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Diskussionsplatz - Pädagogische Fragen - "spezielle" Kinder

Kind hat keinen Hunger

von rolimo (09.01.05 11:25:47)
Ich habe hier eingie Bespiele von Ereignissen, die sich in einem Lager, einer Gruppenstunde oder so abspielen könnten.
Mich würde interessieren, was du tun würdest. Wie du in dieser Situation reagieren würdest. Wenn du auch ein solches Situationsbeispiel hast, kannst du das selbstverständlich auch hinschreiben. (Bitte wählt pro Kommentar und neuer eintrag höchstens einen GW von 0.1!)
(Die Beispiele und Namen sind frei erfunden)


2. Du bist in einem Lager. Ein Kind hat seit drei Tagen nichts beim Morgenessen, Mittagessen und Abendessen zusich genommen. Es habe einfach keinen Hunger.
Was tust du?
Kommentar von Kleistermonster (09.01.05 11:51:02)

Wir hatte auf einer Konfi-Fahrt dieses Problem mit Mädchen, welche so extrem auf ihre Figur geachtet haben und sich gegenseitig noch bestärkt haben, dass diese nichts essen wollten. In diesem Fall haben wir sie wirklich "gezwungen" was zu essen, weil bereits eine Teilnehmerin umgefallen ist. Damit sei weiterhin auf ihre "Linie" achten konnten mussten sie Obst essen oder am Mittag Brot. Es war den ersten Tag echt ein Kamp was in sie rein zu bekommen, aber ohne einen Apfel gegessen zu haben am Morgen durften sie nicht aufstehen. Außerdem sind wir einen halben Tag spazieren gegangen, damit alle mal richtig frische Luft bekommen, denn durch den Konfi-Unterricht waren sie viel im Haus und freiwillig sind sie im Januar auch nicht nach draußen gegangen.

Ich halte es aber auch für möglich, dass dein Kind Heimweh hat und deshalb nichts essen wollte. Wichtig sind hier ruhige Gespräche und auf jeden Fall würde ich nach dem dritten Tag mit den Eltern sprechen, denn vielleicht kam das auf Klassenfahrten ja auch schon mal vor. Eltern wissen häufig, dass ihre Kinder leicht Heimweh bekommen und schicken sie trotzdem mit auf Freizeit, weil die Eltern kein Urlaub haben. Diese Erfahrung habe ich auch schon gemacht und dass kann für Kinder echt schrecklich sein.

Nadine
Kommentar von rolimo (09.01.05 11:58:27)

Ich werde später auch noch was dazu schreib aber vorerst habe ich noch zwei Fragen:

-Was ist die "Konfi-Fahrt? Ist das eine Konformationsreise?

-Mir ist aufgefallen, das ihr oft "mit auf Freizeit" oder ähnliches schreibt. Ihrgendwie kann ich diesen Ausdruck nicht so richtig verstehen... Ist bei euch in Deutschland mit diesem "Freizeit" ein Lager gemeint?

PS: (Bitte wählt pro Kommentar und neuer Eintrag höchstens einen GW von 0.1!) Ich möchte, das darüber diskutiert wird und nicht jemand sich es nicht leisten kann... Danke!
Kommentar von Kleistermonster (09.01.05 22:07:29)

Bei uns werden innerhalb der Konfirmandenzeit ein oder zwei Freizeiten gemacht um den Unterricht zu vertiefen und zum Beispiel einen Vorstellungsgottesdienst kurz vor der eigenen Konfirmation zu gestalten. Eine Prüfung oder ähnliches gibt es nicht.

Bei uns werden Fahrten mit Jugendlichen und Kindern Freizeiten genannt, aber ich habe mich auch schon darüber gewundert das du eine neue Kategorie "durchs ganze Lager" aufgemacht hast. Ich habe alles in die Kategorie "Freizeit" geschrieben. Ich weiß nich ob es in ganz Deutschland so ist, aber von einem Lager spricht man bei uns nur bei den Pfadfindern...

Nadine
Kommentar von mehlersoft (10.01.05 06:21:05)

Zum Lager-Problem:
Ich folge da im Prinzip Nadines Definition: Eine Freizeit ist prinzipiell eine Aktion über einen gewissen Zeitraum, bei dem die Kids dort gemeinsam übernachten (Es gibt auch noch Heim-Freizeiten, da wird daheim geschlafen). Lager kenn ich auch eigentlich nur von den Pfadfindern, wobei es ja eigentlich nichts anderes wie (ca.) eine Zelt-Freizeit ist.
Kommentar von kassiopeia (10.01.05 07:45:24)

Zum Lagerproblem: Das Wort "Freizeit" ist ein Teutonismus, das heisst, es wird in dieser Bedeutung nur (oder zumindest fast nur) in Deutschland verwendet.In Österreich und der Schweiz sagt man "Lager"; laut dem Variantenwörterbuch wird letzteres Wort auch im Südwesten von Deutschland benutzt. Dass die Pfadfinder es durchgängig zu benutzen scheinen, finde ich interessant. Vielleicht hat das damit zu tun, dass die Pfadfinder international orientiert sind.

Zum Essen-Problem: den Vorschlag von Nadine, die Eltern zu Rate zu ziehen finde ich gut. Man kann das bis zu einem gewissen Mass auch schon im Voraus tun. Unser Verband stellt uns eine sogenannte "Gesundheitskarte" zur Verfügung. Darauf können die Eltern vermerken, ob ihr Kind gesundheitliche Probleme hat, Medikamente braucht, gewisse Dinge nicht verträgt, leicht Heimweh hat etc.

Solche Angaben können helfen, mit den Kindern umzugehen, und Probleme schneller zu erkennen. Dass man solche Angaben vertraulich behandelt, dürfte ja wohl klar sein. Bei uns schauen sie meistens der Lagerleiter und der Lagersanitäter durch. Je nach dem informieren sie die Gruppenleiter (wenn ein Kind zum Beispiel eine Bienenallergie hat und bei einem Stich schnell ein Gegenmittel braucht, müssen das auch die Leute wissen, die mit dem Kind zusammen sind)
Kommentar von Gerard (10.01.05 09:05:32)

Bei unserem Verband ist die "Gesundheitskarte" Pflicht. Ich habe das Formular als Anhang hochgeladen (Bitte etwas Geduld wegen dem selbstauferlegten Internetverbot von Christian).
Mit dem Essen hatten wir bisher noch keine Probleme bei Lagern/Freizeiten. Allerdings hatten wir schon mehrfach Kinder die viel zu wenig getrunken haben.
Das eigentliche Problem war eigentlich immer herauszufinden dass es ein Problem gab (sprich zuwenig trinken). Durch Einzelgespräche konnte meistens relativ schnell eine Lösung gefunden werden. Bei Einzelgesprächen achten wir darauf, dass diese unauffällig geführt werden (d.h. dass die anderen Kinder nicht mitbekommen dass wir mit irgendjemandem ein Einzelgespräch führen).
Kommentar von rolimo (10.01.05 17:35:54)

Danke für die Erklärung des Wortes "Freizeit". Da sieht man, wie die deutsche Sprache in sich selbst schon Unterschiede hat, und Missverständnisse entstehen können...

Zum Thema nichts essen:
Man muss sicher mit dem Kind darüber sprechen, warum es nichts isst.
Heimweh ist sicher eine Möglichkeit, irgendwann hat es jedoch sicher einmal Hunger, und es fällt ja sicherlich auch sonst auf (am Abend), wenn das Kind vor Heimweh weint oder sich sonst auffällig benimmt.
Das es Mädchen geben könnte, welche in diesem Ausmass auf ihre Linie achten, dass ist mir selbst gar nicht in den Sinn gekommen, da ich bei einem Kind eher an ein Heimweh-Kind gedacht habe, und die sind meistens eher etwas jünger...

Ich habe noch eine andere Idee gehabt:

Vielleicht hat das Kind bei einem Dorfausflug seine ganzen Taschen mit Süssigkeiten, Chips und anderen Vorräten aufgefüllt und hat desshalb nie Hunger...
Wir hatten mal jemand dabei, beidem - ich glaube- die Eltern ihm eine Vorrat mitgegenbe haben, falls ihm das Essen nicht "schmecke".

Danke, dass ich ihr so fleissig mit diskutiert; super!
Kommentar von Gerard (11.01.05 08:56:01)

Das Problem mit den Süssigkeiten, Chips, usw. haben wir folgendermassen gelöst:
Im Prinzip braucht niemand Süssigkeiten mitzunehmen. Wer dennoch welche mitnimmt muss diese mit den anderen Teilnehmern teilen.
Kommentar von mehlersoft (11.01.05 09:56:23)

Das Süßigkeiten-Problem lösen wir auf einen andere Weise: Wir haben meistens täglich einen kleinen Lagerkiosk, auf dem die Kids Schnub einkaufen können. Dabei wird natürlich auch auf die Menge geachtet.
Da der Ort meist weiter weg war bei den letzten Lagern, gab es das Problem mit dem Einkauf im Ort eigentlich nicht.
Kommentar von rolimo (11.01.05 17:10:32)

Bis anhin hatten wir meistens das Glück, das der Lagerort sich ziemlich weit vom Dorf wegbefunden hat. Im nächsten Sommer werden es auch wieder zirka 20 Minuten Fussweg sein... :-)
Die Kinder bekommen immer an zirka 2 Tagen, oder wenn wir ohnehin im Dorf sind, die Erlaubinis 1 bis 2 Stunden einkaufen zu gehen.

Wir bitten am Infotag auch die Eltern, dass wenn sie ein "Fresspächli" den Kindern senden, diesem auch immer etwas für sie allgemeinheit beilegen. So haben immer alle Kinder etwas davo
Kommentar von verstrahlt (23.01.05 22:53:49)
verstrahlt
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Also ich denke man sollte sich mit dem kind unterhalten warum es nix essen will und ihm auch klar machen das es was essen muss und wenn es wirklich nix essen will würde ich es auch "zwingen" was zu essen
Kommentar von faenny (24.01.05 14:51:14)

Ich kenne auch eher das Problem, dass zuviel gegessen wird und zwar Süßigkeiten und Knabberzeug. Besonders bei Hüttenwochenenden haben die teilnehmer oft soviel dabei, dass einer alleine alle versorgen könnte... (soviel zum Thema teilen!)
wir haben auch schon versucht ein "Süßigkeitenverbot" zu erteilen (und selbst etwas, aber in kleineren Mengen, mitzunehmen) was aber bis jetzt nicht sonderlich erfolgreich war, da viele Kids genügend Taschengeld haben um selbst einzukaufen...

mit dem nichts essen habe ich bei jüngeren Kindern noch keine Erfahrungen gemacht, dafür aber mit etwas älteren Mädels.
da musste dann der verantwortliche Leiter darauf achten, dass wenigstens eine bisschen was gegessen und vor allem getrunken wurde, hat auch relativ gut geklappt
Kommentar von MartHi (27.01.05 19:56:18)

Ich denke ´Sie mir alle zustimmen, wenn ich sage, dass man das kind auf keinen Fall zwingen sollte. Ich würde ein Gespräch unter vier Augen führen, um die Hintergründe hinter dieser Einstellung zu erfahren. Man könnte so zum Beispiel herausfinden, was das Kind am liebsten isst. Dann könnte man das Essen kochen oder kochen lassen. Man sollte dies aber unter vier Augen lassen, da die anderen Kinder denken könnten: "Ich esse jetzt nichts, dann bekomme ich mein Lieblingsessen."

Ansonsten könnte man auch das Kind mit dem Essen in einem Zimmer alleine lassen mit der Hoffnung, dass der Duft des Essens dem Kind in die Nase steigt.

Als letzten Schritt, wenn alle vorigen nicht funktioniert haben, würde ich sofort die Eltern verständigen, damit die mit ihrem Kind sprechen.
Kommentar von Unbekannt (27.10.06 14:02:31)
Unbekannt
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vielleicht könnte es auch daran liegen, dass das Kind sich von zu Hause aus auf die Freizeit "abserviert" fühlt und deshalb aus Trotz versucht den Eltern möglichst viele Sorgen zu machen.

Oder das betreffende Kind fühlt sich in der Gruppe/im Zimmer oder Zelt nicht wohl, weil es z.B. keinen oder nur wenige Kinder kennt, oder weil es von einem Kind oder einer Gruppe gemobbt wird. Das kann man aber wieder nur über ein Einzelgespräch herausfinden und das Problem dann versuchen zu lösen. Manchmal löst sich das Essensproblem damit von selbst.

Es gibt aber auch Kinder, die einfach nichts mögen. Wir waren 8 Tage in Rom und das Kind war 15 und hat sich nur von 3 trockenen Brötchen am Tag, sowie Milchbrötchen (eingepackte) und Bockwürstchen aus dem Supermarkt (und natürlich auch von Chips e.t.c.) ernährt. Sie hat erzählt, dass man sie auf einer früheren Freizeit dazu zwingen wollte etwas zu essen und dass das das ganze nur noch viel schlimmer gemacht hat.





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