hat!  Das nur mal zu sagen!!!!!!

Kommentar von Unbekannt (12.07.07 15:58:10)
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Ich will dich damit nicht angreifen :)

Du bist für deine Kinder und Freizeiten verantwortlich und da hab ich dir nichts reinzureden. Habe das ausschließlich auf mich bezogen. Auch wenn ich finde das Orgien von Goethe und KZ's alles andere als auf einer Wellenlänge liegen.

Kommentar von araisch (12.07.07 17:27:45)

Schwieriges Thema, ich denke das ist die Entscheidung und Sache der Eltern und Lehrern der Kinder, ebenso wie ich z.b. keine Aufklärung der Kinder durchführen würde *g*. Wenn es ein KZ mit Ausstellung ist, sollte man sowieso eher davon absehen. Ich habe voriges Jahr Dachau besucht und muss sagen, dass die Ausstellung dort jedem FSK18 Film Konkurrenz macht. Ich würde mich schön bedanken, wenn meine (fiktiven) Kinder in ihrem "Urlaub" in sowas geschleppt werden würden.

Allerdings Aktionen zum Thema Diskriminierung, Außenseiter, Psychische Gewalt kann man sehr gut ab der 3. Klasse durchführen. Schließlich sind sie auch schon fähig diese Dinge auszuüben.. 

Kommentar von paseg (13.07.07 17:51:48)

Also, als wir da waren, waren alle Ausstellungen geschlossen und wir sind nur durch die Ruien der Barakken, ins Krenatorium und in den so genannten Pferdestall gegangen. Aber alle Teilnehmer waren ca. 14 Jahre alt und wollten auch unbedingt mit!
Kommentar von fels298 (17.07.07 08:05:20)

In Berlin kann man auch das Jüdische Museum besuchen und nach dem Besuch innerhalb der Gruppe über das Erlebte sprechen.

Hier im Norden gibt es zum Beispiel auf dänischer Seite unmittelbar hinter der Grenze ein ehemaliges Konzentrationslager. Es heißt Frøslevlejren http://www.froeslevlejrensmuseum.dk/ und ist super erhalten, liegt mitten in einem größeren Waldgebiet. Man kann dort auch primitives Übernachten machen.  Graf Bernadotte hat mit seinen weißen Bussen hier zahlreiche Menschen vor dem sicheren Tod gerettet. (siehe http://www.vcp-fulda.de/Graf%20Folke%20Bernadotte.htm )

In Ostdeutschland kann man die KZs Buchenwald und Sachsenhausen besichtigen.

Kommentar von elalag (21.07.07 09:43:42)

Ich finde es ein sehr schwieriges Thema. Es muss richtig bei den Kindern ankommen. Mein Sohn wird 12. Des öftern kommt jetzt dieses Thema und ich merke, dass er oft was verwechselt. Da er auch noch ein ADS hat kommt bei ihm vieles ungefiltert hinein bzw. die innere Bremse funktioniert nicht. D.h. er lässt was raus ohne erst zu überlegen und hat damit bezüglich Nationalsozialismus schon Unheil im Quartier angerichtet, wo sehr viele, aber gut integrierte Ausländer leben. In den Freizeiten weiss man nicht über jedes einzelne Kind ganz genau Bescheid, was es denkt, wie es verarbeitet bzw. was es selbst für einen familiären geschichtlichen Hintergrund hat. Ich finde, dieses Thema sollte deshalb in der Schule im Geschichtsunterricht statt finden und dort ist hoffentlich ein Lehrer, der das auch richtig vermitteln kann.

Gruss Ela



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