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Diskussionsplatz - pädagogische Fragen - "spezielle" Kinder

hyperaktive Kinder (ADS / ADHS)

von rolimo (09.01.05 11:11:18)

Früher sagte man bei Kindern, welche hyperaktiv sind, sie sind POS-Kinder. Heute gibt es einen anderen Namen dafür, aber ich weiss ihn im Moment nicht, und du?

Hast du in deiner Gruppe ein Kind, welches nicht stillsitzen kann, immer nur "Scheiss" macht und auf einer Wanderung Kühe jagt?
Wie gehst du, die anderen Kindern und eure ganzes Leitungsteam damit um?
Wie kann man solche Kinder und ähnliche Kinder in ein Gruppe integrieren?
Was kann man dagegen tun?
Kommentar von Kleistermonster (09.01.05 11:40:43)

Hyperaktivität sagt man heute nicht mehr, sondern die Kinder haben ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndorm) oder ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit – Hyperaktivitätsstörung. Der Unterschied ist, das die einen unter anderem "hibbelig" sind und die anderen durch Zurückhaltung auffallen.

Ich habe viele Kinder erlebt, die sehr hibbelig sind und bei vielen wurde meiner Meinung nach zu schnell ein "Stempel" aufgedrückt. Nicht jedes Kind hat sofort ADHS.
Vor Jahren haben wir auf einer Kinderfreizeit ein Kind mitgehabt, welches eindeutig ADHS hat und ich hatte zunächst wirklich bedenken, aber es hat sich rausgestellt, dass dieses Kind eines der liebsten war. Man muss dazu sagen, dass die Eltern nichts von Ritalin halten und das Kind durch strenge Einschränkung der Lebensmittel behandelt wurde. Die Eltern waren spitze und haben uns eine Liste gemacht, was er auf jeden Fall essen darf und was auf keinen Fall.

Glück hatten wir auch mit der Herberge, denn die haben sich darauf eingelassen für dieses Kind extra zu kochen. Solange sich der Junge an das Essen gehalten hat, war er ganz "normal", jedoch durfte er auf keinen Fall Zucker zu sich nehmen, denn dann konnte man innerhalb von wenigen Minuten sehen, wie der zu "Spidy Gonzales" wurde....

Es war eine klasse Erfahrung und er hat sich auch selber mit seinen 9 Jahren damit gut ausgekannt und daran gehalten. Süssigkeiten sind übrigends nicht alle Tabu, denn Gummibärchen von Harribo zum Beispiel durfte er bedenkenlos essen. Wir haben uns dann einfach nach ihm gerichtet und dann gab es keine Probleme.

Wichtig ist jedoch eine intensive Elternarbeit, wenn man solche Kinder hat, denn häufig ist es mehr die Angst, welche einem das Leben schwer macht.

Hast du noch Fragen? Wir haben das im Unterricht gehabt und vielleicht kann ich dir weiter helfen....

Nadine
Kommentar von rolimo (09.01.05 13:10:10)

Wir hatten einmal in einem Lager ein Kind dabei. Seine Mutter war in diesem Lager Köchin. Sie informierte unsere Leiter (ich war damals noch nicht Leiter...), dass das Kind -nennen wir ihn Kevin- ein ADHS-KInd war.
Kevin war eine Woche in unserem Lager, welche in der Regel zwei Wochen lang sind.
Mir sind gewisse Ereignisse speziell in Erinnerung geblieben, die ich als "normales Kind" sehr seltsam gefunden habe.

Wir machten eine Schatzsuche. Ich war mit Kevin und vielleicht 10 anderen in der Gruppe. Plötzlich vollkommen überraschend beginnt Kevin auf einer Weide in die Richtung von Kühen zu rennen. Einer unserer Leiter konnte ihn nach kurzer Jagd noch zurückhalten, bevor er die Kühe ereicht. Der Leiter ging mit Kevin zurück zu unserem Lagerhaus und wir anderen setzten etwas irritiert unsere Schatzsuche fort.
Wie reagiert man richtig? Je mehr man dem Kind nachrennt, umso schneller und rennt es auch denn es empfindet es als Jagdspiel?


Auch im letzten Lager hatten wir einige Kinder dabei, welche Ritalin oder ähnliches nahmen. Die "Sanitäterin" unseres Lagers gab eigentlich allen von diesen Kindern ihr Medikament, dass sie auch sonst immer nehmen. Wir sind auch von den Eltern gut informiert worden, was mot den Kindern ist.
Mit diesen Kindern hatten wir keine Probleme.
Kommentar von Gerard (10.01.05 08:41:48)

Wir haben seit diesem Jahr ebenfalls ein Kind mit ADHS.
Es ist ein sehr liebes Kind. Durch seine Krankheit fällt es ihm leider sehr schwer zuzuhören. Trotzdem dass es ruhig dasteht und man glauben könnte es würde zuhören sind seine Gedanken öfters ganz woanders. Problematisch ist auch, dass dieses Kind alles speziell gut machen will, bitterlich weint wenn irgendetwas nicht klappt und seine eigenen Regeln befolgen muss (es hört z.B. mit malen auf wenn die Farbe die es gerade nehmen will nicht spitz genug ist).
Glücklicherweise haben wir eine Gruppenleiterin die sich immer sehr lieb mit diesem Kind beschäftigt wenn wieder "Krisenstimmung" angesagt ist. Die anderen Gruppenleiter (wir sind 3 Gruppenleiter und 19 Kinder) führen die Aktivitäten mit den anderen Kindern weiter.
Kommentar von Sanduar (13.01.05 08:01:54)

Oh ja! ich hatte auch einmal ein solches Kind, bei mir in der Gruppe. Und ich muss schon sagen dass es ziemlich schwer ist mit solch einem Kind umzugehen.
Aber ich hab da einen kleinen tipp: "Belohnung für erfolgreiche arbeit" ICh weiß es klingt vielleicht abgetroschen. aber bei uns hat es funktioniert! das einzige problem war dass nach einiger zeit alle kinder für irgend was eine kleine Belohnung wollten.
aber ein paar süßigkeiten kann man ja gerade noch verkrafften
Kommentar von mehlersoft (21.01.05 10:43:39)

In dem Zusammenhang möchte ich auf die Möglichkeit des Time Out (Vorschau) mal verweisen.

Zum anderen möchte ich noch auf ein Zitat aus dem Artikel Wie weit fühlt ihr euch für eure Gruppenstundenkinder verantwortlich? (Vorschau)
verweisen:
"Vor einigen Jahren hatten wir ein Kind in unserer Gruppe das mit Ritalin in hohen Dosierungen behandelt wurde. Nach Aussagen der Mutter war das Kind stark hyperaktiv (also an ADS erkrankt).
In den Gruppenstunden war das Kind (die Eltern waren geschieden)nicht besonders auffällig, es war eher ruhig.
Die Dosierung des Medikaments kannten die Gruppenleiter von einer vorherigen Freizeit die 2 Tage dauerte. Wir hatten als Leiter den Verdacht, dass die Mutter das Kind krank pflegen wollte.
Einige Wochen ehe wir zum Lager aufbrechen sollten informierten wir die Mutter sie solle uns doch bitte eine Bescheinigung vom behandelnden Artzt vorlegen aus welcher die Dosierung des Ritalin hervorgeht.
Trotz mehrmaligem Nachfragen sagte uns die Mutter sie hätte keine Zeit gehabt um zum Arzt zu gehen. Einige Tage vor dem Lager informierten wir die Mutter, dass ihr Kind ohne die besagte ärtzliche Bescheinigung nicht am Lager teilnehmen darf. Daraufhin sagte uns die Mutter sie wisse was am Besten für ihr Kind sei, wir hätten uns da nicht einzumischen, das Kind gefälligst mitzunehmen und ihm sein Ritalin zu verabreichen.
Schliesslich ging das Kind nicht mit zum Lager und kam auch nicht mehr zu unseren Gruppenstunden."

Aufgrund dieses Beispieles habe ich mir mal darüber Gedanken gemacht, ob man nicht prinzipiell diese Bescheinigung von einem Arzt verlangen sollte. (Diskussion dazu bitte weiterführen in Wie weit fühlt ihr euch für eure Gruppenstundenkinder verantwortlich? (Vorschau))
Kommentar von Unbekannt (31.01.05 22:37:19)
Unbekannt
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Hmmm....sagt mal bin ich der Einzigste der die bekannten Wutanfälle der ADS bzw ADHS Kids erleben muss? *gg*
Nähers hier bei meinem Posting: Bestrafungsaktion (Vorschau)

Ich habe mittlerweile einige Situationen erlebt in denen sich die ADS & ADHS Kids nicht mehr im Griff hatten.

Also falls jemand jemals in so eine Situation kommen sollte, was immer hilft besonders als Teamer wenn man das Kind wirklich gern hat:
haltet euch vor Augen das in diesem Moment das Kind nicht mehr aus "freien Stücken" handelt und nicht von dem was es tut persönlich gegen euch ist. Egal welche Wörter auch kommen...
Das Wichtigste in der Situation ist das Kind wieder unter zu bringen. Am besten einen ruhigen Ort suchen an dem es sich abreagieren kann. Wenn nicht anders möglich einfach in den Arm nehmen und warten bis es ruhig ist (was aber eine Weiler dauern kann). Der ruhige Ort kann das Zimmer des Kindes sein. Und lasst es in Ruhe wenn es drin ist egal welche Sachen da dann rumfliegen. In spätestens 5 Minuten ist es wieder auf einem halbwegs normalen und vorallem absprechbaren Level.
Danach am besten ganz ruhig über die Sache reden.
Es ist schon bei mir dazu gekommen, dass mir ein Junge den ich gern hatte, um den Hals gefallen ist und bitterlich geweint hat wegen seinem Ausraster.

Die goldene Regel überhaupt im Umgang mit Hyperaktiven: Strenge bei wichtigen Regeln, Milde bei weniger wichtigen!

Hoffe damit habe ich dem ein oder anderen geholfen. Das waren so die erfahrungen und Taktiken die ich gegen Wutausbrüche Hyperaktiver habe. Bisher haben sie sich immer bewährt.

Übrigens was zu Ritalin was hier nicht erwähnt wurde:
ich kann euch nur empfehlen mal an ARTE zu schreiben und euch das Video zu holen zu dem Thema. Aus der Reihe "Was uns auf den Nägeln brennt".
Sehr interessant und vorallem es kommen beide Parteien (Ritalin & Pädagogik) zum Reden.
Übrigens is das Ding auf Sylt wo die eine Freizeit stattfindet die bei der Doku begeleitet wird unser Freizeitdomizil *gg*

Rital ist eine Droge. Es beeinflusst aktiv die Gehinrtätigkeit und kann zu starken Veränderungen am Wesen des Kindes führen. Nebenbei sind die Langzeitrisiken nicht abzuschätzen. Darüber streiten sich allerdings die Expteren.
Wie gesagte ein super Einstieg und eine Vertiefung des Themas gibts bei ARTE!
Kommentar von Tomas (07.06.05 15:54:54)

Ich glaube hier sind einige Irrglauben unterwegs, weswegen ich einmal etwas aufklären möchte.

ADHS/ADS/Hyperaktivität ist entgegengesetzt wie ich es bereits einige Male las definitif eine Krankheit. Früher als hyperkinetisches Syndrom bekannte, relativ häufig vorkommende Verhaltensauffälligkeit bei Kindern, aber auch Erwachsenen, die sich in Störungen der Konzentration, der Wahrnehmung und der Gedächtnisbildung äußert. Als weitere Symptome können motorische Hyperaktivität, leichte Erregbarkeit, Unberechenbarkeit des Verhaltens, starke Stimmungsschwankungen, Aggressivität sowie Kontaktschwierigkeiten hinzukommen. Als Ursache nimmt man an, dass im Zusammenwirken verschiedener Hirnabschnitte die erforderlichen Überträgerstoffe (Transmitter) zwischen den Schaltstellen von Hirnzellen, den Synapsen, nicht optimal wirken. Dieser Funktionsstörung liegt vermutlich eine genetische Veranlagung zugrunde. Als Therapie kommt eine individuell eingestellte medikamentöse Behandlung mit sog. Stimulanzien in Frage, die die Funktion der körpereigenen Neurotransmitter weitgehend normalisieren. Daneben können zusätzliche Maßnahmen wie Psycho- oder Verhaltenstherapie erforderlich sein.

Früher war nur die Hyperaktivität bekannt. Heutige ADS-Kinder wurden früher lediglich als "Träumer" abgestempelt.
ADS wirkt sich schlicht so aus, dass die erkrankten sich nicht längere Zeit auf eine Sache konzentrieren können (da liegt das Defizit der Aufmerksamkeit) sondern sich durch kleinste Kleinigkeiten ablenken lassen oder in Ihre eigenen Gedanken fallen und die Umwelt abschalten.

Hyperaktive Kinder dagegen haben ein unglaubliches Energiepotenzial, welches sie bei jeder Möglichkeit rauslassen. Dazwischenreden, aus der Gruppe ausbrechen, scheisse bauen... alles mit dem Hintergrund irgendwie aufgestaute Energie abzubauen. Genau aus diesem Hintergrund sind diese Kinder oft auch leicht reizbar und aggressiv. Sie sind eben ein bereits volles Faß, das sehr schnell überläuft...

da ADS und Hyperaktivität oft einhergehen (und man noch daran forscht, ob sie womöglich dieselbe medizinische Ursache haben) wurde der neue begriff ADHS geformt.

Ich hoffe diese Infos waren hilfreich, bei weitergehenden tiefgründigeren Fragen zu dem ganzen könnt ihr mir gern ne PM/Mail schreiben.

gruß, Tomas
Kommentar von Unbekannt (07.06.05 17:48:22)
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Du hast Recht. Es hat sich aber herausgestellt das es so einfach leider nicht ist.
ADS liegt auch zu einem großen Teil auch an der Gesellschaft, Ernährung, Chemie (Kleidung, Fertigessen, etc.) und Umwelt. Es lässt sich nicht auf eine "Ursache" festlegen. Da sind sich die Experten heute einig (soweit meine Quellen stimmen). Bitte zeige mir deine Quelle mal, würde mich interessieren.

Wie gesagt, so einfach wie du es darstellst ist es nicht. Sicher spielen die Vorgänge im Gehirn auch ihre (nicht zu unterschätzende) Rolle, aber es ist eben falsch bei einer "Fehlfunktion" gleich von ADS zu sprechen. Die Studien die mir zugänglich sind behaupten sogar das 10% aller Menschen eine solche "Fehlfunktion" in der Informationsverarbeitung haben, aber deshalb keineswegs hyperkativ oder verträumt sind. Mache Forscher gehen sogar so weit und behaupten diese "Fehlfunktion" sei normal. In wie weit das zutrifft kann ich nicht beurteilen, habe es nur gelesen.

Das Problem bei ADS ist das es wenig bis nichts konkretes gibt. Es beruht zur Zeit noch alles auf Vermutungen und Theorien. Sicher sind einige Zusammenhänge inzwischen klarer geworden, doch viele Fragen bleiben immernoch unbeantwortet.
Warum wirkt sich ADS (welches es schon immer gab) heute so stark aus, stärker als noch vor 10 Jahren?
Welche Ursachen hat diese Verstärkung? usw.
Die Grundlagenforschung dazu steckt noch in den Kinderschuhen :-(

Auch die Sache mit der Behandlung ist nicht ganz so einfach. Die Ursache im Gehirn kann durch starke Medikamente (die der Definition einer Droge durch die WHO entsprechen) zwar "entschärft" werden, aber ein normales Verhalten wird dadruch nicht erzielt. Auch wenn das gerne behauptet wird. Heilung wird dadruch nicht erzielt, sondern ein Aussetzen der Symptome. Allerdings wird jeder der das Kind beobachtet ein Verhalten entdecken, dass roboterähnlich ist.
Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht gegen Ritalin & Co, aber für einen verantwortungsvollen Umgang damit. Denn eine Heilung erreicht man dadruch leider nicht.

Das Ganze Geschriebene beruht auf meinen Quellen, werde demnächst ein Fachbuch zu dem Thema bekommen (aus der Reihe: "Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie"). Inzwischen lese ich immer häufiger widersprüche Texte von diversen Autoren...
Kommentar von Unbekannt (07.06.05 17:55:02)
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Nachtrag:

Das Zitat eines Professors zum Thema ADS:
fragt jemand weiter unten. Z.B. auf der website von B. Klasen wird behauptet, ADHS sei prinzipiell unheilbar. In vielen sog. Elternratgebern kann man das Gleiche mit Staunen lesen. Aber das sollte einen nicht vom Denken abhalten. Was Heilung bei einer medizinischen, körperlich objektivierbaren Krankheit meint, muss ich hier nicht weiter erläutern, das kann sich jeder Laie in etwa denken. ADHS ist aber keine mediziisch objektivierbare Krankheit (als solche wird sie ja auch nicht diagnostisch festgestellt). Bei einer Verhaltensstörung (und nichts Anderes ist ADHS) meint Heilung, dass das gestörte Verhalten nicht mehr beobachtbar und auch nicht von gestörtem "Ersatzverhalten" abgelöst ist. Und gemäß dieser Definition ist ADHS selbstverständlich heilbar. Denn immer dann, wenn das sog. ADHS-Verhalten dauerhaft weg ist, ist der Patient geheilt. Mit Psychotherapie (im Unterschied zum Ritalin) kann man das erreichen.



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