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Diskussionsplatz - pädagogische Fragen - "spezielle" Kinder

Bestrafungsaktion

von rolimo (23.01.05 11:12:42)

Ich habe hier eingie Bespiele von Ereignissen, die sich in einem Lager, einer Gruppenstunde oder so abspielen könnten.
Mich würde interessieren, was du tun würdest. Wie du in dieser Situation reagieren würdest. Wenn du auch ein solches Situationsbeispiel hast, kannst du das selbstverständlich auch hinschreiben. (Bitte wählt pro Kommentar und neuer Eintrag höchstens einen GW von 0.1!)

7. Eine Gruppe von Kindern haben ohne Erlaubnis der Leiter das Lagerplatzgelände verlassen. Die Leiter bemerken dies jedoch und wollen die Kinder am nächsten Tag dafür bestrafen.
Während der Bestrafungsaktion beginnt ein beteiligtes Kind kläglich zu weinen, es habe nichts getan. Doch es ist mit Sicherheit dabei gewesen.
Kommentar von mehlersoft (23.01.05 12:10:16)

Die schöne Situation, wo man sich fragt "böser" oder "guter" Betreuer. Auch wenn es teilweise schwer durch zu setzen ist, aber wer mit dabei war, muss auch die selbe Strafe wie alle anderen bekommen.
Doch was ich mich dabei frage: Wenn das Kind sicher dabei war und jetzt sagt, es habe nichts getan, kommt mir das ganze eher wie ein Kommunikationsproblem vor. Weiß das Kind, warum es bestraft wird? Wurde es ihm verständlich erklärt, dass diese Regel keine Willkür der Betreuer ist, sondern wichtig, damit alle gesund und heil wieder nach Hause kommen?
Kommentar von faenny (23.01.05 12:37:02)

Ich denke, dass es gerade bei jüngeren Teilnehmern viel wichtiger ist darüber zu sprechen, was an ihrem Verhalten falsch war als einfach mal zu bestrafen. Außerdem sollte die Strafe in direktem Bezug dazu stehen. (Was gar nicht so einfach ist!!! Wie würdet ihr sinnvoll bestrafen?)
Sind die Teilnehmer älter verstehen sie Strafen meist auch ohne Erklärung!!!

Was allerdings auch sein könnte, ist dass das Kind einfach weiß was man mit Tränen so alles erreichen kann... alles schon erlebt
Kommentar von Tobias (23.01.05 15:22:15)

Das mit Strafen ist immer so eine Sache, allgemein halte ich nichts von Strafen. Oft ist ein klärendes Gespräch ggf. auch mit jedem unter vier Augen sinnvoller. Manchmal helfen leider diese Gespräche nichts und so muss halt doch eine Strafe her. Ich selber kann mich noch eine Situation im Lager erinnern. Ich hatte eine Gruppe mehrmals darauf hingewiesen, dass sie mit Gummibändern niemals auf Menschen zielen sollen, da dies wenn man einen am Auge trifft sehr schlimme Folgen haben kann. Wie ich wieder in das Zimmer kam Hat ein Kind auf mich Gezielt ohne die Absicht auf mich zu schießen, aber das Gummi ist ihm Abgerutscht und gegen Meine Brille geflogen. Darauf hatte ich keine Gelegenheit nicht mit einem Gespräch erneut zu reagieren.Ich hab dann den Schützen dann zum helfen in der Küche geschickt an Stelle eines Spiels für die anderen Kinder. Allerdings hat sich dann die ganze Gruppe auf Seite des Schützen gestellt und sind alle in die Küche weil Sie meinten das hätte auch Ihnen passieren können. Eine frage hätte ich noch, wenn Ihr auch mal Strafen anwenden müsst welche Strafen habt Ihr?

Gruß Tobias
Kommentar von Paulus (23.01.05 15:45:47)

Ideal wäre sicher, man hätte den Fall vorausgesehen und eine entsprechende Lagerregel (kein Entfernen ohne Erlaubnis) mit einer entsprechenden Sanktion verbunden. Aber wer denkt schon an alle Eventualitäten (und Kinder sind ja so fantasievoll). Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, die Jugendlichen die "Strafe" selbst aussuchen zu lassen. Das setzt aber ein Schuldbewußtsein voraus.
Ich habe schon festgestellt, dass Kinder und Jugendliche der Ansicht sind, dass sie keine Schuld an etwas haben, wenn sie nur mitgemacht haben und nicht auf die Idee gekommen sind. Wurde eigentlich geklärt, warum das Kind der Ansicht war, es hätte nichts gemacht?
Dass die Strafe in direktem Bezug zum Fehlverhalten stehen soll, ist eine sehr schöne Regel. Mir fällt fast nie was ein (außer, wenn jemand etwas dreckig gemacht hat ... aber das ist sowieso einfach).

Gruß Paulus
Kommentar von MAG-Brand (23.01.05 16:14:21)

Wenn die Kinder weglaufen, dann gibt es eigentlich eine ganz einfach Methode. Man verkleinert einfach ihre Bewegungsfreiheit. Ein kleines Beispiel: Die Kinder dürfen auf dem ganzen Zeltplatz ohne Einschränkung rum laufen. Jetzt verlassen einge das Gebiet. Als Strafe dürfen sie nur noch auf dem halben Zeltplatz rumlaufen. Wenn ein Kiosk auf der anderen Hälte liegt, dann sollte man ihnen aber erlauben mit Begleitung von Leitern dahin zu gehen. Wenn man das Gefühl hat die Kinder haben es verstanden, kann man das Verbot ja wieder aufheben. Ich hab jedenfalls schon gute Erfahrungen mit diesem Prinzip gemacht. Die Kinder haben es verstanden und sich danach an die Regeln gehalten.
Das man den jüngern Kindern erklärt, warum man die Strafe verhängt sollte klar sein. Trotzdem hat es wenig Sinn Nachgiebig zu sein. Das nutzen sie einfach zu gerne aus. Man sollte lieber konsequent durch greifen (aber nicht zu hart) und damit die Grenzen klar abstecken.

Gruß Martin
Kommentar von rolimo (23.01.05 16:49:05)

auf Paulus' Frage: "Wurde eigentlich geklärt, warum das Kind der Ansicht war, es hätte nichts gemacht?"
- Nein... ist es nicht... was denkt ihr könnt der Grund sein? Eine Antwort haben wir ja bereits von Stefanie: "Was allerdings auch sein könnte, ist dass das Kind einfach weiß was man mit Tränen so alles erreichen kann... alles schon erlebt"

Ich denke es gibt viele verschieden Arten von Strafen (selbstverständlich keine Körperstarfen und so ähnlich.
Die höchste Strafe ist -meiner Meinung-, wenn man ein TN während dem Lager nach Hause schickt.
zB: Wenn ihr ein Kind beim Rauchen oder Kiffen erwischt, kann das ja sicher nicht straffrei ausgehen, oder?
Erzählt ihr den Eltern, wenn ihr die Kinder bestraft habt?
Kommentar von Paulus (23.01.05 17:26:32)

Zu Roland: "Erzählt ihr den Eltern, wenn ihr die Kinder bestraft habt?"
Eigentlich nicht, ich finde auch, dass das die Eltern nichts angeht. Wenn Kinder schon "bestraft" werden, sollte die Sache damit aus der Welt sein. Ich gebe aber zu, dass ich einer Konfirmandin schon einmal die Wahl gelassen habe, ihre Flasche Apfelkorn entweder ins Klo zu entsorgen oder ihren Eltern zu übergeben. Sie hat tatsächlich die zweite Variante vorgezogen und war über die Reaktion der Eltern sehr verblüfft (soviel zum Thema: Können Kinder und Jugendliche ihre Taten einschätzen).
Kommentar von mehlersoft (23.01.05 17:30:30)

In dem Fall, dass man ein Kind vom Ferienlager heim schickt, wird man auf jeden Fall den Eltern den Grund dafür sagen müssen und es wird dann auch solch ein Grund sein, den man den Eltern nicht verschweigen sollte/darf.
Kommentar von Unbekannt (23.01.05 18:13:27)
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Ein viel größeres Problem als das Finden einer passenden "Sanktion" (statt Strafe) ist meiner Meinung nach das Durchsetzen dieser Sanktion, speziell bei älteren Kindern und Jugendlichen.

Würde man zum Beispiel die Bewegungsfreiheit der Kinder auf dem Lagerplatz einschränken, müsste man dies auch dauernd überwachen. Ansonsten läuft man Gefahr mit der eigentlichen Durchsetzung der Autorität diese ganz zu verlieren.

Viel schlimmer wird es meiner Meinung nach auch, wenn man - so zum Beispiel bei Jugendlichen - auch körperliche Durchsetzungsprobleme hat. So zum Beispiel beim Konfiszieren harten Alkohols bei einem unter 18-jährigen, der einem daraufhin die Flasche einfach wieder aus der Hand reißt. Wie soll man sich verhalten? Will man sie zurückerkämpfen, läuft man Gefahr zu verlieren, was der "Autorität" den Rest gibt. Argumentieren und zureden kann man auch nicht, denn ein angetrunkener 17jähriger nimmt nichts auf.
Was einzig gut funktioniert, ist das Thema vor der gesammelten Gruppe zur Sprache zu bringen und die Gruppe Überzeugungsarbeit leisten zu lassen. Früher oder später ist die Akzeptanz in der Gruppe für den Jugenlichen wichtiger als der Widerstand gegen den Leiter.
Kommentar von Gerard (24.01.05 09:46:39)

Aus den vorherigen Komentaren geht hervor, dass die Strafe nicht ein Ziel an sich selbst ist, sondern ein Mittel um ein anders, übergeordnetes Ziel zu erreichen. Dies finde ich, ist eine gute Einstellung. Zu diesem Thema hat ein
Schriftsteller (dessen Namen mir im Augenblick leider nicht einfällt) trefflich gesagt:
Das Leben besteht aus Entscheidungen und Konsequenzen, nicht aus Verboten und Strafen!
Wer es fertig bringt bei den Kindern / Jugendlichen ein solches Bewusstsein zu entwickeln hat schon ganz viel erreicht.
Kommentar von Paulus (24.01.05 10:12:15)

Zu Christian: "In dem Fall, dass man ein Kind vom Ferienlager heim schickt, wird man auf jeden Fall den Eltern den Grund dafür sagen müssen"
Da stimme ich völlig zu. Alles andere wäre Unsinn. Es ist mir nur noch nie passiert, bisher konnte ich (glücklicherweise) alle Probleme auf Fahrten Gruppenintern lösen. Und ich finde schon, dass die Kinder und Jugendlichen ein Recht darauf haben, dass eine Sache, wenn sie einmal erledigt ist, auch erledigt ist.
Kann ich mal fragen, welche Erfahrungen Ihr gemacht habt, wenn Ihr Eltern einbezogen habt?
Zu Peter: "Viel schlimmer wird es meiner Meinung nach auch, wenn man - so zum Beispiel bei Jugendlichen - auch körperliche Durchsetzungsprobleme hat."
Die Schwierigkeit kann ich verstehen. Aber ich glaube, es ist gar nicht erlaubt, Sanktionen "körperlich" durchzusetzen. (Dunkle Erinnerung an meine Rechtsbelehrung über das deutsche Jugendschutzrecht und Aufsichtspflicht etc.) Auch Pädagogisch ist es, wie du ja sagst, höchst unelegant und riskant. Wenn ich aber nachts vor einem Jugendlichen stehe und ihm oder ihr die Pulle abnehmen muss, habe ich festgestellt, dass Teamerinnen und Teamer, die ja die Regeln kennen, eine große Hilfe sind.
Nochmal zu Peter: "Durchsetzen der Sanktion"
Da gebe ich dir völlig recht. Man muss auch aufpassen, dass die Sanktion für die Jugendlichen nicht die Leitung "straft". Ehrlich gesagt fällt mir da selten was ein ... vor allem, weil ich denke, die Sanktion sollte relativ schnell nach der Regelübertretung ausgesprochen werden.
Je mehr ich über dieses Thema nachdenke, desto weniger fühle ich mich auf alle Eventualitäten vorbereitet.
Kommentar von Unbekannt (24.01.05 18:29:41)
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Mit körperlichen Durchsetzungsproblemen war gemeint, dass man z.B. im Fall, dass man einem Jugenlichen die "Pulle" abnimmt - was ganz ohne Probleme geschenhen kann, weil er sie nicht in er Hand hatte - diese sich dann auch nicht wieder aus der Hand reißen lassen darf. Das ist bei 17jährigen, Minderjährigen, die eben keinen harten Alkohol trinken dürfen, nicht ganz so einfach. Man stelle sich mal eine GruppenleiterIN vor. Da wird das Problem konkreter.
Oder eine andere Sache wäre, dass man sich prügelnde Jugendlich auseinander bringen muss. Mitarbeiter in Jugendhäusern können da ein Lied davon singen.

Meine Empfehlung ist, sich auf jeden Fall als Gruppenleiter Mitstreiter zu suchen. Ist die Situation erst einmal eskaliert, dann schreckt ein Jugendlicher auch nicht davor zurück sich gegen einen Gruppenleiter zu "wehren".

Um es noch mal zu schreiben: die beste Vorbereitung auf so eine Situation ist sich bewusst zu machen, dass man mit ganz kleinem Kraftaufwand, nämlich nur ein paar einleitenden Worten, die Kraft der Gruppe nützen kann, um den einen, der aus der Reihe getanzt ist, wieder einzureihen.
Man kann z.B. bei einer Regelübertretung ohne vorher die Situation durch hastige Strafandrohungen und Rechtfertigungsversuche zu verschärfen, die ganze Gruppe zusammenrufen und vor der Gruppe thematisieren, warum es eine Regelübertretung war, und vor allem: warum es diese Regel gibt. Dann kann man sich fast immer der Unterstützung, vor allem der moralischen, der Gruppe sicher sein. Kumpels können einen ("anarchistischen") Raufbold oftmals besser überreden, als die "Autoritätsperson".
Kommentar von stefanie (24.01.05 20:22:31)

also zur urtümlichen frage wie ich auf so eine situation reagieren würde: ich würde das weinende Kind auf die Seite nehmen, mich setzen und dem Kind mit ruhiger Stimme versuchen die Situation zu erklären, es zu trösten und dann anschliessend fragen ob es verstanden hat, wieso es bestraft wird. Dann müsste das Kind wieder an der Bestrafungsaktion weiter machen.

Wir hatten im letzten Lager genügend Vorfälle, wo wir mit Strafen reagieren mussten. Wir waren in der Nähe eines Dorfs und die Regel war: die kinder dürfen nicht ins Dorf. Aber wir haben des öfteren Kinder beim einkaufen erwischt.
Unsere Strafen bestanden eigentlich aus Putzaktionen. u.ä.

Wir hatten auch das Problem, dass wir 14 jährige mit einem kleinen Fläschchen Alkohol gesehen haben, aber hatten in diesem Moment keine Möglichkeit in das Geschehen ein zu greifen. So ging der Lagerleiter dann später zu den 14 jährigen, liess alle beteiligten zusammen trommeln und erklärte, dass jemand sie dabei gesehen hätte, wie sie alkohol getrunken hätten. Natürlich stritten sie es ab, jedoch redeten sie später darüber, was einer unserer Leiter mitbekam. Sie wunderten sich, wer das wohl gemerkt habe. Dieses Gespräch hat gewirkt. Also sind Strafen nicht immer wirsamer als gespräche... aber strafen sollten auf jeden fall gut überlegt sein und nicht zu übertrieben.
Kommentar von joerg2204 (24.01.05 21:36:34)

Wir veranstalten für eventuelle Bestrafungsaktionen immer ein Lagergericht!
Also eine kleine Gerichtsverhandlung bei der alle "Fälle"
die öffentlich sein können verhandelt werden und die Teilnehmer bzw Angeklagten sich auch verteidigen können!
Es werden Zeugen gehört und und und

Dies wirkt an sich immer ziemlich gut, da es vor allem eine abschreckende Wirkung hat!
Die Kinder mussen sich somit vor dem ganzen Lager verantworten und oder verteidigen!

Hier muss man jedoch ziemlich aufpassen welche Kinder man anklagen kann und welche nicht, da die Situation doch ziemlich unbequem ist!
Deshalb muss man anschließend auch nicht so hart bzw gar nicht bestrafen!
Der Vorschlag für das Strafmaß des Staatsanwalts reicht meist schon aus, da dieser meißt Strafen vorschlägt die stark abschreckend wirken!
Kommentar von rolimo (24.01.05 22:09:14)

Ich bin nocht nicht dazu gekommen und alles, was heute geschrieben wurde zu lesen.. (man ist Schule wiedermal stressig.. :-) )aber

Was haltet ihr von der Bestrafung, dass das Kind selber nach Hause anrufen muss und erzählen, was es getan hat? (natürlich nur bei härteren Fällen(wir haben es noch nie gemacht...))
Kommentar von Locke (24.01.05 22:54:15)

@ Roland
Das ist zimlich heftig und sollte nur bei wirklich schlimmen Sachen bzw. bei Uneinsichtigkeit praktiziert werden!
Hatten das Anrufen sowie das erzählen beim Abholen schon und es ist immer mit Tränen einhergegangen.
Kommentar von Tobias (25.01.05 08:46:03)

Selber bei den Eltern anrufen ist schon heftig. Man sollte auch bedenken, dass die Kinder was Ihren Eltern "beichten" erzählen müssen, auch oft danach Heimweh bekommen. Wir haben oft schon gut Erfahrungen gemacht dass das Kind einen Brief an die Leiterrunde (Teamrunde) schreiben musste, wo es genau beschreibt gegen welche Regel es Verstoßen hat. Dieser Brief wurde dann abends in der Leiterrunde vorgelesen. Meistens haben wir dann von einer Strafe abgesehen, wenn sich das Kind in dem Brief für den Regelverstoß entschuldigt.

Zu Thema Strafen müssen sofort ausgesprochen werden.
Oft ist man in der Situation wo etwas geschieht erschrocken oder auch sehr emotional sehr angegriffen, besonders wenn man den Kindern des öfters etwas gesagt hat. Mir ist es dann schon manchmal passiert dass ich mit dem Strafmaß etwas übertrieben habe. Deshalb hab ich mir angewöhnt eine Strafe anzukündigen (direkt nach dem Vorfall) und Sie dann mit einem weitern Leiter diskutiert und dann ausgesprochen, allerdings noch am selben Tag meist so ca. 2 Stunden danach. Sinnvoll hierbei ist dem Kind den Regelverstoß noch mal klar zu machen, da es sonst oft die Sachen nicht richtig verstehen kann.
Kommentar von Gerard (25.01.05 08:58:01)

@ Roland / Thomas
Ich wäre sehr vorsichtig eine solche Strafe zu verhängen da die Reaktion der Eltern nicht im Voraus eingeschätzt werden kann. Finden die Eltern die Strafe eventuell zu hart, wollen diese das Kind noch zusätzlich bestrafen, sind diese eventuell genervt da sie in ihren "Kinderfreien Tagen" gestört wurden (auch das gibt es), finden die Eltern die Reaktion der Gruppenleiter übertrieben, ... . Meiner Meinung nach bedingt diese Bestrafung eigentlich nur, dass ein Problem durch ein anderes (vieleicht noch schwerwiegenderes) ersetzt wird.
Während dem Lager / der Freizeit haben die Gruppenleiter die Aufsichtspflicht und sind Autoritätspersonen. Auch diese Position kann durch ein solches Telefonat untergraben werden.
Fals ich mich für diese Art von Bestrafung entscheiden würde, würde ich vorher auf jeden Fall den Eltern anrufen und die Situation mit ihnen abklären. Auf diese Weise können die vorhin beschriebenen negativen Aspekte weitesgehend ausgeschlossen werden. Falls nötig können sich die Gruppenleiter nach dem Telefonat immer noch eine neue Strafe ausdenken.
Kommentar von Unbekannt (31.01.05 22:11:32)
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Also in dem Umfeld in dem ich tätig bin sind Bestrafungen absolut notwendig. Ich zitiere mich selbst mal, denn erst heute habe ich einen Beitrag in einem Forum darüber geschrieben:

"(...)Dazu muss ich aber auch sagen das ich mich wahrscheinlich auch in einem ganz anderen Umfeld bewege. Bei uns sind nunmal 30% Kinder aus sozial schwachen Familien mit wenig oder sogar keinen Bezugspersonen. Dazu kommen pro Freizeit bis zu 6 ADS und teilweilse ADHS Kids.
Wobei die ADS Kids zum Teil einfach nur aufgeweckter sind und irgendein Hausarzt Ritalin verschrieben hat. Aber das ist wieder ein anderes Thema.
Auf jeden Fall gibt es bei jeder Freizeit einige Machtkämpfe zwischen einigen Kids und dem Team. Gerade den sozial schwächeren fällt es häufig schwer sich an die Regeln zu halten.
Letztes Jahr zum Beispiel war das Highlight in der Richtung meine Aktion auf einem Schiff von Sylt nach Helgoland, bei der ich mich auf einen Jungen regelrecht draufgeworfen hab. Der Kleine ist toal durchgedreht, war nicht mehr ansprechbar und hat ziellos um sich geschlagen. Dabei habe ich mir einige blaue Flecken eingefangen. Mich wundert es wirklich welche Kräfte in Kindern stecken können. Das war schon etwas extrem. Vorallem haben alle Leute geschaut(...)"

Bestrafungsmöglichkeiten haben wir inzwischen einige probiert. Manche mit extremen Scheitern *gg*
Als Beispiel hierfür gilt wohl klar die "Stuhl-in-Tür" Methode bei lauten Kids am Abend. Einfach mit dem Stuhl in die Tür sitzen und der Abend war nur noch ein Horrorszenario. die Kids ham uns gnadenlos ausgelacht und ehrlich gesagt hatten sie damit vollkommen Recht. War ne dumme Idee *gg*

Bei Kids zu denen man einen guten Draht hat führen Gespräche zu etwas, wenn es allerdings darum geht ein Exempel zu statuieren bzw. Regeln zu stärken fürht oft kein Weg daran vorbei. Gerade bei sozial schwächeren Kids...
Grundsätzlich sollte die Strafe was mit der Tat zu tun haben, allerdings ist das ein theoretisches Optimum und schwer zu erreichen. Wir bemühen uns wirklich darum, aber klappen tuts einfach nicht immer, da wir entweder keine Ideen haben oder wir schnell reagieren müssen.

Küchendienst wird bei uns nicht als Strafe vergeben, da wir die Meinung haben Küchendienst sollte Spaß machen. Zu dem Thema kann ich nur Wasserschlachten bei sonnigen Tagen in der Küche empfehlen. Geht natürlich nicht überall und man muss höllisch aufpassen das es nicht ausartet. Aber mit Kids denen man vertraut durchaus eine spaßige Sache und es sträkt auch ungemein das Vertrauen der Kids zu den Teamern.
Kommentar von rolimo (06.02.05 13:07:15)

Zu Jörg Schloßmacher

Du schreibst von einem "Lagergericht". Kannst du sagen, wie das abläuft? Mein eindruck bis jetzt ist, dass man damit die Zubestrafenden vor den restlichen Kindern blosstellt.
Ich finde das eher eine unpassende Art um eine Bestarfung zu finden...


Es ist sicher gut, wenn man vor dem Lager die Teilnehmerlieste "durchkämmt" und schaut, welche Kinder allenfalls Schwierigkeiten auslösen könnten und bei denen schon zum Vorneherein das Gespräch mit den Eltern und dem Kind selber sucht.(Siehe auch hier) (Vorschau)
Kommentar von Unbekannt (06.02.05 14:48:11)
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Das Elterngespräch ist immer auch so eine Sache. Du musst dich fragen warum die Kids sich nicht an Regeln halten oder warum der Umgang mit anderen Kindern nicht so ist wie er sein sollte.
Und nicht selten liegt das auch an den Eltern die einfach überfordert oder aus psychischen Gründen einen Knacks haben und gegenüber ihren Kindern einfach komplett falsch reagieren.
Wenn du jetzt zu denen kommst wirst du entweder ausgelacht weil die es einen Dreck (sorry, klingt hart aber ist wirklich so!) schert was ihre Kinder treiben oder sie werden so sauer und fühlen sich für das Verhalten des Kindes verantwortlich, dass am Ende das Kind alles ausbaden darf.
Das sind meine Erfahrungen mit Elterngesprächen von schwierigen Kindern.

Natürlich ist das anders wenn man die Eltern persönlich kennt, da kann man dann auch einschätzen wie sie in etwas reagieren und wie man das Ganze am besten verpackt.
Bei Eltern die man nicht kennt ist allerdings Vorsicht geboten, das könnte böse nach hinten losgehen.

Zum Lagerrat:
ich habe zwar noch nie eine solche Freizeit geteamt aber es gab mal ein Projekt von uns. Anscheinend ist das super gelaufen und die Kinder haben sich mehr an die Regeln gehalten als man das gewohnt war. Es gab so gut wie keine Probleme. Allerdings war der Lagerrat da nur eines von vielen Organen und Methoden. Das Ganze nennt sich Partizipation. Unser Projekt lief auf exteme Partizipation hinaus und die Kids durften selbst alles bestimmen.
Ich persönlich habe davor eher Angst weil ich ein Teil meiner "Macht" abgeben muss und am Ende trotzdem dieselbe Verantwortung zu tragen habe. Mir gefällt der Gedanke nicht alles den Kids zu überlassen.
Aber das ist glaube ich das Resultat aus der fehlenden Erfahrung mit dem Thema.
Gibt auch ne Menge Bücher zu dem Thema, wer sich dafür interessiert sollte man bei den Stadtjugendringen nachfragen.
Kommentar von betty (13.02.05 23:25:16)

Also meiner Meinung nach muss Strafe schon sein,ich betreue allerdings meist nur Kinder von 7 bis 11 Jahren, aber meistens wissen die schon ganz genau das, sie das was sie gemacht haben nicht durften, und bei dieser altersklasse wirken meiner Erfahrung so Dinge wie Küchendienst und kein Nachtisch schon Wunder, und selbst wenn die Sünder reuig und ganz kleinlaut werden, Strafe muss sein! Und wenn ein Kind immer nur Regeln bricht sollte man, finde ich, mal ein Gespräch mit den Eltern führen, vielleicht kommt man so auf einen Grund, der vielleicht behehbbar ist. Guten Elternkontakt halte ich insgesamt für sehr wichtig, da man so sich schon auf eventuell auftretende Probleme vorbereiten kann, wenn man weiss aus was für Verhältnissen ein Kind kommt!
Kommentar von Unbekannt (14.02.05 07:12:13)
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Das ist aber nur nicht Allgemein zu sagen. Bei uns gibt es einfach wirklich Eltern die ihre Kinder schlagen wenn sie soetwas erfahren...
Daher ist also immer Vorsicht geboten.
Wir haben deswegen sogar schon ein heimliches Rauchen eines 10 jährigen "vertuscht". Als wir damit gedroht haben seine Eltern anzurufen, ist der vollkommen perplex geworden und hat sich ins Zimmer verzogen. Irgendwann hab ich nach ihm geschaut und am Ende lag er weinend in meinen Armen. Und dann hat er mir so einiges erzählt. Nach dem Ganzen hat er immer auf mich gehört (wenn auch nicht so auf die anderen Teamer) und war ein super lieber Junge. Er hat noch einigen Mist gebaut, aber nichts wirklich tragisches. Übrigens haben wir ihm nie mehr mit Elternanrufen gedroht. Es wäre auch ein starkes Stück, würde man die Angst des Jungen vor seinem Vater ausnutzen.

Ansonsten ist Küchendienst auch nicht so wirklich die geschickteste Strafe, oder? Du willst ja sicher nicht, dass der Küchendienst als "schlecht" angesehen wird, oder?
Der normale Küchendienst ist doch keine Strafe, sondern sollte Spaß machen. Das spart einiges an Nerven. Denn die Kids immer zum Küchendienst zusammenzutrommeln weil sie sich wieder versuchen zu drücken wird auf Dauer einfach nur noch nervig.
Kommentar von rolimo (14.02.05 08:59:53)

"...ich betreue allerdings meist nur Kinder von 7 bis 11 Jahren, aber meistens wissen die schon ganz genau das, sie das was sie gemacht haben nicht durften,..."

Ist es nicht so, dass diese Kinder besser wissen, was sie tun düefen und sich dann auch daran halten? Grössere Kinder machen sicherlich auch grössere Regelverstoss-Probleme... (bei den kleinen hat man dafür andere Probleme.)

"Bei uns gibt es einfach wirklich Eltern die ihre Kinder schlagen wenn sie soetwas erfahren..."
Sowas "krasses", was du uns gerade geschildert hast, ist mir bis anhin unbekannt gewesen. Ich denke jedoch, dass dies ein seltener Fall ist. (oder lieg ich falsch?) In so einem Fall würde ich es den Eltern auch nicht sagen, aber bei einem "krassen" Regelverstoss wie z.B. Kiffen muss man es fast den Eltern mitteilen...

"Ansonsten ist Küchendienst auch nicht so wirklich die geschickteste Strafe, oder?"
Was ist den eine geeignete Strafe?
Kommentar von Unbekannt (14.02.05 09:48:13)
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Bei uns kommt das wirklich leider öfters vor. Eigentlich haben wir in jeder zweiten Freizeit so einen Fall. Wir haben einfach die Kinder aus den Brennpunkten. Also gekifft hat der Kleine damals nicht, sondern die haben sich zu zweit eine Zigarette aus der Küche geklaut und sich hinter die Büsche verzogen um zu rauchen. Geschmeckt hats ihnen natürlich nicht.
Der eine war aus dem Heim und der andere hatte diesen Vater. Also haben wir uns nach einer mächtigen Standpauke und Streichung des Abendprogrammes (was wirklich sehr hart für die beiden war, die haben sowas von geheult an dem Abend) dazu entschieden nichts nach Außen dringen zu lassen. Nichtmal die Kinder haben gewusst was genau los war. Ich bin heute noch der Meinung, dass es das richtige Verhalten war. Aber da haben wir alle wahrscheinlich andere Einstellungen.

Strafen sollten generell etwas mit dem Vergehen zu tun haben. Fällt allerdings manchmal super schwer etwas zu finden. Wenn jemand das Klo verschmiert, darf er das ganze Klo schön sauber machen zum Beispiel.
Wir haben die Küchendienststrafe abgeschafft, weil wir es wirklich leid wahren die Kinder in die Küche zu holen. Drei Mal am Tag wird das extrem nervig. Und seit wir keinen Küchendienst als Strafe haben machts den Kindern Spaß. Auch dank der Belohnung und der Musik die wir eingefürht haben. Die reißen sich sogar manchmal darum wer machen darf.
Wenn ich hilflos gegenüber einer Situation bin, dann ertappe ich mich selbst auch manchmal dabei wie ich Strafen gebe ohne das diese etwas mit dem Vergehen zu tun haben. Ist schade, aber manchmal muss ich einfach schnell reagiern und dann fallen mir nur die Standardstafen ein.
Kommentar von chrisi (14.02.05 13:31:11)

Wir hatten bei einem Lager einmal einen sehr schwierigen Fall, bei dem alle anderen Strafen (Ausschluss vom Programm,...) nicht wirkten, wir haben ihm schon ein paar Mal gedroht, er müsse heimfahren, wenn er sich noch einmal etwas leistet, haben das aber doch immer wieder hinausgeschoben, da wir diese höchste aller Strafen eigentlich nicht wirklich verhängen wollten, da wir auch den Eltern einiges erklären hätten müssen, bzw. die Eltern vielleicht gar keine Zeit gehabt hätten, sich daheim um das Kind zu kümmern...

Er hat dann aber noch keinen Frieden gegeben, und als er einem anderen Kind einen Schuh an den Kopf geworfen hatte, ließen wir ihn seine Sachen packen und dann fuhren wir 10 Min. mit dem Auto, wo wir dann ausstiegen und noch einmal mit ihm redeten. Er hat dann seine Fehler eingesehen, wir sind zurückgefahren und hat sich die restlichen Tage nichts Ärgeres mehr geleistet...

War zwar hart für ihn, aber nachdem er sich durch alles andere nicht wirklich beeindrucken ließ, sahen wir keine andere Möglichkeit mehr...
Kommentar von rolimo (16.02.05 15:12:20)

Wenn das Kind einmal was gravierendes getan hat (Handy geklaut,...)

Ich würde es in den meisten Fällen den Eltern mitteilen; jedoch ihnen auch klar sagen, dass das Leitungsteam es falsch finden würde, wenn die Eltern das Kind jetzt abholen würden und sie das Kind noch zusätzlich bestrafen würden.
Kommentar von kassiopeia (16.02.05 17:32:23)

Ein Punkt, der mir im Zusammenhang mit Strafen ganz wichtig ist, ist die Konsequenz. Wenn man für Fehlverhalten eine Strafe androht, dann muss man das Nachher auch durchziehen, auch wenn einem das noch so zuwider ist.
Ich meine damit nicht, dass man nicht jeden Fall einzeln betrachten soll oder Kompromisse im Vornherein ausgeschlossen sind. Aber sobald man einem Kind ein Ultimatum stellt, wie zum Beispiel "wenn so was nochmal vorkommt, musst du nach Hause", muss man sich nachher auch dran halten. Sonst wird man unglaubwürdig und das ganze kann eskalieren. Ich finde, man sollte sich deshalb gut überlegen, welche Strafen man verhängt bzw. in Aussicht stellt.



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