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Heimfahrt eines Kindes

von Unbekannt (06.02.05 14:54:29)

Mich würde einmal interessieren wann ein Kind bei euch heimfahren muss und wie ihr damit umgeht.

Habt ihr schonmal jemanden Heimfahren lassen?

Dazu noch eine provokative Frage:
Wer ist Schuld an einer Heimfahrt? Das Kind selbst oder die Betreuer?

Ich bin gespannt auf eure Meinungen, Erfahrungen und Handhabung zu dem Thema.
Kommentar von Vulcano (15.02.05 03:45:43)

Also...

bei uns ist das ganz einfach.Ein Kind muss dann nach Hause fahren wenn wir die Aufsichtspflicht nicht mehr gewährleisten können oder wenn nach mehrmaligen Gesprächen und anderen Strafen keine besserung eintritt.

Ein Beispiel : 1. Tag...

Das Kind (nennen wir es einfach S. (10 Jahre alt)) klaut am ersten Abend anderen Kindern die Süßigkeiten. Es erfolgte das erste Gespräch.

2. Tag ...

S. zerriss ein Foto von einem anderen Kind (es zeigte die Mutter des Kindes)
es folgte das zweite Gespäch mit S.
am Nachmittag zeigte S. sein Geschlechtsorgan den anderen Kindern die daraufhin sehr aufgeregt reagierten (ein Mädchen hat sogar die Eltern angerufen)
es folgte das 3. Gespräch mit S. hier wurde angedroht, die Eltern zu benachrichtigen wenn nochmal etwas passiert.
in der Nacht vom 2. zum 3. Tag ...
S. ist Nacht aufgestanden und hat ein anderes Kind angepinkelt.

Folge: Telefonisches Gespräch mit den Eltern, Gespräch mit S. -androhung (noch einmal etwas derartiges und er fährt nach Hause).

4. Tag...

S. reißt Steckdosen mit hilfe eines Springseils aus der Wand und überflutet unser gesammtes Sanihaus.
Da sich Wasser und Strom nicht sehr gut vertragen, können wir die Aufsichtspflicht nicht mehr gewährleisten also musste S. abgeholt werden.

Dem Betreuer kann keine Schuld gegeben werden.
Er hat die Aufsichtspflicht nicht verletzt.
Einen 10-jährigem ist es durchaus zuzumuten, allein auf die Toilette zu gehen.
Belehrt wurde S. mehrmals.
Es kommt bei ca.500 Kids in den Sommerferien ca.
alle 2 Jahre vor, dass wir jemanden nach Hause schicken müssen.

Also überlegt immer gut ob Ihr die Aufsichtspflicht gewährleisten könnt, wenn das Kind da bleibt.
Zur Erinnerung:Die Aufsichtspflicht besagt, das ein Betreuer grundsätzlich so die Minderjährigen zu beaufsichtigen hat, dass sie ...

- andere nicht gefährden

- keinen Schaden verursachen

- selbst keinen Schaden erleiden

und Betreuer müssen Teilnehmer vor körperlichen,seelischen und finanziellenn Schäden bewahren.

Wenn dies nicht mehr geht, weil wir ein einziges Kind nicht 24 Stunden am Tag im Auge behalten können und mehrmalige Gespräche und Strafen nichts bringen,muss das Kind nach Hause fahren.

So muss dann auch vor den Eltern argumentiert werden.
Als Tipp: Schreibt alles auf was so vorgefallen ist. Macht mit Euren "Problemkindern" eine Art Vetrag wie es sich zu verhalten hat.(Natürlich muss das Kind auch unterschreiben).
Bei Gesprächen immer einen anderen Betreuer als Zeugen hinzuziehen und immer alles aufschreiben z.Bsp. in einer Art Camptagebuch damit man den Eltern später was vorlegen kann.

Bevor Ihr ein Kind nach Hause schickt, gebt ihm noch eine Chance (also erstmal nur androhen)
Aber das habt Ihr ja alle sicher bei Eurer Jugendgruppenleiterschulung schon gehört.
Wer die Juleicard noch nicht hat, sollte die Schulung unbedingt machen so wird das Lagerleben auch viel einfacher und man kann sich auf die spaßigen Dinge, die ein Ferienlager beinhaltet, konzentrieren.
Kommentar von Unbekannt (15.02.05 09:33:15)
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Die Juleica ist zur Zeit meiner Meinung nach nichts wert.
Die Schulungen sind zu unterschiedlich und oft genug wird falsches gelehrt, von irgendwelchen Leuten, die weder eine Ausbildung in die Richtung haben und auf 4 Freizeiten waren. Die denken dann zwar sie kennen sich aus, aber so ist es leider oftmals nicht.
Egal wo du die Schulungen machst, es wird immer unterschiedliche Inhalte geben und unterschiedliche Qualität. Und solange das so ist, ist die Juleica einfach sinnlos. Ich meine es ist eine nette Idee (hab sie selbst), aber mehr als Vergünstigungen bringt sie einfach nicht. Die Qualität lässt zu wünschen übrig. Bestes Beispiel ist doch das Forum unter juleica.de *gg*
Da sind angeblich richtige Verhaltensweisen drin, da stehen mir die Haare zu Berge....
Wie auch immer, das ist meine Meinung. Da sollte sich jeder selbst ein Bild machen.

Dieser S. ist sogar für meine Verhältnise etwas krass. Also anpinkeln und Steckdosen herausreißen gabs bei uns bisher noch nicht. Ich glaube das wäre auch einer der wenigen Fälle, in denen ich den Teilnehmer auch Heim geschickt hätte. Aber solche Fälle finde ich super interessant. Bei so Kindern entwickle ich immer einen Ehrgeiz und versuche sie wieder tragbar zu machen. Das sind so die Herausforderungen an denen ich auf einer Freizeit wachse. Aber klappt auch nicht immer :-(
Kommentar von Vulcano (15.02.05 14:18:45)

Naja deine Aussage zur Juleicard ist schon richtig.Wir arbeiten derzeit an einen Konzept.
Alle die über unseren Landesverband geschult werden, müssen seit 2004, zum Abschluss einen ausführlichen Test schreiben.
Dieser beinhaltet alles wichtige.
Wenn also sich jemand bewirbt, der die Juleicard über den Landesverband erworben hat,weis ich 100%ig das er diesen Test bestanden haben muss.Zudem gehen wir auf wichtige Gesetze und evtl. Änderungen nochmals bei unseren Vorbereitungstreffen ein.
Hier kann durchaus nochmal ein Quiz stattfinden,zum Thema Aufsichtspflicht usw..
Juleicards von anderen Trägern erkennen wir nicht an.
Ich selbst war schon einmal auf einer Nachschulung in der nur gespielt und gebastelt wurde-echt blöd.
Also liebe Schulungsanbieter, kümmert euch um vernünftige Juelica-Dozenten und entwickelt einen Test, damit ihr einen genauen Überblick bekommen könnt, welcher eurer Betreuer geeignet ist.
Kommentar von Unbekannt (15.02.05 14:35:12)
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Es muss einfach eine Behörde / einen Träger oder sonstwas geben das die Zügel in der Hand hat und Entscheidungen trifft. Einfach ein zentrales Kontrollorgan. Das kostet Geld und wie wir wissen und viele von uns merken, sind die Zeiten der Zuschüsse vorbei.
Geld ist knapp. Und das ist der Grund warum die Juleica irgendwann auch wieder untergehen wird. Verzeiht mir meinen Pessimismus in der Sache, aber ich sehe keinen Grund bei den derzeitigen Gegebenheiten für einen Erfolg der Juleica.

Aber ich bin auch der Meinung, dass die Juleica nicht DER Nachweis für Lagerleiter und Betreuer ist. Ich werde zum Beispiel meine Juleica nicht erneuern, wenn sie in 2 Jahren ausläuft.
Das Feld der Jugendarbeit ist so riesig. Jeder Träger braucht andere Fähigkeiten. Als Gruppenstundenleiter brauche ich weniger Pädagogik sondern eher Bastel und Spielideen. Bei der DLRG ist Aufsichtspflicht im Bereich Schwimmbad & Co wichtiger.
Daher ist es auch ganz schwer auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Und vieles kann ich zwar in der Theorie durchnehmen, aber in der Praxis ist alles anders. Wer super alles in der Theorie weiß und auswendig kann ist nicht gleich ein geeigneter Betreuer.
In der Theorie lernen wir unseren "Junghelfern" auch das sie alle Kids gleich behandeln sollen. Das hilft dir auf den ersten Freizeiten dich richtig zu Verhalten. Mit der Zeit kommt die Erfahrung und die Einsicht, dass alle Kinder gleich zu behandeln einfach unfair gegenüber den Kindern ist.
Kommentar von carwin (15.02.05 14:37:01)

Zu dem geschilderten Beispiel: Bereits der Diebstahl von Süßigkeiten hätte mich derart aufmerksam gemacht, dass ich dem Kind schon ein "Anruf bei den Eltern"-Ultimatum gestellt hätte. Mit dem Bildzerreißen wäre dann sofort dieser Anruf fällig gewesen und hätte - so meine Erfahrung - die weitere Eskalation verhindert.

Nebenbei: Wenn die Kinder schon selbst bei ihren Eltern anrufen, um Mißstände anzuzeigen, sollte die Leitung schon vorher tätig gewesen sein (Information, Beruhigung, etc.) und allen anderen zeigen, dass sie die Lage im Griff hat, bevor eventuell plötzlich Eltern auf der Matte stehen, um "überraschend" ihre Kinder aus dieser "gefährlichen" Veranstaltung abzuholen.

Gruß
Carlo
Kommentar von Unbekannt (15.02.05 15:27:11)
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Wie willst du die Eltern informieren? Ich meine du kannst doch nicht anrufen und sagen: "...wir haben da einen Jungen der hat sich vor ihrer Tochter ausgezogen".

Da kann man nur ganz schwer vorbeugen. Wenn die Eltern Bedenken haben werden sie ersteinmal einen Betreuer verlangen. Ansonsten kann man den Kindern vielleicht erklären das ihre Eltern, sollten Fragen da sein, sich gerne an die Betreuer wenden können. Aber informieren ist unmöglich, zumindest bei uns auf den Freizeiten.

Diebstahl von Süßigkeiten hatten wir auch schon zwei Mal. Allerdings wurden die ziemlich schnell aufgeklärt. Die Kinder widersprechen sich oft ziemlich *gg*
Hier würde meine Reaktion stark darauf an wie die Situation aussah. Wenn sich der Junge einfach ohne zu Fragen 5 Gummibärchen genommen hat ist das nicht so schlimm. Hat er aber den Rucksack eines anderen aufgemacht und dann eine Tüte mitgehen lassen, sieht die Sache schon anders aus.

Das Bildzerreisen finde ich aber auch eine Nummer zu hart. Da muss ganz klar eine Grenze gezogen werden.
Kommentar von Vulcano (15.02.05 20:48:50)

Also bei uns auf dem Feriengelände gibt es ein Münztelefon und ein Kartentelefon.
Jedes Kind hat die möglichkeit seine Eltern anzurufen.
Die Betruer können nicht immer Kontrollieren wer, warum angerufen wird.
Zudem hat das Mädchen Ihre Eltern 2 min. nach dem Vorfall angerufen.
Da hatte der Betreuer und die Campleitung noch voll mit dem Jungen und allen anderen Kindern zu tun.
Klaro alle waren aufgeregt und meine Betreuer haben die Situation bestens gemeistert.

Diebstahl von Süßigkeiten und Zerreißen eines Bildes ist kein Grund, ein Kind Heim zu schicken.

Süßigkeiten waren ne Hand voll Bonbons.Er hat sich entschudigt und am Kiosk (selbstständig) ersatz besorgt.

Beim Foto sagt er aus, es ist aus versehen passiert und der andere Junge hat seine Entschudigung angenommen. S. hat das Foto wieder geklebt.

Zur Juleicard... Meiner Meinung nach sollten alle Träger eine eigenständige Jugendgruppenleiterschulung organisieren.
Kommentar von carwin (16.02.05 11:25:11)

Man muß eben den genauen Hintergrund zu einer konkreten Freizeitsituation kennen, in der die Verstöße passieren, um sie kommentieren zu können.

Bei uns können die Kinder in der Regel eigentlich garnicht von sich aus einfach so telefonieren. Das Haustelefon ist normalerweise für sie tabu und Handys sammeln wir zum Schutz des Eigentums im Normalfall ein.

Verstehbarer Hintergrund dieser Aktion: Heimwehpatienten sind bei unkontrolliertem Kontakt mit zu Hause eigentlich kaum zu "kurrieren". Das Telefon-Gespräch mit den Eltern ist bei uns schon ein erster Schritt, wenn man das Heimweh nicht durch Gespräche mit den Gruppenleitern in den Griff bekommt.

Zu dem Anruf bei den Eltern: Ich meinte damit nicht, dass man alle Eltern der möglichen "Geschädigten" von dem Fehlverhalten informiert, sondern die Eltern des Kindes, das sich daneben benimmt. Klingt zwar nach Petzen, läßt aber leichter die Möglichkeit gleich mal fallen zu lassen: "Im Wiederholungsfall müssen wir Konsequenzen ziehen. Und falls sie von anderen Eltern darauf angesprochen werden: Es geschah so uns so."
Kommentar von schultzeand (20.03.05 17:13:19)

Den Heimfahrgrund wegen der Aufsichtspflicht haben wir natürlich auch.
bei uns wird aber auch im Vorfeld klar gemacht, dass wer Drogen nimmt Alk trinkt oder raucht sofort heimfährt. Bei Alkohol und Zigaretten sind die Kinder mit 15 jahren in der Probierphase. deshalb schicken wir sie nicht sofort heim. wir reden mit ihnen und es gibt saftige Strafen, dass diese Kinder keine Zeit haben heimlich zu rauchen.
heimschicken mussten wir noch keinen. es ist aber wegen verzogenen Kindern jedes Jahr ein Thema in unseren Leiterrunden. wir haben einen mal bis zum Bahnhof gefahren. dann hat er so geweint und wurde einsichtig. er war wirklich brav danach. die anderen Kinder auch, weil sie wussten das kann ganz schnell gehen.
Kommentar von spiripower (20.03.05 21:28:42)

Bei uns ist ein Schüler wegen übermässigen Alk-Konsum vom Skiwochenende mit dem Taxi heimgeschickt worden. Diese Vorgehensweise wurd vorher in einem Elternbrief mitgeteilt. Rechnung haben die betroffenen Eltern ohne Aufregung gezahlt;
Kommentar von SchnuLa (23.04.06 20:44:41)

Hallo Leute,

zu Andreas, wenn ich zu einem Teilnehmer gesagt hätte der fährt nach Hause, dann gibt es bei mir kein zurück mehr, der fährt ganz sicher Heim! Da gibt es dann kein zurück mehr. Ich untergrabe meine Autorität nicht selber!

Ich selber habe noch keinen nach Hause geschickt. Teilnehmer wissen bei mir, wenn ich eine Strafe androhe und sie die Grenzen überschreiten müssen Sie mit den Konsequenzen leben!

Ich versuche es sehr lange im Guten.
Einige ehemalige Teilnehmer, heute Leiter im Lager in dem ich die Lagerleitung mit übernommen haben sagten mir: "Ich sei hart, aber fair mit klaren aussagen."

Wir hatten schon mal Kinder mit im Lager, mit denen die Lehrer in der Schule nicht klar kamen, bei uns im Lager gab es nicht mehr Probleme wie mit anderen Kindern, weil wir alle Kinder gleich behandelt haben.

Zu einem Meiner Vorschreiber möchte ich noch sagen, bei uns wäre es nicht anders gelaufen. Alles kümmert sich um den "Täter" und keiner um das "Opfer"

Als kleiner Tip: vielleicht nicht mehr ganz aktuell aber viele Infos gibt es auch unter www.aufsichtspflicht.de

Das wichtigste ist alle sollen Spaß haben sonst würde keiner wieder mitfahren.
Kommentar von Unbekannt (01.07.06 22:51:14)
Unbekannt
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Eine Heimfahrt eines Kindes bedeutet für mich die Kapitulation vor der Situation und ein Versagen meinerseits.

Jedes Kind ist handelbar und in eine Gruppe zu integrieren. Und es ist mein Job das hinzubekommen und zwei oder drei schöne und unberschwerte Wochen für alle Kinder zu ermöglichen.

Um dieses Ziel zu erreichen muss ich nicht zwingend authoritär sein, jedoch aber Authorität haben. Ich setze da auf andere Methoden um meine Ziele zu erreichen. Ich will mich nicht über die

Hatte auch schon eine Situation inder ein Teilnehmer unhaltbar geworden war und er kurz vorm Kofferpacken war. Erst da hat er den Ernst der Situation bemerkt und hat geweint wie ein Schlosshund. Zeigt er in diesem Moment Einsicht, finde ich, ist es legitim ihm eine allerletzte (dies muss allerdings wirklich DIE letzte Chance sein) Chance zu geben. Theoretisch hättest du Recht Markus, damit untergrabe ich meine eigen Authorität, allerdings ist das eine spezielle Situation in der genau das Gegenteil passiert: ich stärke die Beziehung zu dem Kind enorm.
Kommentar von Quirin (04.07.06 17:35:05)

Wir hatten das Problem auch mehrere Male.
Hat sich aber bis auf einmal jedes mal erledigt.

In diesem einen Fall ist es zu versuchten sexuellen Übergriffen gekommen - und das war nicht haltbar.



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